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Tour durch Deutschland

Tourblog aus Nürnberg

Nürnberg, 17. September 2009

Wenn die Politik nicht aus den Puschen kommt

Peter Weinlich von der FDP taucht erst gar nicht auf zur Diskussion am Plärrer in Nürnberg. Seine Kollegen und Kolleginnen sind dagegen nicht nur pünktlich, sondern auch streitlustig – Ausnahmen inklusive.

Gorleben muss als Endlagerstandort weiter untersucht werden, so der Aufschlag von CSU-Bundestagskandidat Michael Frieser. Kurz vor der Bundestagswahl „leicht vergilbte Schreiben auspacken“, spielt Frieser auf das gefälschte Gutachten unter der Regierung Kohl an, das sei keine konstruktive Idee. Birgit Raab von den Grünen dagegen hat es satt: Das Gutachten belege eindeutig eine „Vertuschungs- und Verschleierungstaktik von Schwarz-Gelb in Sachen Gorleben“.

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Sofort mittendrin ist auch SPD-Kandidat Martin Burkert: „Es ist doch eine Farce, erst mit der Wirtschaft eine Vereinbarung zu erlangen und dann darauf zu warten, mit einer neuen Regierung alles zu kippen“. In Sachen Atomausstieg bewegen sich die Nürnberger in gewohnten Bahnen: Alles sind – eigentlich – dafür. Nur wollen es die einen lieber ein bisschen schneller, die anderen zum Ausgleich mit mehr Kohlekraft und die anderen zum Wohle der Versorgungssicherheit lieber Über-Übermorgen als gestern.

Die FDP enthält sich des Redebeitrags. Genauso wie Gudrun Schlett von der Linken die nicht wirklich aussagekräftiges zur Debatte beizutragen weiß. Sie hält sich offenbar – immerhin im Strahlenschutzanzug – lieber im Hintergrund.

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Der Schlagabtausch findet hauptsächlich zwischen CSU, SPD und Grünen statt. Eine Einigung über den richtigen Umgang mit der strahlenden Materie finden die Parteivertreter in Nürnberg jedoch genauso wenig wie die Nuklearwissenschaftler einen Ort für ein Endlager gefunden haben.

Jetzt wird es wirklich knapp mit der Endlagersuche: Nur noch ein Termin steht auf der Liste. Vielleicht werden wir im nordrhein-westfälischen Münster fündig, dem letzten Stopp unserer Tour mit dem Castor. Und wenn nicht? Dann muss umso dringender am Atomausstieg festgehalten werden – genauso wie es das Publikum in Nürnberg fordert: „Wir haben genug!“

Protest Nürnberg

Nürnberg, 17. September 2009

Nürnberg hält sich bedeckt

Die Frankenmetropole Nürnberg mag sich heute einfach nicht von ihrer sonnigen Seite zeigen. Das Wetter ist nass als wir uns am Rande des Zentrums sammeln. Außerdem sind wir leider auf der „falschen“ Seite der Stadtmauern: Über das historische Pflaster der Innenstadt darf der Tonnen schwere Castor nämlich gar nicht rollen.

Protest Nürnberg

Die Nürnberger Behörden hatten uns mit einer gewissen Skepsis erwartet: Offenbar hatten sich die Stuttgarter Kollegen nicht ganz so zufrieden über dem Eifer der Atomwissenschaftler geäußert. Die hatten ihr Forschungsgerät auch in allerlei Gschäfterl gehalten– im Allgemeinen durchaus zur Belustigung der neugierigen Inhaber. In Nürnberg bestand diese „Gefahr“ im Prinzip erst gar nicht: Der Demonstrationszug vom Hauptbahnhof bis zum Zielpunkt Plärrer hatte gar keine Gelegenheit zwischendurch einzukehren an der Hauptstraße. Unter die Lupe genommen wurden von den rund 200 Nürnbergern in Strahlenschutzanzügen stattdessen Fußgänger und Fahrradfahrer, zahlreiche Grünanlagen und etliche Wahlplakate, die von den Parteien in selbige gepflanzt wurden.

Protest Nürnberg

Am Zielpunkt, dem Plärrer, herrscht dann großer Bahnhof. Allerdings nicht nur wegen uns: Busse und Straßenbahnen kreuzen auf einer Insel inmitten mehrspuriger Straßen - für die große Probebohrung hat man uns diesen schönen Verkehrsknotenpunkt zugewiesen, auf dem uns so mancher Passagier beim Umstiegen eher irritiert begegnet. Der große Nürnberg-Test auf Endlagerqualität findet mitten im Trubel trotzdem statt. Das Ergebnis bestätigt unsere Vermutung: Nach drei Wochen erfolgloser Endlagersuche ist auch in Franken kein geeigneter Ort für die ewige Ruhe des strahlenden Atommülls zu finden.

Protest Nürnberg

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