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Tour durch Deutschland

Tourblog aus Stuttgart

Stuttgart, 15. September 2009

Stuttgart beißt auf Ton und Granit

„Mit ihrer Einstellung hätten wir ein Problem“ - Karin Maag von der CDU ist irritiert vom Einwand der Atomgegner, es könne kein sicheres Endlager geben. Irgendwo müsse der täglich neu entstehende Atommüll schließlich hin. Die Frage um Gorleben und die Atomkraft, so klingt es, kann man demnach getrost der CDU überlassen: „Wir sind ja schließlich nicht dämlich und betreiben eine verantwortungsvolle Politik“.

Protest Stuttgart

Ach so: Alles nur ein Missverständnis. Auch Alexander Schopf von der FDP sagt „ich bin für den Atomausstieg“ - nur eben nicht so schnell. Für den Stand der Endlagersuche können die Liberalen jedenfalls nichts: Das hat demnach allein Rot-Grün verklüngelt. In Stuttgart dreht sich die Debatte auf dem Schlossplatz mal wieder um den verantwortungsvollen Umgang mit Deutschlands Versorgungssicherheit in Sachen Energie. Den würde das Publikum CDU und FDP allerdings nicht so ohne weiteres bescheinigen.

Ein aufschlussreicher Nachmittag von wegen Stromlücke: Schopf wundert sich, dass Deutschland mit acht Atomkraftwerken noch Strom exportieren konnte. Und rettet sich in die Formulierung „Wir müssen die Atomkraftwerke so lange am Netz lassen, wie sie wirklich gebraucht werden“. Komisch: Maag scheint das Phänomen Stromexport ebenfalls relativ neu zu sein. Was sie mit einer Beschwerde über die Moderationstechnik von Christoph Bautz pariert.

Protest Stuttgart

Karin Maag, CDU

Ute Vogt von der SPD erteilt Nachhilfe – nicht in Moderation, sondern in Grundwissen zum Atom-Stromexport. Auch die Grünen greifen an, statt wie geplant Cem Özdemir spricht in Stuttgart jedoch Andrea Lindlohr. Der Ausstieg ist nicht verhandelbar: Darin sind sich Sozialdemokraten und Grüne einig. Etwas schneller hätte es allerdings Ulrich Mauer von der Linken gerne. Leider wolle mit ihm niemand regieren: „Für einen sofortigen Ausstieg sind wir nämlich das geringste Problem“.

Protest Stuttgart

Ute Vogt, SPD

Von unhaltbar bis schwierig: In der Debatte um den Endlagerstandort räumen mittlerweile alle Parteien wenigstens Bedenken ein. Gorleben als Endlager-Standort ist unhaltbar“, sagt Vogt. Die Suche nach einem Endlager müsse aber weitergehen – und das werde nicht jedem gefallen. Endlagersuche auch in Baden-Württemberg? Klar, versichert Christdemokratin Maag. Aber noch ist ja nicht aller Tage Abend: Gorleben müsse weiter untersucht werden. Über Jahrzehnte haben schließlich Gutachten nicht anderes als die Eignung belegt. Echte Probebohrungen in Baden-Württemberg? Für CDU und FDP scheint das in sicherer Ferne.

Protest Stuttgart

Ulrich Maurer, Linke

Stuttgart, 15. September 2009

Der Dreck anderer Leute

Leicht gemacht hat es uns Stuttgart nicht: Die Endlager-Demo muss in Baden-Württemberg strengen Auflagen genügen. Eigentlich gehört etwa zur Ausrüstung der Nuklearwissenschaftler nicht nur der „Strahlenschutzanzug“ sondern auch ein Mundschutz. Viel zu gefährlich, meinen offenbar die Stuttgarter Behörden, die dieses Privileg nur zehn Leuten zugestehen wollen – unter Angabe ihres vollen Namens. Die mit „de Trommelstäb“ können schließlich diese Schutzmaßnahme ergreifen – also die Trommler auf den Atomfässern. Ganze fünf Stück erlaubt uns Stuttgart über die Straßen zu rollen, eskortiert von jeweils zwei - wahrscheinlich suspekten - Menschen in voller Wissenschaftlermontur.

Protest Stuttgart

Vom Mundschutz zum Maulkorb: Auch alles was laut ist kommt in Stuttgart nicht besonders gut an. Anders als bei sämtlichen anderen Stationen der Tour darf auf dem Castor hier während des Protestszugs keine Musik spielen. Und die große Probebohrung auf dem Schlossplatz muss „simuliert“ werden – den Bohrer dürfen wir erst gar nicht anschmeißen. Gewußt wie: Der Bohrlärm kommt diesmal aus der Dose. Dass Stuttgart die Endlagersuche wohl lieber im Stillen abgehandelt hätte, ändert sich aber letztendlich nichts an der Lautstärke der knapp 250 Demonstranten.

Protest Stuttgart

Die Stuttgarter Wissenschaftler des Sondereinsatzkommandos sind nicht auf den Kopf gefallen. Im Gegenteil: Sie suchen gründlich – und finden zum Beispiel neben Uranium auch "Merklin" und "Westerwellin" bei ihren Messungen. Auch an Ideen für ein Endlager mangelt es nicht: Das umstrittene Bahnhofsprojekt um Stuttgart 21 soll herhalten als Absteige für den strahlenden Müll. Oder noch besser: Die CDU-Zentrale. Die liegt zufällig genau auf dem Weg – und wurde von den Verantwortlichen - anders als etwa die Asse – auch vorsorglich dicht gemacht.

Protest Stuttgart

Auf dem Schlossplatz angekommen zeigt sich Stuttgart wieder von seiner besten Seite: Sogar die Sonne kommt für ein Weilchen heraus um ein wenig Licht ins Dunkel der baden-württembergische Nachbarschaft der Atomkraftwerke Philippsburg und Neckarwestheim zu bringen. Erneut haben die Atomgegner einen starken Auftritt aufs Parkett gelegt: Auch ohne Musik, Mundschutz und richtige Probebohrung. Übrigens ist auch Stuttgart nicht als Endlager für Atommüll geeignet. Das Urteil der Demonstranten ist deshalb eindeutig: Abschalten! Wer nicht hinter sich aufräumen kann, soll gefälligst erst gar keinen Müll produzieren.

Protest Stuttgart

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