Nimm mit 248.046 Campact-Aktiven Einfluss
auf aktuelle politische Entscheidungen.
So viele Menschen, wie in Hamburg waren heute nicht ganz bei dem Flashmob in Berlin. Aber um kurz nach halb Vier hatten wir auch schon Sorge, dass die Plakate nicht reichen würden. An unserem Treffpunkt an der belebten Tauentzienstraße kamen insgesamt über 150 Menschen vorbei und holten sich Plakate und letzte Instruktionen ab. Auch zwei Herren von der Polizei schauten kurz vorbei, waren aber sehr freundlich und entspannt.
Mit Aktionsmaterial, guter Laune und dem Willen zur freien Meinungsäußerung ausgestattet zogen die Aktiven in kleinen Gruppen zum Breitscheidplatz und mischten sich unter das Publikum. Die Menschenmenge war größer als in Bremen, wir aber auch mehr Aktive. Daher machten wir wieder ein gutes Viertel der Besucher aus. Zunächst sicher erfreulich für die FDP. Martin Linder – Spitzenkandidat der Berliner FDP – baute uns in seine Begrüßungsworte ein. Er hatte sich sogar unseren Flashmob-Ablaufplan aus dem Internet ausgedruckt und las diesen, mit einem leicht verschmitztem Lächeln, vor. Auch den Startpunkt der Aktion trug er vor: „der erste Applaus bei Guido Westerwelles Rede“. Wir bedankten uns artig mit ein wenig Applaus und lächelten still. Denn als Guido Westerwelle dann auftrat und der erste Beifall über dem Platz hallte passierte – nichts. Wir lauschten einfach weiter der Rede, die der Politprofi flüssig, aber doch merklich irritiert fortsetzte. Etwas verunsicherter als ihr Vorsitzender wirkten die breitschultrigen FDP-Ordner, die sich mit blauen Jacken und „Knopf“ im Ohr strategisch im Publikum verteilten. Wir warteten ruhig ab.
Dann jedoch formulierte Herr Westerwelle – wie auch in Bremen - den schönen Satz „Ihre Meinung mag das völlige Gegenteil sein, von der meinen, aber ich werde immer alles dafür tun, dass Sie sie sagen können!“ Für uns ein schöner Moment, ihn von der Spannung zu erlösen: Innerhalb von wenigen Sekunden leuchten ihm aus der Menge über 150 schwarzgelbe Plakate entgegen. Guido Westerwelle versucht wieder, die Aktion durch „Anweisungen“ ins Lächerliche zu ziehen. Er zählt die Sekunden runder und kolportiert, das hätte aber in Bremen besser funktioniert. Wir ignorieren die Spitze. Die Presse uns jedoch nicht. Zahlreiche Kameras drehen sich um und fangen während der zwei Minuten die Bilder von unseren Anti-Atom-Plakaten ein.
„Jetzt müsst Ihr die Plakate noch zerreißen“, schallt es aus den Lautsprechern. Auch dieser „Regieanweisung“ wird keine Beachtung geschenkt – die Plakate werden zusammen gefaltet und mit unserem Verschwinden hinterlassen wir große Lücken in der Besuchermenge.
In Bremen nieselte kurz nach unserem Abschied der Regen auf die übrig gebliebenen Zuschauer und hier übertönen jetzt die Glocken der Gedächtniskirche mehrere Minuten lang die Lautsprecher der Veranstaltung. Der Himmel ist der FDP in meteorologischer und theologischer Sicht anscheinend nicht wohl gesonnen ;-)
Leider gab es während der Aktion auch einen tätlichen Übergriff von einem Zuschauer, der einer Aktivistin das Plakat aus der Hand riss und sie attackierte. Guido Westerwelle konnte das von der Bühne wohl nicht genau erkennen und nutzte leider die Gelegenheit, unsere Aktion damit diskreditieren. Wir werden die Aktiven in den kommenden Städte noch einmal deutlich darauf hinweisen, sich möglichst von pöbelnden und rempelnden Zuschauern fern zu halten.