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Samstag, 21. August 2010

Koblenz schaltet "mal richtig ab"

Am 21. August schalteten Anti-Atom-Aktive in Koblenz "mal richtig ab" - auf Liegestühlen, Badematten und unter Sonnenschirmen. Die Aktion war Teil eines bundesweiten Aktionstages: in über 40 Wahlkreisen demonstrierten Bürger/innen gegen längere AKW-Laufzeiten und forderten ihre Abgeordneten von Union und FDP auf, sich auf Bundesebene gegen längere Laufzeiten zu stellen.

Aktionsbericht und Bilder von den Organisator/innen

Einfach mal abschalten!

Koblenzer packen die Strandsachen aus - gegen Atomkraft

Es ist Samstag, der 21. August 2010, 13.04 Uhr. Die Sonne brennt. Eine Gruppe von ungefähr 60 Menschen aller Generationen hat die Einladung von campact und dem Anti-Atom-Netz Koblenz angenommen und sich auf dem Koblenzer Plan eingefunden, um einmal so richtig zu entspannen. Man richtet es sich hübsch ein, hier, im Herzen der Koblenzer Altstadt. Dass so viele Menschen von Jung bis Alt heute hier ihren Liegestuhl aufstellen, hat einen einfachen Grund: Sie protestieren. Und zwar dagegen, dass die Bundesregierung die Laufzeiten der Atomkraftwerke verlängern will. Sie entspannen, weil sie gegen Stress sind, und weil aktive Atomkraftwerke Stress verursachen.

Atom-Alarm in STADT

Am Rande des Geschehens stehen seltsame schwarze Gestalten mit schwarz-gelben Gesichtern, sie erinnern ein wenig an Darth Maul aus Star Wars, aber eben auch nur ein wenig. Sie zeigen auf den improvisierten Badestrand. Sie zeigen auf Transparente, auf denen steht: Atomkraft, Nein Danke!

“Wir möchten wie Menschen behandelt werden, nicht wie Humankapital!“, ruft der Mann mit dem Megaphon und erntet beherzten Applaus. Was er sagt, lässt die Passanten stehen bleiben und zuhören. Auf Kommando werden die Strandutensilien wieder eingepackt, der Menschenzug wandert weiter Richtung Jesuitenplatz. Die Demonstranten rufen „Abschalten, Abschalten!“, und es braucht nicht ständig das Megaphon, um die Menge anzufeuern. Die Sprechchöre kommen von innen, das merkt man, und selbst einem stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der CDU dürfte es zunehmend schwerer fallen, sie zu überhören.

Atom-Alarm in STADT

Am Jesuitenplatz wird die nächste Station gemacht, ein junger Mann spielt „Mother Earth“ auf seiner Gitarre, viele verteilen Flyer oder machen es sich unter einem Transparent oder einem Sonnenschirm gemütlich. Einige haben sich angeschlossen, so sind jetzt knapp 80 Menschen auf dem Jesuitenplatz und halten Plakate und Transparente in die Luft, auf denen steht, dass Atomkraft von gestern ist und weg muss.

Die letzte Station, der Görresplatz, erreicht die mittlerweile wieder leicht geschrumpfte Menge mit lautem „Energiewende - Jetzt!“ und „Laufzeitverlängerung - nicht mit uns!“. Vor dem Brunnen, der die Stadt Koblenz in verschiedenen Phasen ihrer Entwicklung zeigt, steht die aktuellste Phase, allerdings nicht in Rüstung und Schwert, sondern mit Sonnenbrillen und Badesachen.

Atom-Alarm in STADT

Nach einem letzten Aufruf an die Bevölkerung ertönt noch einmal die Sirene aus dem Megaphon, alle springen noch einmal auf und zeigen ihr Plakat, ihre Fahne, ihre Meinung.

Am Ende fragt mich eine ältere Frau (ich schätze sie auf ca. 70 Jahre) mit einem Gehwagen, ob die Fotos, die ich gemacht hätte, später auch irgendwo angeschaut werden könnten. Ich murmle etwas von Schaufenster und Koblenzer Naturschutzbund, dann frage ich vorsichtig: Haben sie vielleicht irgendeine Möglichkeit, auf das Internet zuzugreifen?
„Ja, klar.“, sagt sie. „Vielleicht auf der Homepage von campact?“

Bericht und Fotos: Kai Dillenberger

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