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Castor-Tour 2011: Gorleben abwenden!

Tourblog

Video zur Castor-Tour. Klicken Sie zum Start auf das Bild

Vom 10. bis 23. November waren wir mit unserem Castor in Originalgröße auf Tour – durch zehn Städte entlang der Castorroute. Für den letzten Tour-Stopp fuhren wir nach Berlin vor das Umweltministerium, wo wir von der Umweltminister Röttgen forderten: Kein Endlager in Gorleben!

Viele Gruppen, Initiativen und Einzelpersonen haben die Tour an den Aktionsorten unterstützt. Vielen Dank an alle Unterstützer/innen, Helfer/innen und Teilnehmer/innen!

Hier im Tourblog finden Sie Bilder und Berichte von den einzelnen Tourstopps. Klicken Sie auf eine Stadt, um direkt zum Bericht zu springen.

Castor-Tour: Finale in Berlin

Der Abschluss unserer zweiwöchigen Castor-Tour von Süden nach Norden entlang der möglichen Castor-Strecke endete heute mit einer Demonstration in Berlin. Vom Brandenburger Tor zogen wir mit rund 200 Menschen über die Friedrichstraße bis vor das Umweltministerium. Trotz eisiger Kälte und dem Termin am Mittwoch Vormittag kamen entschlossene Berliner/innen, die sich dem Castor auf seinem Weg nach Gorleben in den Weg setzten.

Finale der Castor-Tour in Berlin

Zwei Mal brachten sie den Castor zum Abbiegen. Samba-Rhythmen, Ausharren auf der Kreuzung auf Strohsäcken, alte Wendland-Lieder wurden angestimmt. "Hopp, hopp, hopp, Castor Stopp!" tönte es die Friedrichstraße entlang. Der LKW mit den Castoren musste vor den Demonstrant/innen halten. Mit all seiner Überredungskunst versuchte ein Atomlobbyist, die "Wutbürger" und "Querulanten" von der Straße zu bewegen. Mit Pfiffen und Buh-Rufen wurde er überstimmt. So wurden am Ende alle Atomfässer vor dem Umweltministerium abgeladen. Denn nach Gorleben können sie nicht gebracht werden - zu unsicher, das war die einhellige Meinung der Demonstrant/innen.

Blockade an der Friedrichstraße

Zur Präsentation der vielen hunderten Unterschriften auf dem 10 Meter hohen, aufblasbaren X und zur Diskussion mit den Bürgerinnen und Bürgern über die Frage der Lagerung des Atommülls hatten wir Umweltminister Röttgen eingeladen. Doch gestern sagte sein Referent ab. Auch keiner von Röttgens Beamten hielt es für notwendig, sich den drängenden Fragen der anwesenden Berliner/innen zu stellen. Dabei droht das von ihm angekündigte Endlagersuchgesetz zur Farce zu werden. Die völlig neue Suche "auf einer weißen Landkarte", die Röttgen beim Treffen mit seinen Länderkollegen ankündigte, läuft immer noch auf Gorleben hinaus, so lange dort Tag für Tag im Dreischichtbetrieb der Salzstock zum Endlager ausgebaut wird.

1,6 Milliarden Euro sind in den Ausbau des Salzstocks in Gorleben geflossen. Kein Wunder, dass die Regierung diesen Standort nicht so leicht aufgibt, auch wenn er geologisch völlig ungeeignet ist. Die geplanten Haushaltsausgaben für die Endlagersuche im kommenden Jahr sprechen Bände: dort sind 73 Millionen Euro für die weitere "Erkundung" des Salzstocks Gorleben eingeplant und nur 3 Millionen für die Suche nach anderen Standorten. Strahlenmüll im maroden Salzstock Gorleben zu lagern ist verantwortungslos und gefährlich. Mit unserer Tour durch zehn Städte entlang der Castor-Route konnten wir zeigen, dass sich die Menschen bundesweit gegen ein Endlager in Gorleben einsetzen: "Gorleben soll leben!" klang es laut und entschlossen von Karlsruhe bis nach Berlin.

Vorsicht Strahlung: Der Castor rollt durch Berlin!

Heute Vormittag hatten wir mit den symbolischen Blockaden und den unglaubwürdigen Reden des Atomlobbyisten viel Spaß. Jetzt wird es ernst. Vor einer halben Stunde hätte sich der echte Castor vom französischen Valognes aus in Bewegung setzen sollen. Doch gerade gibt es an der Castor-Strecke einen Stromausfall und erst einmal bewegt sich an der Strecke gar nichts mehr. Schon heute früh gab es Festnahmen und Tränengaseinsatz von Seiten der Polizei, als die Atomkraftgegner bei Valognes auf die Schiene gehen wollten.

Wir sind gespannt, wann der Castor losfährt und ob er diesmal erfolgreich aufgehalten werden kann. Alle aktuellen Infos aus dem Wendland und darüber hinaus gibt es auf der Seite des Castor-Tickers. Alle, die es zeitlich und gesundheitlich einrichten können: Kommt ab morgen ins Wendland oder zu den Aktionen im Süden Deutschlands. Kommt spätestens zur großen Demo in Dannenberg am 26. November. Die Anti-AKW-Bewegung wird an Größe und Erfolg des diesjährigen Widerstands gegen den Castor gemessen werden. Hier finden Sie alle Informationen zur Demo.

Unsere Castor-Tour geht heute zu Ende, der richtige Castor kommt. Vielen Dank an alle, die an der Castor-Tour 2011 mitgewirkt haben: ob als Helfer/in, mit einer Spende oder als Teilnehmer/in. Mir haben die zehn Aktionen in zwei Wochen viel Spaß gemacht! Ermutigt fahre ich morgen ins Wendland und hoffe, euch alle dort wiederzusehen.

Heute um 17 Uhr sind wir noch einmal mit dem beleuchten, zehn Meter hohen X als Zeichen für unseren Widerstand vor dem Kanzleramt. Kommt vorbei, bringt Freunde mit!

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Castor-Tour: 22. November in Braunschweig

Diese Woche wird der nächste Castor-Transport aus der Wiederaufbereitungsanlage in La Hague in das wendländische Gorleben rollen. Mit unserem eigenen Castor in Originalgröße sind wir bereits seit fast zwei Wochen auf der Straße. Nach erfolgreichen Blockaden in acht Städten entlang der Castor-Route demonstrierten wir heute in der Braunschweiger Innenstadt gegen den geplanten Transport und den Ausbau des Salzstocks in Gorleben zum Endlager.

Am vorletzten Tag unserer zwei-wöchigen Castor-Tour machten wir in Braunschweig Halt. Es sollte ein Halt werden wie wir ihn in den acht Städten zuvor noch nicht erlebt hatten: in unmittelbarer Nähe der Atommülllager ASSE II, Schacht KONRAD und Morsleben wurden die Blockaden der knapp 200 Atomkraftgegner/innen von sieben Traktoren unterstützt. Einer der Traktoren hatte ein großes Banner mit den Silhouetten der drei Lagerorte und der Aufschrift ‚Welt-Atom-Erbe Braunschweiger Land’ am Anhänger befestigt.

Schon am Treffpunkt an der Pauli-Kirche sprach sich ein Vertreter der Kirchengemeinde in seinem Grußwort vehement gegen den unverantwortlichen Umgang mit dem strahlenden Müll und dessen Folgen für die kommenden Generationen aus. Gottes Segen hatten wir also auf unserer Seite, als wir uns zu den Rhythmen der Trommelgruppe ‚Sambattac’ auf den Weg in Richtung Innenstadt machten. Am Rondell vor dem Staatstheater zwang der imposante Demozug unseren Castor zum ersten Mal in den Rückwärtsgang. Die sieben Traktoren versperrten die komplette Straße, und die Teilnehmer/innen des Demozuges saßen mit Schildern, Trommeln und Sprechchören bewaffnet auf der Straße. Alle Versuche von Regierung und Atom-Lobby, die Blockade zur freiwilligen Auflösung zu bewegen, schlugen fehl. Zwischen dem Staatstheater und dem alten Schloss fand eine zweite erfolgreiche Blockade statt, bei der die gesamte Kreuzung Steinweg / Ritterbrunnen mitten in der Braunschweiger Innenstadt lahm gelegt wurde. Zudem wurden die Menschen trotz der ständigen Messungen und Kontrollen an unserem Castor aufgefordert, Vorsicht walten zu lassen und Fenster sowie Türen besser geschlossen zu halten. Trotz – oder vielleicht gerade wegen – der massiven Blockaden griff auch die Polizei nicht ein und so musste der Atommüll-Transporter erneut zurücksetzen.

Zum Abschluss bildeten der Castor, unser überdimensionales „X“ und die sieben Traktoren eine schöne Kulisse für unsere Abschlusskundgebung auf dem festlich geschmückten Braunschweiger Schlossplatz. Dort forderte zunächst unsere Campaignerin Astrid Goltz den Bundesumweltminister Röttgen auf, Gorleben bei einer ernsthaften Suche nach einem Endlager für hochradioaktiven Müll als möglichen Ort endgültig auszuschließen. Udo Dettmann von unserem lokalen Kooperationspartner „AufpASSEn“ forderte erneut die zügige Räumung des absaufenden Atommülllagers ASSE II: „Raus kommt das Zeug so oder so, besser wir holen es so kontrolliert wie möglich zurück an die Erdoberfläche als dass es auf Dauer das Grundwasser der gesamten Region gefährdet“.

Auch Peter Dickel von der Arbeitsgemeinschaft Schacht KONRAD erwartet von der Bundesregierung einen Lernprozess: „Gerade hier in der Region Braunschweig haben wir mit ASSE II und Morsleben einschlägige Erfahrungen gemacht, wie Endlagerung nicht funktioniert. Ein seriöser Neubeginn im Umgang mit Atommüll heißt, erstens die Standorte Gorleben und KONRAD aufgeben und dann die Erfahrungen aus ASSE II und Morsleben auswerten. Die Frage ist heute nicht so sehr, wo der Müll hinkommt, sondern wie er über lange Zeiten gelagert werden kann. Kontrollierbarkeit des Lagers und die Revidierbarkeit von Entscheidungen werden dabei eine große Rolle spielen.“

Alle Redner/innen wiesen noch einmal auf die Wichtigkeit der Auftaktkundgebung an diesem Samstag in Dannenberg hin, die Kooperationspartner verkauften Bustickets für Fahrten aus der Region Braunschweig. Zudem wurden weiter Unterschriften gegen Gorleben auf unserem 10-Meter-hohen „X“ gesammelt, mittlerweile wurde dafür eine Leiter bemüht um noch einen freien Platz in größerer Höhe zu finden.

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8. Tourstopp: 20. November in Lüneburg

Mit lautem Beat spielten die Lüneburger Schrotttrommler zum Auftakt der heutigen Castor-Aktion. Mit Percussion auf recycelten Fässern heizten sie den versammelten AKW-GegnerInnen mächtig ein. Währenddessen suchten zahlreiche Aktions-TeilnehmerInnen auf dem riesen X einen freien Platz zum Unterschreiben. Dafür kletterten einige sogar ihren Mitstreitern auf die Schultern.

Im Anschluss zogen rund 370 Atomkraft-GegnerInnen durch die Fußgängerzone. Mit ihrer großen Anzahl haben die LüneburgerInnen sogar die HamburgerInnen übertroffen! Auch die Stimmung war in der kleinen Hansestadt besonders fröhlich und ernsthaft zugleich. Die im zivilen Ungehorsam geübten LüneburgerInnen wollten – wie schon die KasselerInnen – zusätzliche Kreuzungen blockieren. Leider drohte die Polizei mit einem Eingriff ihrerseits, sollte es der Versammlungsleiterin nicht gelingen, die BlockiererInnen zum Weitergehen zu bewegen. Gemächlich machte der Zug die Kreuzung wieder frei.

Fünf engagierte Kids führten die Demo an. Mit Elan trugen sie das Fronttranspi die gesamte Route entlang. Und was halten die Lüneburger Kinder von Atomkraft und ihrem Müll? „Nichts!“ rief der etwa elfjährige „Strahlenschutzexperte“ Konrad entschieden ins Mikrofon. Seine Mutter kocht für die Castor-GegnerInnen, die zum Castor-Stoppen ins Wendland kommen. Außerdem betreibt sie ein „Heu-Hotel“, wo die ProtestlerInnen im Heu schlafen können. Ein etwa achtjähriges Mädchen erzählte, in der Schule sagen sie immer: „Atomkraft – buuuuuuuuuuh!“

Der Demozug endete mit thematischem Bezug am Bahnhof Lüneburg. Dort erwartete die ProtestiererInnen leckere, warme Camp-Vokü. Nochmals vielen Dank an die fleißigen Köche und Köchinnen! Bei warmer Kürbissuppe und Tee lauschten die Anwesenden den Rednern. Dirk Werner von LAgAtom erklärte: „Gorleben ist überall, auch hier in Lüneburg. Die Atomlüge geht weiter. Es sind nur noch wenige Tage bis der Castor kommt. Wir werden ihn vor Lüneburg stoppen. Wir kommen zum Zug!“

Tatsächlich ist die neueste Info, dass der Castor bereits einen Tag früher los fahren soll. (NDR-Bericht 20.11.2011)

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7. Tourstopp 19. November in Hamburg

Tour-Rekord: Heute stellten sich 300 Hamburger/innen dem Castor in den Weg! Drei Mal blockierten sie ihn erfolgreich. Mit lautem Trommeln auf Atomfässern und einer Menge Demoslogans marschierten wir mitten durch die Mönckebergstraße, die Haupteinkaufstraße in Hamburg. "Gorleben stoppen! Gorleben soll leben!" schallte es den vielen Passanten beim Wochenendbummel entgegen und "Hopp, hopp, hopp, Gorleben ist ein Flopp!" Auch seit heute in unserem Slogan-Reperoir: "Hamburger, stellt euch quer, wir wollen kein Atommüll mehr!"

Die Hamburger/innen hatten einen Mordsspaß bei unserem Blockaden. Zu diesen haben wir uns bei jedem Tourstopp mehr Details ausgedacht, sodass wir heute beim siebten Tourstopp in Hamburg schon fast ein kleines Theaterstück aufführten: Christoph von Campact stand im Strahlenschutzanzug am Castor und spielte den Atomlobbyisten, der die Menschen auffordert, die Blockade zu räumen und dabei von den Vorzügen der Atomenergie schwelgt. Ich hockte bei den Demonstrant/innen auf der Straße und hielt die Gegenrede oder stimmte mit den anderen Slogans an. Am Ende siegten die entschlossenen Blockierer/innen und der Castor musste rückwärts fahren. Fasziniert von dieser kleinen Performance war der Hamburger Zauberer Nico, der uns sogleich anbot, bei der morgigen Aktion in Lüneburg den Part des Atomlobbyisten zu unterstützen - das verspricht Spaß und gute Unterhaltung für die morgige Demo.

Wolfgang Ehmke von der Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg erzählte bei der Abschluss-Kundgebung eindrücklich vom Widerstand im Wendland gegen den Atommüll-Standort Gorleben. Florian von Robin Wood in Hamburg wies auf die Atomanlage im nicht weit entfernten Grohnde hin. Und Chistoph Bautz von Campact machte deutlich, dass von einer völlig neuen Endlagersuche auf einer "weißen Landkarte", wie sie Umweltminister Röttgen vor Kurzem beim Treffen mit den Bundesländern zum Thema Endlagersuche angekündigt hat, nicht die Rede sein kann. Nicht, so lange der Schwarzbau im Salzstock Gorleben fortgeführt wird. 1,6 Milliarden Euro wurden dort bisher vergraben, obwohl schon in den 1970er Jahren klar wurde, dass sich dieser Salzstock geologisch nicht für die Lagerung von hoch radioaktivem Atommüll eignet. Und seit letztem Jahr wird dort im 3-Schichtbetrieb weiter gearbeitet. Im Bundeshaushalt für nächstes Jahr sind weitere 73 Millionen Euro für die so genannte "Erkundung" des Salzstocks Gorleben vorgesehen und nur 3 Millionen für das Prüfen anderer Standorte. Auf der "weißen Landkarte" von Herrn Röttgen ist ein ganz dickes, rotes Kreuz zu sehen: Gorleben.

Während ich dies schreibe, sitze ich im Führerhaus unseres Castor-Transporters auf dem Weg nach Lüneburg. Besonders in den Städten, aber auch auf der Autobahn erntet man erstaunte Gesichter durch die Fensterscheibe des Castors: Was macht hier ein Castor mitten auf der Straße? Der feine Unterschied unseres Castor-Imitats zu den echten Strahlentransportern per LKW: anstatt "www.kernenergie.de" steht auf unserem Castor "www.castortour.de".

Mit der Castor-Tour sind wir bisher 1.850 km gefahren: Von Karlsruhe über Heidelberg, Frankfurt, Kassel, Hannover und Bremen nach Hamburg. Morgen Mittag werden wir in Lüneburg sein. Am Dienstag sind wir dann in Braunschweig und am Mittwoch beenden wir die Castor-Tour in Berlin, wo wir das 10 Meter hohe, aufblasbare X Herrn Röttgen direkt vor das Umweltministerium stellen werden. Ab Donnerstag werden dann die Proteste und Aktionen im Wendland starten. Machen Sie mit bei den Aktionen rund um den Castor-Transport! Wahrscheinlich fährt auch aus Ihrer Stadt ein Bus zur Demo am Samstag, den 26. November in Dannenberg. Hier finden Sie alle Infos zur Demo:

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6. Tourstopp: 18. November in Bremen

Heute demonstrierten wir den verdutzten Passanten in der Bremer Innenstadt, wie ein Castor in Lebensgröße aussieht und konnten mit ansehen, wie sich ihm Bürgerinnen und Bürger in den Weg stellen. Zwei Mal blockierten die etwa 230 mutigen Bremer/innen den LKW mitten auf der Kreuzung.

Besonders engagiert zeigten sich die Kinder. Eine ganze Gruppe lief direkt hinter dem Frontbanner im Demozug und kannte viele gute Anti-AKW-Slogans und Lieder. Einige versierte Blockierer/innen waren auch in der Demo. Professionell bildeten sie gleich eine Kette und hakten sich ein, als wir uns auf der Kreuzung vor der Sögegasse auf den Strohsäcken niederließen. Der Ratschlag der Strahlenschutzexperten, sich doch wegen der Kälte nicht die Gesundheit zu ruinieren, sondern lieber nach Hause zu gehen, quittierten sie mit laustarken Buh-Rufen. Dann schaltete sich das Strahlenschutzpersonal zu Frau Merkel ins Kanzleramt, um zu klären, was der Castor angesichts der Blockade tun soll. Und die Kinder sangen der Kanzlerin spontan ein passendes Lied: "Frau Merkel, Frau Merkel, schläfst du noch, schläfst du noch? Hörst du nicht die Bürger, hörst du nicht die Bürger? Abschalten, abschalten!" Da gab es kein Weiterkommen für den Strahlentransport. Der Castor musste kapitulieren und rollte unter lauten Jubelrufen rückwärts.

Heute in Bremen waren wir 230 Menschen. Wie viele werden es in einer Woche auf der Großdemo Dannenberg sein? Wenn aus jeder Stadt nur so viele Menschen in die Busse zur Demo steigen, wie wir jeweils zu unseren Castor-Aktionen begüßen konnten sind und jede/r noch zwei Freunde mitbringt, dann wird es eine Großdemo, die ihren Namen verdient hat! Dass das Thema Atomkraft auch nach dem Abschalten von acht Reaktoren im vergangenen Sommer die Menschen auf die Straße bringt, zeigte heute das gut gelaunte Demovolk in Bremen. Die Menschen wollen keine Strahlenmüll produzierenden AKWs bis 2022. Und sie wollen nicht, dass der marode Salzstock in Gorleben zum Endlager wird. Deswegen werden sich auch dieses Jahr wieder Tausende querstellen, wenn der Castor kommt. Kommen Sie auch ins Wendland?

Am Ende rollte der Castor auf den Marktplatz. Dort hörten wir eine engagierte Rede von Moritz Steinbeck und Mara Brünjes von der Bremer BUNDjugend. Außerdem sprach Stefan Kette vom IPPNW, der Ärztevereinigung gegen Atomkraft.

Unser zehn Meter hohes X ist schon an beiden Beinen eng beschrieben mit Unterschriften. Nächsten Mittwoch wird es vor dem Umweltministerium stehen. Wir haben Herrn Röttgen in einem Brief eingeladen, vor die Tür zu kommen, um mit den Bürger/innen über die Lagerung von Atommüll zu diskutieren. Wir sind gespannt auf die Reaktion des Ministers, noch haben wir keine Antwort aus seinem Ministerium erhalten.

Jetzt liegt ein volles Aktionswochenende vor uns. Am Samstag sind wir mit dem Castor in der Hamburger Innnenstadt unterwegs. Am Sonntag sind wir in Lüneburg. Mal sehen, was uns die nächste Hansestadt zu bieten hat.

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5. Tourstopp: 16. November in Hannover

Beim heutigen Tourstopp zeigen uns die Hannoveraner, wie Blockieren Laune macht: trotz Temperaturen um den Gefrierpunkt und eisigem Wind stoppen sie drei Mal den Castor mit bunten Sitzblockaden. Nur zwei Blockaden waren geplant, doch spontan setzten sich ein paar Familien mit einigen Kindern direkt vor unserem Strahlentransporter auf ihre Strohsäcke. Schnell eilten andere Demonstranten ihnen zu Hilfe und der Castor kam keinen Zentimeter weiter. Da half nur der Rückwärtsgang.

Nachdem wir entlang der Castor-Strecke durch Baden-Württemberg und Hessen getourt sind, haben wir mit dem heutigen Stopp in Hannover Niedersachen erreicht. Damit sind wir nun im Herzen der politischen Diskussion um Gorleben angelangt. Der damalige niedersächsische Ministerpräsident Ernst Albrecht brachte Gorleben als möglichen Standort für ein Atommüll-Endlager Ende der 1970er Jahre erst ins Spiel. Auf der Liste standen bis dahin drei andere Salzstöcke, die nach geololgischen Kriterien untersucht wurden. Da aber Herr Albrecht aus dem grenznahen und bevölkerungsarmen Wendland keinen Widerstand erwartete, schummelte er plötzlich Gorleben auf die Liste. Namhafte Geologen waren entsetzt. Der Salzstock in Gorleben sei hoch problematisch. Denn es gibt keine durchgehende Tonschicht über der Lagerstätte. In Gorleben ist diese Schicht löchrig und darüber fließt eine unterirdische Wasserader. Von den Seiten und von oben dringt im Gorlebener Salstock Wasser ein. Und unter dem Salzstock gibt es Gaseinschlüsse, die die Atomfässer direkt gefährden können.

Jahrzehnte lang hat die niedersächsische CDU die Parole vom sicheren Endlager in Gorleben mitgetragen. Vor wenigen Monaten aber kam die Wende von höchster Stelle: Ministerpräsident McAllister schrieb an Umweltminister Röttgen, dass andere Standorte neben Gorleben erkundet werden müssen. Fragt sich dennoch, warum das niedersächsische Umweltministerium den diesjährigen Castor-Transport genehmigt hat und so lange trickste und schönrechnete, bis die Strahlenwerte im Zwischenlager doch noch eingehalten wurden. Jeder neue Castor in Gorleben forciert die Pläne für ein dortiges Endlager.

Dort wo der Bahnhofsvorplatz in die Fußgängerzone mündet, baute sich vor großem Laufpublikum die nächste Blockade auf. "Wasser, Wind und Sonne - Atomkraft in in Tonne!" ruft ein kleiner Junge ins Mirkofon und über 150 Menschen stimmen ein. Die Strahlenschutzexperten am Castor werden nervös. So viel Widerstand haben sie nicht erwartet. "Euch werden doch die Füße kalt, steht doch auf und geht einen heißen Tee trinken!" versucht es einer der Castor-Begleiter auf die nette Art. "Wir bleiben!" tönt es von den Sitzenden. "Alles ganz sicher, es tritt kaum Strahlung aus", kommentiert eine andere im Strahlenschutzanzug, und hält ihren Geigerzähler ans Mikrofon - es knackt laut und bedenklich. In einer "Liveschaltung zu Frau Merkel" beraten sich die Strahlenschutzexpert/innen mit der Kanzlerin und kommen zu dem Schluss: der Castor muss rückwärts rollen, nach Gorleben ist kein Durchkommen!

Kreatives Blockieren in Hannover macht Laune, ins Wendland zu fahren und an den vielfältigen Aktionen gegen den Castor-Transport um den 26. November mitzumachen. Passend dazu verkaufte die BI Umweltschutz Hannover auch gleich Bustickets zur Demo ins Wendland. Am Ende versprachen alle, ihre Freund/innen in Bremen Bescheid zu sagen, damit sie übermorgen kommen, um unseren Castor in der Bremer Innenstadt stoppen. Danke, Hannover für diese inspirierende Castor-Aktion!

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4. Tourstopp: 15. November in Kassel

Was für ein widerständiges Völkchen in Kassel! Über 260 Menschen versammelten sich heute Mittag am Kulturbahnhof in Kassel zum Demozug mit dem Castor durch die Innenstadt. Das ist die größte Teilnehmerzahl bislang auf der Tour, die uns bisher durch Karlsruhe, Heidelberg und Stuttgart. Auch der strahlende Sonnenschein war unübertroffen. Und die Kasseler wissen, was eine Castor-Blockade ist: die Gruppe der Blockierer/innen nahm ihren Namen ernst und blockierte den Castor an zwei Stellen spontan.

Die Blockaden waren diesmal besonders groß und kreativ. Die Menschen setzten sich beherzt auf die mitgebrachten Strohsäcke, legten ihre Fahrräder nieder und legten ein Päuschen ein. Da konnten die Strahlenschutzexperten nichts mehr ausrichten. Der Castor musste den Rückwärtsgang einlegen.

Zum Schluss fuhr unser Castor-Transporter direkt vor das Kasseler Rathaus. Dort rief Christoph Bautz von Campact noch einmal alle dazu auf, zur Demo am 26. November und zu den zahlreichen Aktionen rund um den Castor-Transport ins Wendland zu kommen. Die Anti-Atom-Aktivistin Nadine Schomburg sprach sich für einen viel schnelleren Ausstieg aus der Atomenergie aus. Am Ende gab es spontan einen Anti-AKW-Rap, vorgetragen von Ossi, einem Berliner Straßenkünstler.

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3. Tourstopp: 14. November Frankfurt am Main

Bei strahlendem Sonnenschein wölbte sich heute ein gigantisches X in den blauen Himmel über dem Roßmarkt in Frankfurt. Es steht für den Widerstand gegen die Castor-Transporte nach Gorleben. Auch hier in Frankfurt stand das X einem Castor gegenüber. Über 100 Atomkraft-Gegner-innen stellten sich am Opernplatz und in der Konrad-Adenauer-Straße dem LKW mit seiner strahlenden Fracht in den Weg. Fast wie im Wendland legten sie für die Sitzblockade Strohsäcke auf die Straße – mit Erfolg: Der Castor musste mehrfach den Rückwärtsgang einlegen.

Auf der anderen Seite hatten auch die den Castor bewachenden Strahlenschutz-Expert-innen ihren Spaß: z.B. ein Aktivist in fortgeschrittenem Lebensalter nahm seinen Job besonders ernst und maß mit seinem Geigerzähler sehr gründlich die Strahlungswerte an einem den Demonstrationszug begleitenden Polizisten.

Mit der heutigen Castor-Aktion nahmen wir insbesondere Bezug auf das Treffen von Umweltminister Röttgen mit Vertreter/innen der Länder zum Thema Endlagerung am vergangenen Freitag. Der Minister kündigte dort eine neue Endlagersuche auf einer „weißen Karte“ an. Doch solange der Salzstock Gorleben eine Option bleibt, wird es keine wirklich ergebnisoffene Endlagersuche geben. Gorleben ist das dicke, rote Kreuz auf der vermeintlich weißen Karte, denn es sind bereits 1,6 Milliarden Euro in den Ausbau zum Endlager geflossen und täglich wird dort im Dreischicht-Betrieb weiter gebaut. Röttgens Endlagersuchgesetz, das im Länderkonsens bis Mitte 2012 ausgearbeitet werden soll, droht deshalb zu einem Gorleben-Durchsetzungsgesetz zu werden.

Wie verlogen Röttgens Spruch von der neuen Endlagersuche ist, zeigt ein Blick auf die harten Zahlen: im Bundeshaushalt für kommendes Jahr sind für die "weitere Erkundung" des Salzstockes in Gorleben - sprich den Umbau in ein Endlager - 73 Millionen Euro eingeplant. Für die Erkundung anderer Standorte sind gerade mal 3 Millionen Euro vorgesehen. Herr Röttgen ist meilenweit davon entfernt, sich vom maroden Salzstock zu verabschieden.

Dabei wäre ein Endlager in Gorleben der reine Wahnsinn: Von oben drohen Wassereintritte ähnlich wie im abgesoffenen Endlager Asse, von unten explosive Erdgaseinschlüsse. Mit dem gefährlichsten Müll der Welt können wir nicht so fahrlässig umgehen! Nur massiver Druck der Öffentlichkeit kann jetzt bewirken, dass Gorleben aus der Liste der zu untersuchenden Orte gestrichen wird.

Deswegen sind wir auf Castor-Tour. In jeder Stadt erinnern wir daran, dass es eine Debatte um einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Strahlenmüll geben muss. Dass zuerst geklärt werden muss, wie wir den strahlenden Müll in Deutschland lagern können und wollen und dass anschließend Kriterien für eine Standortsuche erarbeitet werden müssen. Dabei spielen wissenschaftliche Kriterien wie die Frage nach einem geeingneten Wirtsgestein eine Rolle, aber auch gesellschaftliche: Wollen wir den Müll grundsätzlich tief in der Erde lagern oder rückholbar, weil niemand die Sicherheit über mehrere hundert Millionen Jahre garantieren kann? Und es muss abgesichert werden, dass eine Festlegung auf ein Endlager nicht bedeutet, dass weiter munter Atommüll produziert werden darf. Deswegen muss die Gesamtmenge an Atommüll, der eingelagert werden muss, auf die Menge an produziertem Müll beschränkt werden, welcher bereits entstanden ist und bis zum endgültigen Atomaustieg zusätzlich entstehen wird.

Bei der abschließenden Kundgebung an der Konstablerwache spannte Katrin Ganswind von urgewald den Bogen vom Atommüll hin zum Ausstieg aus dem Bau neuer AKWs: Im eigenen Land den Ausstieg zu verkünden und gleichzeitig in anderen Ländern munter den Bau von AKWs zu finanzieren, ist heuchlerisch und verlogen. Ausstieg muss heißen: Keine Hermesbürgschaften für das brasilianische AKW Angra3! Am Ende sammelten wir noch Unterschriften auf dem ausblasbaren X und am Infotisch entsponn sich bei heißem Tee die eine oder andere Debatte.

Unser Castor ist jetzt schon auf dem Weg nach Kassel, wo ihn morgen weitere AKW-Gegner-innen mit bunten Blockaden erwarten.

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2. Tour-Stopp 11. November in Heidelberg

Am zweiten Tag unserer Tour erreichte unser Castor das malerische Heidelberg. Schon am Frühstückstisch entdeckten wir die Ankündigung unserer „Anti-Atommüll-Demo“ in der Zeitung. Direkt am Neckar, unterhalb der Thoedor-Heuss-Brücke, sammelten sich bereits eine halbe Stunde vor dem offiziellen Beginn die ersten Teilnehmer/innen. Mit ihrer Hilfe brachten wir auch zum ersten Mal unser überdimensionales gelbes „X“ in die Vertikale - DAS Symbol des Wendländischen Widerstandes. Tatkräftige Unterstützung bei der Vorbereitung und Durchführung der Aktion erhielten wir zudem von unseren lokalen Kooperationspartnern BUND, attac, AK.W.Ende und der Klimagruppe Heidelberg.

Nach einer kurzen Begrüßung bildeten sich die beiden Aktionsgruppen: etwa fünfzehn Strahlenschutzexpert/innen in weißen Schutzanzügen und mit Geigerzählern standen bereits am Start der Route mehr als 50 Blockierer/innen gegenüber. Während sich der LKW mit unserer Castor-Attrappe auf den Weg durch die schmalen Heidelberger Gassen auf die Heuss-Brücke machte, versammelten wir uns in unserer Aktionskleidung schon mal vor dem X.

Jenseits des Neckars angekommen waren wir auch schon in unmittelbarer Nähe der Heidelberger Innenstadt. Über den belebten Bismarckplatz fuhr der Castor direkt in Richtung Fußgängerzone, wo er allerdings schon von einer entschlossenen Blockade-Gruppe erwartet wurde. Trotz aller Fahrkünste gab es kein Durchkommen für den Castor, er steckte fest. Schnell war klar – er würde über einen Umweg erneut versuchen, sein Ziel zu erreichen. Wachsam verfolgten wir die Route des Castors. Schon hinter der nächsten Kurve am Rande der Neckarstaden gelang uns so die erneute Blockade des gefährlichen Transportes.

Im Anschluss an die beiden erfolgreichen symbolischen Blockaden versammelten wir uns zum Abschluss auf dem Uniplatz. BUND-Geschäftsführer Matthias Weyland und Björn Meyer von Campact gingen in ihren Redebeiträgen auf die aktuellen Entwicklungen in der Endlagerfrage ein. Zwar begrüßten sie die geäußerte Bereitschaft, nach alternativen Standorten suchen zu wollen, kritisierten aber gleichzeitig, dass Gorleben nicht nur weiterhin in der Auswahl steht sondern mit jedem weiteren Transport sowie der momentanen Arbeit im Drei-Schicht-Betrieb widersprüchliche Fakten geschaffen werden. Aufgrund dieser Entwicklung finden nach dem Start des echten Castor-Transportes am 24. November in Frankreich auch in diesem Jahr wieder eine Süd-Blockade sowie eine Großdemonstration in Dannenberg statt. Auch aus Heidelberg wird es eine gemeinsame Busfahrt ins Wendland geben, kündigte Matthias Weyland an.

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Castor-Tour: 11. November Auftakt in Karlsruhe

Ende November wird der nächste Castor-Transport aus der Wiederaufbereitungsanlage in La Hague in das wendländische Gorleben rollen. Mit unserem eigenen Castor in Originalgröße sind wir seit gestern zuerst auf der Straße. In den kommenden zwei Wochen werden wir in 10 Städten entlang der Castor-Route gegen den geplanten Castor-Transport und den Ausbau des Salzstocks in Gorleben zum Endlager demonstrieren. Den Auftakt zur Tour machten wir gestern mit einer Aktion in der Karlsruher Innenstadt.

Unser Castor auf einem 40-Tonnen-Sattelschlepper wurde in Karlsruhe wurde trotz des Wochentages von etwa 80 AtomkraftgegnerInnen begleitet. Etwa 50 bis 60 AktivistInnen stellten sich unserem Truck mehrfach entschlossen in den Weg und brachten den Castor mit einer Blockade-Performance von seinem Weg nach Gorleben ab. Mit Erfolg: sowohl am Bahnhofplatz als auch am Rondellplatz in der Karlsruher Innenstadt musste unser LKW-Fahrer den Rückwärtsgang einlegen und seine geplante Route ändern.

Begleitet wurde der Transport der strahlenden Fracht von „StrahlenschutzexpertInnen“ in weißen Schutzanzügen, mit Mundschutz und Geigerzählern. Einzelne Atomfässer wurden gar ungeschützt durch die Straßen gerollt. Die Strahlenschutzexperten forderten die Passanten dazu auf, Fenster und Türen geschlossen zu halten, weil geringe Dosen an radioaktiver Strahlung austreten könnten. So machten wir darauf aufmerksam, dass jeder Castor-Transport eine Gefahr für Mensch und Umwelt darstellt.

Mit der Aktion forderten wir Bundesumweltminister Röttgen auf, den Standort Gorleben als mögliches Endlager für hoch-radioaktiven Atommüll endgültig auszuschließen. Gerade heute trifft sich Röttgen zur Gesprächen über eine Endlagersuchgesetz mit seinen Länderkollegen. Durch Fukushima ist in der Endlagerfrage viel in Bewegung gekommen: Die Südländer Bayern und Baden-Württemberg haben sich erstmals bereit erklärt, auch nach einem Endlagerstandort zu suchen – denn neben Salz in Niedersachsen kommt Granit und Ton in BaWü und Bayern als Wirtsgestein für Strahlenmüll in Frage. Doch schon kommen die ersten Einschränkungen: Baden-Württembergs grüner Ministerpräsident Kretschmann setzt sich für den Verbleib von Gorleben im Suchverfahren ein, obwohl die jahrzehntelange Position der Grünen war, dass Gorleben aus geologischen Gründen kein geeignetes Endlager ist.

Mit Gorleben als Option würde das geplante Gesetz zum Gorleben-Durchsetzungsgesetz. Denn dort wurden seit 30 Jahren Fakten geschaffen: 1,5 Mrd. Euro sind schon jetzt im "Erkundungsbergwerk" versenkt, jeden Tag wird dort im Dreischichtbetrieb de facto ein Endlager gebaut. So lange Gorleben bei einem solchen Gesetz mit im Topf bleibt, droht erneut der Standort die Sicherheitskriterien und nicht die Kriterien den Standort zu bestimmen. Dass Gorleben aus rein politischen Gründen gwählt wurde - als Antwort auf das grenznahe DDR-Endlager Morsleben im Kalten Krieg und weil man wenig Widerstand aus dem gering besiedleten Wendland erwartete - hat vor Kurzem der Gorleben-Untersuchungsausschuss des Bundestags öffentlich bestätigt. Eine wissenschaftliche Prüfung des Standorts hat es nie gegeben.

Nach mehreren Umwegen aufgrund von Baustellen und Blockaden machte unser Castor-Transport letztlich auf dem auf dem Marktplatz direkt vor dem Rathaus Stopp, wo es zum Abschluss eine Kundgebung gab.

Campact-Geschäftsführer Christoph Bautz rief in seiner Rede zur Demonstration am 26. November in Dannenberg auf. Renate Grossmann-Kohl von der Karlsruher Anti-Atom-Bewegung prangerte den unverantwortlichen Umgang mit dem Atommüll an, der immer wieder innerhalb der verschiedenen europäischen Länder hin und her transportiert wird. Als dritter Redner berichtete Harry Block vom BUND Karlsruhe von der geplanten Erweiterung der Forschungsgebäude am ITU, dem bei Karlsruhe ansässigen Institut für Transurane, welches mit der Forschung an hochradioaktiven Stoffen für eine weitere Generation von Atomkraftwerken beschäftigt ist. Er forderte ein Umdenken in der Politik der neuen Landesregierung – hin zur finanziellen Förderung von umwelt- und menschenfreundlichen Technologien. Auch Guido Albert vom IPPNW kritisierte den fahrlässigen Umgang von Konzernen und Regierungen mit der gefährlichen Technologie.

Zum Abschluss konnten die TeilnehmerInnen sowie PassantInnen ihren Protest gegen Gorleben Kraft Ihrer Unterschrift auf unserem überdimensionalen gelben „X“ ausdrücken. Auf dem X werden wir in allen Städten Unterschriften sammeln und es am Ende vor dem Bundesumweltministerium aufstellen. Sehr zu unserem Leidwesen haben wir trotz intensiver Bemühungen keine Erlaubnis der Stadt Karlsruhe bekommen, das „X“ aufzustellen. So freuen wir uns bereits auf ein neues Element unserer Aktion heute in Heidelberg.

In Heidelberg sowie in den acht übrigen Stopps auf unserer Castor-Tour werden wir weiter die Werbetrommel rühren für die Aktionen und Demonstrationen rund um den Castor-Transport am 1. Adventwochenende. GORLEBEN ABWENDEN! heißt unser Motto, denn der marode Salzstock in Gorleben darf nicht zum Endlager werden. Machen Sie mit bei der Tour in Ihrer Stadt!

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