Nimm mit 248.046 Campact-Aktiven Einfluss
auf aktuelle politische Entscheidungen.
Frankfurt am Dienstag nachmittag, noch fünf Tage bis zur Bundestagswahl. Bei der Wahlkampfveranstaltung der FDP am Platz an der Hauptwache haben sich ca. 500 Menschen versammelt. Aber das sind nicht alles Parteianhänger: Über 100 Menschen haben sich zuvor am Gutenbergdenkmal auf dem Goetheplatz Plakate abgeholt und auch einige Aktivisten von Greenpeace unterstützen den Flashmob. Sie haben zusätzlich auch ein großes Anti-Atomkraft-Banner mitgebracht. Auch andere Organisationen wie Gewerkschaftsjugend und Piratenpartei sind auf dem Platz vertreten.
Mit so viel Gegenwind hat Guido Westerwelle wohl nicht gerechnet, als er die Bühne betritt. Man merkt ihm an, dass ihn die permanent hohe Anzahl von Anti-Atom-Aktivisten bei seine Wahlkampfauftritten nervös macht. Zwar begrüßt er die Campact-Flashmobber wieder explizit und versucht, durch Verlesen der Flashmob-Anweisungen souverän zu wirken. Aber so locker wie zu Anfang in Bremen, als er die dortigen Aktiven mit den Worten "endlich kommt ihr auch einmal zu einer meiner Veranstaltungen" willkommen hieß, ist der FDP-Politiker nicht mehr. Stattdessen verlegt er sich auf Publikumbeschimpfung, stellt alle Andersdenkenden auf dem Platz in die linksradikale Ecke und bringt Sprüche wie „diese Leute zeigen, warum mehr Bildung nötig ist“.
Als wir dann spontan unsere Flashmob-Aktion starten und über 100 Plakate in die Luft gehalten werden, probiert Westerwelle wieder „Anweisungen“ zu geben. Den Ablauf haben wir aber vor Ort modifiziert und so wirkt z.B. sein „Jetzt müsst Ihr die Plakate zerreißen – aber nehmt die Reste mit“, recht deplatziert, da alle Aktiven die Plakate nach der 2-3 minütigen Aktion zusammenfalten und wieder mit nehmen als sie den Platz verlassen. Und urplötzlich verliert Westerwelle wieder einmal auf einen Schlag gut ein Viertel des Publikums. Das trifft sich gut gelaunt, ob der gelungenen Aktion noch einmal auf dem Goetheplatz und ein paar Aktive setzen sich für ein schönes Abschlussfoto auf die Stufen des Gutenbergdenkmals.
Inhaltlich scheint unsere Aktion auch Wirkung gezeigt zu haben: In Bremen handelte Guido Westerwelle das Thema Atomkraft noch kurz in einem Satz ab, ohne das Wort „Atom-" oder „Kernkraft“ in den Mund zu nehmen. Er sprach da nur von „sichereren und unsicheren Kraftwerken“ bei uns und in anderen Ländern. Jetzt in Frankfurt, nachdem der Flashmob erfolgreich gelaufen ist, bezieht er in seiner weiteren Rede klarer Stellung: Er spricht davon, dass die Erneuerbaren nur für 30% reichen und er Atomkraft als Brückentechnologie sehe. Schön, dass dieses Phantomargument von der „Stromlücke“ in dieser Woche erneut durch eine aktuelle Studie des Umweltbundesamtes widerlegt wird.