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Tour durch Deutschland

Tourblog aus Mainz

Mainz, 11. September 2009

Vom Mitspielen und Ausspielen

Komisch, dass in den Diskussionen mit der Politik auf die Frage nach Atomkraft fast immer mit dem Ausbau der Erneuerbaren Energien geantwortet wird. Was hält zum Beispiel die CDU oder FDP vom Atomausstieg? Meistens wird das zunächst mit einem „Wir sind für den Ausbau regenerativer Energien“ quittiert.

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Zustimmung verkauft sich eben besser als Ablehnung. Atomausstieg? Prinzipiell ja. Endlagerfrage? Problematisch. Erneuerbare Energien? Prima. CDU und FDP etwa geben sich nur allzugerne Lobhudeleien auf Windenergie und Co. hin – nur um dann den scheinbar gut gemeinten Rat nachzuschieben, von den Erneuerbaren nicht mehr zu fordern, als sie zu leisten vermögen.

Im Klartext heißt das am Freitag in Mainz: 1. Atomenergie soll als Brückentechnologie verpackt werden, auch wenn die Erneuerbaren längst nicht mehr nur in den Startlöchern stehen sondern schon mitten im Sprint sind. 2. Wer am Atomausstieg festhalten will muss dafür wegen der entstehenden Stromlücke neue Kohlekraftwerke in Kauf nehmen.

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Sollen doch die Bürger wählen: Heute sind es Gerd Schreiner von der CDU und David Dietz von der FDP die sich um diese Argumente herum bewegen. Dass Erneuerbare Energien keine Brücke über eine nicht existente Stromlücke brauchen und deshalb auch Kohlekraftwerke nicht mehr vertretbar sind vertreten in Mainz Tabea Rößner von den Grünen und Karl Voßkühler von der Linken.

Und dann ist da noch David Langner von der SPD. Die hat in Mainz wegen des in der Ingelheimer Aue geplanten Kohlekraftwerks einen schweren Stand – saß aber bislang mit ihrer Begeisterung für das Projekt am längeren Hebel. Die Forderung der Linken nach einer Rekommunalisierung der Energieversorger wird auch deshalb von Grünen-Frau Rößner mit einer gewissen Bitterkeit pariert: Bauen will das Kohlekraftwerk nämlich ausgerechnet das Stadtwerke -Unternehmen Kraftwerke Mainz-Wiesbaden (KMW).

Zustimmung erntet Langner nur in einem Punkt vom Publikum: „Wenn man in Baden-Württemberg und Bayern an der Atomkraft festhalten will, muss auch die Endlagersuche auf diese Bundesländer ausgeweitetet werden“, sagt Langner. Wie das geht werden wir in der nächsten Woche zeigen: Nach einem Tourstopp in Frankfurt stehen Stuttgart und München auf dem Programm.

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In Mainz wird an diesem Donnerstag unterdessen die Schuldzuweisung zum Leitmotiv. Auch wenn unabhängige Zahlen eine ganz andere Sprache sprechen: Die Energiewirtschaft rechne durch den Atomausstieg nun einmal mit Engpässen, sagt CDU-Mann Schreiner. Und so lange die nicht umdenken, müsse eben "punktuell" – siehe Ingelheimer Aue - auf Kohlekraftwerke gesetzt werden, so SPD-Mann Langner.

So einfach ist das: Schuld sind jedenfalls immer die anderen. Die Endlagerfrage sei nur durch Entscheidungen zu lösen. Dieser Binsenweisheit stimmen die Mainzer durchaus zu. Allerdings nicht, ohne ihre politischen Vertreter immer wieder in Frage zu stellen. Am Standort Mainz versucht man vor der Castor-Kulisse Erneuerbare gegen Atom- und Kohlekraft auszuspielen. Nur mitspielen will dabei irgendwie niemand.

Medienberichte zur Aktion:

Mainz, 11. September 2009

Rheinland-Pfalz räumt auf

Die Mainzer sind wild entschlossen: Die Suche nach dem Endlager gestaltet sich so produktiv, dass es schon fast schade ist - nach erneuter harter und gründlicher Arbeit stellt sich auch hier heraus: Mainz ist kein geeignetes Endlager für Atommüll.

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Ganz so viele wie in Köln sind es heute nicht, aber wieder haben sich mehr als hundert Atomgegner „in Schale“ geworfen um ihre Stadt zu inspizieren. Die Sonne scheint und Mainz nimmt die Endlagersuche ernst aber locker: Die Polizei ist zunächst streng, fährt dann aber relativ gelassen vorneweg. Ein wenig aus dem Rahmen zu tanzen ist heute durchaus erlaubt, wovon die Mainzer regen Gebrauch machen: „Haben Sie vielleicht Platz für Atommüll?“ - „Endlager? Ha'm wa nicht“, heißt es in den meisten Geschäften und auch der vorbeirollende Gegenverkehr will die Ladung nicht übernehmen.

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Wer hätte das gestern noch gedacht. In Köln hatte uns nach der Endlagersuche ein bedeckter Himmel begrüßt. Auf dem Weg nach Mainz wurde es dann nicht nur ungemütlich, sondern sogar haarig. Mit zwei Bullis waren wir unabhängig voneinander losgefahren, „treffen“ uns aber dennoch auf der Autobahn. Ein nicht unpassender Zufall: Wenig später wird dringend ein Ersatzkanister mit Sprit gebraucht – ein Teil des Endlagertracks hatte es nicht mehr bis zur nächsten Tankstelle geschafft. Dass sich danach der Milchkaffee über die Sitze ergießt ist nur noch halb so schlimm, aber auch nicht gerade ein gutes Omen für den nächsten Tourstopp.

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Die Wende kommt bei der Ankunft: Aktive haben uns eine Unterbringung mit besonderem Charme besorgt: Das Endlagerteam nächtigt in Mainz in einer evangelischen Kirche – nicht schlecht und zudem schön geräumig. Und selbst abgestelltes Wasser und ein Schnarchkonzert mit mehreren Stimmen können nicht verhindern, dass wir am nächsten Morgen bei bestem Sommerwetter schon wieder mit Mainz um die Wette strahlen.

Vom Bahnhof zieht der Protestzug an der St.Peter-Kirche vorbei bis zur alten Universität. Auch einen Blick auf den Mainzer Dom kann man zwischendurch erhaschen. Am Ergebnis der großen Probebohrung ändert die wohlwollende Stimmung jedoch nichts: In Rheinland-Pfalz kann der Müll der Atomindustrie nicht bleiben. Und auch mit so manchem Märchen der Atomlobby wurde in hier gründlich aufgeräumt. Eine Lösung kennen die Mainzer aber trotzdem: Abschalten!