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Diese Woche wird der nächste Castor-Transport aus der Wiederaufbereitungsanlage in La Hague in das wendländische Gorleben rollen. Mit unserem eigenen Castor in Originalgröße sind wir bereits seit fast zwei Wochen auf der Straße. Nach erfolgreichen Blockaden in acht Städten entlang der Castor-Route demonstrierten wir heute in der Braunschweiger Innenstadt gegen den geplanten Transport und den Ausbau des Salzstocks in Gorleben zum Endlager.
Am vorletzten Tag unserer zwei-wöchigen Castor-Tour machten wir in Braunschweig Halt. Es sollte ein Halt werden wie wir ihn in den acht Städten zuvor noch nicht erlebt hatten: in unmittelbarer Nähe der Atommülllager ASSE II, Schacht KONRAD und Morsleben wurden die Blockaden der knapp 200 Atomkraftgegner/innen von sieben Traktoren unterstützt. Einer der Traktoren hatte ein großes Banner mit den Silhouetten der drei Lagerorte und der Aufschrift ‚Welt-Atom-Erbe Braunschweiger Land’ am Anhänger befestigt.
Schon am Treffpunkt an der Pauli-Kirche sprach sich ein Vertreter der Kirchengemeinde in seinem Grußwort vehement gegen den unverantwortlichen Umgang mit dem strahlenden Müll und dessen Folgen für die kommenden Generationen aus. Gottes Segen hatten wir also auf unserer Seite, als wir uns zu den Rhythmen der Trommelgruppe ‚Sambattac’ auf den Weg in Richtung Innenstadt machten. Am Rondell vor dem Staatstheater zwang der imposante Demozug unseren Castor zum ersten Mal in den Rückwärtsgang. Die sieben Traktoren versperrten die komplette Straße, und die Teilnehmer/innen des Demozuges saßen mit Schildern, Trommeln und Sprechchören bewaffnet auf der Straße. Alle Versuche von Regierung und Atom-Lobby, die Blockade zur freiwilligen Auflösung zu bewegen, schlugen fehl. Zwischen dem Staatstheater und dem alten Schloss fand eine zweite erfolgreiche Blockade statt, bei der die gesamte Kreuzung Steinweg / Ritterbrunnen mitten in der Braunschweiger Innenstadt lahm gelegt wurde. Zudem wurden die Menschen trotz der ständigen Messungen und Kontrollen an unserem Castor aufgefordert, Vorsicht walten zu lassen und Fenster sowie Türen besser geschlossen zu halten. Trotz – oder vielleicht gerade wegen – der massiven Blockaden griff auch die Polizei nicht ein und so musste der Atommüll-Transporter erneut zurücksetzen.
Zum Abschluss bildeten der Castor, unser überdimensionales „X“ und die sieben Traktoren eine schöne Kulisse für unsere Abschlusskundgebung auf dem festlich geschmückten Braunschweiger Schlossplatz. Dort forderte zunächst unsere Campaignerin Astrid Goltz den Bundesumweltminister Röttgen auf, Gorleben bei einer ernsthaften Suche nach einem Endlager für hochradioaktiven Müll als möglichen Ort endgültig auszuschließen. Udo Dettmann von unserem lokalen Kooperationspartner „AufpASSEn“ forderte erneut die zügige Räumung des absaufenden Atommülllagers ASSE II: „Raus kommt das Zeug so oder so, besser wir holen es so kontrolliert wie möglich zurück an die Erdoberfläche als dass es auf Dauer das Grundwasser der gesamten Region gefährdet“.
Auch Peter Dickel von der Arbeitsgemeinschaft Schacht KONRAD erwartet von der Bundesregierung einen Lernprozess: „Gerade hier in der Region Braunschweig haben wir mit ASSE II und Morsleben einschlägige Erfahrungen gemacht, wie Endlagerung nicht funktioniert. Ein seriöser Neubeginn im Umgang mit Atommüll heißt, erstens die Standorte Gorleben und KONRAD aufgeben und dann die Erfahrungen aus ASSE II und Morsleben auswerten. Die Frage ist heute nicht so sehr, wo der Müll hinkommt, sondern wie er über lange Zeiten gelagert werden kann. Kontrollierbarkeit des Lagers und die Revidierbarkeit von Entscheidungen werden dabei eine große Rolle spielen.“
Alle Redner/innen wiesen noch einmal auf die Wichtigkeit der Auftaktkundgebung an diesem Samstag in Dannenberg hin, die Kooperationspartner verkauften Bustickets für Fahrten aus der Region Braunschweig. Zudem wurden weiter Unterschriften gegen Gorleben auf unserem 10-Meter-hohen „X“ gesammelt, mittlerweile wurde dafür eine Leiter bemüht um noch einen freien Platz in größerer Höhe zu finden.