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Bei strahlendem Sonnenschein wölbte sich heute ein gigantisches X in den blauen Himmel über dem Roßmarkt in Frankfurt. Es steht für den Widerstand gegen die Castor-Transporte nach Gorleben. Auch hier in Frankfurt stand das X einem Castor gegenüber. Über 100 Atomkraft-Gegner-innen stellten sich am Opernplatz und in der Konrad-Adenauer-Straße dem LKW mit seiner strahlenden Fracht in den Weg. Fast wie im Wendland legten sie für die Sitzblockade Strohsäcke auf die Straße – mit Erfolg: Der Castor musste mehrfach den Rückwärtsgang einlegen.
Auf der anderen Seite hatten auch die den Castor bewachenden Strahlenschutz-Expert-innen ihren Spaß: z.B. ein Aktivist in fortgeschrittenem Lebensalter nahm seinen Job besonders ernst und maß mit seinem Geigerzähler sehr gründlich die Strahlungswerte an einem den Demonstrationszug begleitenden Polizisten.
Mit der heutigen Castor-Aktion nahmen wir insbesondere Bezug auf das Treffen von Umweltminister Röttgen mit Vertreter/innen der Länder zum Thema Endlagerung am vergangenen Freitag. Der Minister kündigte dort eine neue Endlagersuche auf einer „weißen Karte“ an. Doch solange der Salzstock Gorleben eine Option bleibt, wird es keine wirklich ergebnisoffene Endlagersuche geben. Gorleben ist das dicke, rote Kreuz auf der vermeintlich weißen Karte, denn es sind bereits 1,6 Milliarden Euro in den Ausbau zum Endlager geflossen und täglich wird dort im Dreischicht-Betrieb weiter gebaut. Röttgens Endlagersuchgesetz, das im Länderkonsens bis Mitte 2012 ausgearbeitet werden soll, droht deshalb zu einem Gorleben-Durchsetzungsgesetz zu werden.
Wie verlogen Röttgens Spruch von der neuen Endlagersuche ist, zeigt ein Blick auf die harten Zahlen: im Bundeshaushalt für kommendes Jahr sind für die "weitere Erkundung" des Salzstockes in Gorleben - sprich den Umbau in ein Endlager - 73 Millionen Euro eingeplant. Für die Erkundung anderer Standorte sind gerade mal 3 Millionen Euro vorgesehen. Herr Röttgen ist meilenweit davon entfernt, sich vom maroden Salzstock zu verabschieden.
Dabei wäre ein Endlager in Gorleben der reine Wahnsinn: Von oben drohen Wassereintritte ähnlich wie im abgesoffenen Endlager Asse, von unten explosive Erdgaseinschlüsse. Mit dem gefährlichsten Müll der Welt können wir nicht so fahrlässig umgehen! Nur massiver Druck der Öffentlichkeit kann jetzt bewirken, dass Gorleben aus der Liste der zu untersuchenden Orte gestrichen wird.
Deswegen sind wir auf Castor-Tour. In jeder Stadt erinnern wir daran, dass es eine Debatte um einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Strahlenmüll geben muss. Dass zuerst geklärt werden muss, wie wir den strahlenden Müll in Deutschland lagern können und wollen und dass anschließend Kriterien für eine Standortsuche erarbeitet werden müssen. Dabei spielen wissenschaftliche Kriterien wie die Frage nach einem geeingneten Wirtsgestein eine Rolle, aber auch gesellschaftliche: Wollen wir den Müll grundsätzlich tief in der Erde lagern oder rückholbar, weil niemand die Sicherheit über mehrere hundert Millionen Jahre garantieren kann? Und es muss abgesichert werden, dass eine Festlegung auf ein Endlager nicht bedeutet, dass weiter munter Atommüll produziert werden darf. Deswegen muss die Gesamtmenge an Atommüll, der eingelagert werden muss, auf die Menge an produziertem Müll beschränkt werden, welcher bereits entstanden ist und bis zum endgültigen Atomaustieg zusätzlich entstehen wird.
Bei der abschließenden Kundgebung an der Konstablerwache spannte Katrin Ganswind von urgewald den Bogen vom Atommüll hin zum Ausstieg aus dem Bau neuer AKWs: Im eigenen Land den Ausstieg zu verkünden und gleichzeitig in anderen Ländern munter den Bau von AKWs zu finanzieren, ist heuchlerisch und verlogen. Ausstieg muss heißen: Keine Hermesbürgschaften für das brasilianische AKW Angra3! Am Ende sammelten wir noch Unterschriften auf dem ausblasbaren X und am Infotisch entsponn sich bei heißem Tee die eine oder andere Debatte.
Unser Castor ist jetzt schon auf dem Weg nach Kassel, wo ihn morgen weitere AKW-Gegner-innen mit bunten Blockaden erwarten.