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Auf dem Domplatz mitten in der Innenstadt diskutieren noch einmal die Vertreter der fünf großen Parteien - Christoph Strässer von der SPD, Sebastian Herold von der FDP, Bärbel Höhn von den Grünen, Ruprecht Polenz von der CDU und Hubertus Zdebel von der Linken.
Ein sicheres Endlager, meint Zdebel, sei angesichts der alles überdauernden Strahlkraft von Atommüll ohnehin ein Ding der Unmöglichkeit. "Umso größer war der Fehler, überhaupt in Atomkraft einzusteigen". Die Erfahrungen mit der Asse – von der erst gestern bekannt wurde, dass sie noch schneller abzusaufen droht, als bisher angenommen - seien der beste Beweis.
In Sachen Gorleben diagnostiziert SPD-Mann Strässer den politischen Tod durch Engstirnigkeit. Auch sonst deutliche Worte: „Der Atomkonsens hat einen wichtigen Beitrag zur Befriedung eines gesellschaftlichen Konflikts geleistet“, so Strässer. „Wer will dieses Fass jetzt wieder aufmachen?“
Zum Beispiel Polenz von der CDU, der eine ganz eigene Art des Auseinanderhaltens feiner Unterschiede hat: Dass Deutschland Netto-Stromexporteur ist, vermag ihn jedenfalls kaum beeindrucken. Übersetzt heißt das für ihn nämlich nur eines: Wir exportieren UND importieren. Und letzteres sei nun mal eine unangenehme Sache für die Versorgungssicherheit, die derzeit nur durch Atomkraft zu gewährleisten sei.
Herold von der FDP scheint gar den Atomausstieg weltweit vorzuschlagen: Deutschland aber bitte zuletzt - um auf Nummer sicher zu gehen. Die Grüne Bärbel Höhn stürzt sich dagegen auf die Erneuerbaren Energien: „Atomkraft behindert den Ausbau der Erneuerbaren“, sagt sie: Wer sich für eine Verlängerung der Laufzeiten entscheidet, entscheidet sich auch für das Bremsen von Wind, Sonne, Wasser und Co.
Eine letzte Debatte nach 13 Tourstopps: Die Endlagersuche kann einpacken. Über 5.000 Menschen sind mit uns auf die Suche nach einem sicheren Endlager für den Atommüll gegangen und haben Druck ausgeübt auf wichtige Richtungsentscheidungen durch die anstehenden Bundestagswahl. In Berlin, Hamburg, Bremen, Hannover, Leipzig, Köln, Mainz, Frankfurt, Stuttgart, München, Nürnberg und Münster haben Atomgegner lautstark "Abschalten!" gefordert.
Überall sind wir von Umweltorganisationen, Bürgerinitiativen und engagierten Menschen tatkräftig unterstützt worden. Unser Castor hat nicht nur einige Kilometer auf dem Buckel nach dieser Deutschlandreise, sondern - hoffentlich endgültig – auch ausgedient. Jetzt heißt es auch für die große Endlagersuche: Abschalten!
Medienberichte zur Aktion:
Der letzte Tourstopp der großen Endlagersuche durch Deutschland: In zwölf Städen haben die Nuklearwissenschaftler bereits nach einem Ort für die sichere Einlagerung des strahlenden Mülls aus deutschen Atomkraftwerken gesucht. Auch in Münster wurde jeder Stein des historischen Stadtpflasters umgedreht.
Bild: Michael Schulze von Glaßer
Zur finalen Endlagersuche in Nordrhein-Westfalen scheint nach einem trüben Tag in Nürnberg wieder die Sonne: Etwa 200 Münsteraner sind am Hauptbahnhof zusammengekommen, um sich im Schnelldurchlauf zum Atomexperten ausbilden zu lassen. Bei Captain Atom, dem Leiter des mobilen Einsatzkommandos hat die Endlagersuche bereits Spuren hinterlassen. Strahlenschutzanzüge, Geigerzähler, Lupen und Spezialgerätschaften sind ein wenig mitgenommen von mehr als drei Wochen gründlicher Suche.
Das ändert aber nichts an der Gewissenhaftigkeit der Atomgegner aus Münster. Vom Hauptbahnhof über den Aasee bis ins Stadtzentrum wird erneut alles Boden unter die Lupe genommen. Als der Castor-Transport die Lambertikirche passiert, wird dort schon fleißig Wahlkampf gemacht: Die Parteien haben Stände aufgebaut und lassen ihre Bundestagskandidaten Rede und Antwort stehen.
Bild: Michael Schulze von Glaßer
In einer Woche wird mit der Bundestagswahl nicht nur über eine neue Regierung sondern auch über den Atomausstieg entschieden. In Münster ist die Position der Demonstranten zur Atomkraft und ihren Souvenirs für die Ewigkeit eindeutig: Auf dem Domplatz findet zum letzten Mal die große Bohrung zur Probe auf Endlagerqualität statt. Ergebnis: Keine Chance für ein sicheres Endlager!
Bild: Michael Schulze von Glaßer