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5-Minuten-Info Bienenkiller

Was sind Neonikotinoide, und warum sind sie für Bienen so gefährlich?

Neonikotinoide sind Nervengifte, die Pflanzen vor saugenden und beißenden Insekten schützen sollen – zum Beispiel dem Maiszünsler. Die Pestizide können entweder in den Boden eingearbeitet, auf Blätter aufgetragen oder als Beize auf das Saatgut geklebt“ werden. Doch die Pestizide haben eine gravierende Nebenwirkung: Sie töten Bienen. Bienen verlieren Orientierung und Erinnerungsvermögen, so dass sie zum Beispiel ihren Stock nicht wiederfinden. Das Perfide ist: Bienen reagieren auf Neonikotinoide wie Menschen auf Nikotin. Es zieht sie an. 

Wie kam es zum jetzigen Verbot der Pestizide?

Im Jahr 2008 gingen zehntausende Bienenvölker am Oberrhein an einer Neonikotinoid-Vergiftung zu Grunde. Es folgte ein großer öffentlicher Aufschrei. 2009 erließ die damalige Agrarministerin Ilse Aigner (CSU) ein erstes Verbot der Pestizide. Seither wurde das Verbot jedes Jahr erneuert und teilweise verschärft. Im Mai 2013 schränkte die EU-Kommission zudem die Verwendung der neonikotinoiden Wirkstoffe Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam in Pflanzenschutzmitteln ein. Zumindest bis 2017 unterliegen die Pestizide einem EU-weiten Teilverbot. Zuletzt erließ Christian Schmidt (CSU) 2015 ein bundesweites Verbot und feierte sich dabei als Bienenretter.

Wie will Agrarminister Schmidt das Verbot nun aufweichen?

Scheinbar bekräftigt Schmidt das Verbot auch in diesem Jahr. Doch er baut eine entscheidende Ausnahme ein: Mit Neonikotinoiden gebeiztes Saatgut soll doch verwendet werden, wenn das Gift so fest an den Saatkörnern haftet, dass es nicht als Staub in die Umwelt gelangen kann. Der Entwurf für eine entsprechende Verordnung liegt bereits vor. Da Schmidt weder die Zustimmung des Bundesrats noch der übrigen Mitglieder der Bundesregierung benötigt, kann er die Verordnung von einem Tag auf den anderen in Kraft setzen.

Warum ist die Aufweichung des Verbots für die Bienen so fatal?

Schmidt geht mit seiner Lockerung den Chemie-Konzerne auf den Leim. Sie suggerieren, das Problem wäre schon dann gelöst, wenn Neonikotinoide nicht mehr als Staub in die Umwelt gelangen. Doch das ist nur ein Teil des Problems. Immer mehr Wissenschaftler/innen haben inzwischen die tödliche Wirkung der Neonikotinoide untersucht. Und dabei wird deutlich: Es geht um viel mehr als Giftstaub. Die Pestizide gelangen nach der Keimung zum Beipiel auch in Blätter und Blüten. Dort nehmen die Bienen sie hochkonzentriert auf. Das einzige, was die Bienen schützen würde, ist ein komplettes Verbot der Neonikotinoide.

 Wer hat ein Interesse daran, dass die Neonikotinoide erlaubt bleiben?

Die Hersteller. Chemiekonzerne wie Bayer, BASF und Syngenta machen ein gutes Geschäft mit den Chemikalien. Und sie versuchen, Kritiker mundtot zu machen. Als der BUND vor einiger Zeit in einem Einkaufsratgeber auf die Gefahr für die Bienen hinwies, zerrte Bayer den Umweltverband vor Gericht. Aber weil die Wissenschaft immer deutlichere Belege für die Kritik an den Neonikotinoiden findet, unterlag der Konzern vor Gericht – dokumentierte aber, wie entschlossen die Industrie gegen Kritik vorgeht. So ist zu vermuten, dass Schmidts Lockerung des Verbots durch massive Lobby-Anstrengungen der Chemiegiganten begünstigt wurde.

Welchen Anteil haben die Neonikotinoide am Bienensterben?

Weltweit ist das Bienensterben inzwischen zu einem großen Problem geworden. Die Vereinten Nationen sind sich sicher: Die Menge an Pestiziden, die auf unseren Äckern landet, hat daran einen großen Anteil. In China gibt es ganze Landstriche, in denen Obstbäume von Hand bestäubt werden müssen, weil die Bienen bereits ausgestorben sind. Aber natürlich ist das keine Lösung auf Dauer. Ohne Bienen brechen die Ernte-Erträge ein. Bienenschutz ist also auch ein Schutz gegen den Hunger.

Wie können wir Schmidt aufhalten?

Vor einem Jahr noch warnte Schmidt vor millionenfachem Bienentod. Und er hatte gute Gründe, sich als Bienenretter zu geben. Viele Menschen zeigen sich besorgt über das Bienensterben, darunter auch viele Landwirt/innen. Wenn es uns gelingt, Schmidts rasante Kehrtwende öffentlich zu machen, dann wird seine konsequente Haltung aus dem letzten Jahr zum Eigentor. Dann gilt er als jemand, der sich für die Industrie vom Bienenfreund zum Bienenfeind verwandelt – was seine Wähler sicher nicht gut finden. Wir können Schmidt packen – bei seiner Reputation.

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