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Tour durch Deutschland

Frankfurt, 12. September 2009

Fehler werden in der Vergangenheit gemacht

Heute wird mitten in der Frankfurter Innenstadt diskutiert. Als die Endlagersuche vor der Hauptwache ankommt, sind die Parteien schon da: Wir platzen nicht umsonst mitten in die heiße Wahlkampfphase. Und am Samstag nachmittag lässt sich zwischen Shopping und Cappucchino natürlich das ein oder andere Bonbon an den Mann bringen. Aber dann kommen wir: 300 laute Demonstranten und der riesige Castor-Transport.

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Die Debatte bewegt sich heute zwischen größtem anzunehmenden Unsinn und der Erkenntnis, das Fehler in der Vergangenheit gemacht werden. Eigentlich nichts neues, aber dennoch Grund genug für die Frankfurter in Rage zu geraten. Der Klassiker „Deutsche AKWs sind sicher“ wird mit Buhrufen auf dem Publikum quittiert. Auch schön: Es gibt keine Gutachten, die Gorleben als Endlager in Frage stellen - so gehört vom CDU-Mann Matthias Zimmer. Der die Schuld für den Stand der Endlagerfrage außerdem klar dem SPD-Bundesumweltminister Gabriel in die Schuhe schiebt: Wäre der so hartnäckig wie die Antiatombewegung wäre man in Sachen Atommüll sicher schon viel weiter. SPD-Mann Gregor Amann findet das nicht so lustig.

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Rolf Würz von der FDP weiß zu beschwichtigen: Alles in allem gibt es demnach heute keinen wirklichen Grund zur Beunruhigung: Fehler seien in der Vergangenheit gemacht worden. „Gorleben ist ein Problem dass sich die Politik selbst geschaffen hat“, sagt Würz. Die Einigung auf den Standort Gorleben sei weniger eine fachliche als eine politische gewesen. Soviel zum Endlager. In Sachen Atomkraft jedoch sei sein „Glaube an die deutschen Ingenieure“ ungebrochen.

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Dagegen setzt Christine Buchholz von der Linken die Forderung nach dem sofortigen Atomausstieg. Und Martina Feldmayer von den Grünen spricht gar vom größten anzunehmenden Unsinn. Wobei sie nicht ganz unrecht hat, ist doch plötzlich die Rede von 150 neuen Atomkraftwerken, die weltweit neu gebaut würden. Die Internationale Atomaufsicht spricht dagegen von lediglich 35.

Das Publikum setzt jedenfalls auch nach der Endlagersuche den lautstarken Auftritt fort und sorgt für zahlreiche verbale Attacken und Kommentare. Für die Frankfurter sind die Wahlkampf-Bonbons von Schwarz-Gelb offenbar nichts als bittere Pillen. Und die mag niemand gerne schlucken.

Medienberichte zur Aktion:

Frankfurt, 12. September 2009

Frankfurt gibt Stoff

Protest Frankfurt

Der Druck wächst: Nur noch fünf Termine auf unserer Endlagersuche. Und noch immer konnten wir kein geeignetes Lager finden für tausende Tonnen Atommüll, die deutsche Atomkraftwerke produzieren. Frankfurt muss sich deshalb hohen Erwartungen stellen – und lässt zu hunderten zur Suche nach dem Endlager anrücken.

Die Stimmung ist grandios: Frankfurt ist mit Sicherheit einer der lautesten Standorte der Endlagersuche. Die Trommler auf den Atommüll-Fässern geben den Takt vor während die Nuklearwissenschaftler das Mainufer untersuchen. Sogar der Frankfurter Kaiserdom hat sich in einen weißen Strahlenschutzanzug gesteckt.

Protest Frankfurt

Vom Ufer zieht der Castor durchs Finanzviertel in die Stadt. Frankfurt setzt in Sachen Architektur auf Höhe – was dem Endlagerzug auch viele Zuschauer aus den oberen Etagen beschert. Vielleicht könnten die nächsten Skyscraper auf einem Atommüll-Fundament gebaut werden? Die Wissenschaftler nehmen jede Möglichkeit unter die Lupe: Zwischen Parfümerie und Kanalisation bleibt die Suche allerdings ohne Erfolg. Vielleicht kann ja Flughafenbetreiber Fraport den Atommüll beim umstrittenen Ausbau des Rhein-Main-Airports versenken, schlägt einer der strahlenden Experten vor.

Protest Frankfurt

Alles hängt jetzt an der großen Probebohrung vor der Hauptwache. Ein letztes Mal konzentrieren sich die Nuklearexperten und gehen Frankfurt im wörtlichen Sinne auf den Grund. Das Ergebnis ist eindeutig: Keine Chance für ein Atommüll-Endlager. Die Stimmung könnte trotzdem besser nicht sein. Sogar die Polizei scheint in Frankfurt ihren Spaß an der Demo zu haben– und das Ordnungsamt verpasst dem Castor fast einen Strafzettel für Falschparken. Alles nur im Scherz versteht sich. Aber irgendwie ist ja was dran.

Protest Frankfurt

Medienberichte zur Aktion:

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