Billigfleisch: Ausbeutung in Stall und Schlachthof

In der Schweinefleisch-Industrie herrschen miese Bedingungen. Vom Stall bis zum Schlachthof: Überall werden Kosten gedrückt, um das Fleisch am Ende möglichst billig zu verkaufen. Mensch, Tier und Umwelt leiden unter der Massenproduktion.

Der Kampf um die kleinsten Preise

Wer billiges Schweinefleisch produzieren will, muss Schweine möglichst günstig einkaufen und Arbeiter*innen im Schlachthof zu möglichst wenig Lohn beschäftigen. Und wer billige Schweine liefern soll, muss bei der Schweinemast alles auf Kostenminimierung setzen.

Weniger Höfe mit immer mehr Tieren

Möglichst viele Tiere auf engem Raum: Bei der Massentierhaltung spielt das Tierwohl keine Rolle. Muttersauen werden in enge Kastenstände gesperrt. Langeweile und Gestank erhöhen den Stress. Weil die Tiere sich unter diesen Bedingungen oft gegenseitig verletzen, werden ihnen die Schwänze abgeschnitten. Für die Turbomast braucht es Futter mit hochwertigem Eiweiß, das die Tiere schnell wachsen lässt – zum Beispiel aus Sojabohnen, für die in Südamerika der Regenwald weichen muss.

Diesem massiven Preisdruck halten die wenigsten Landwirt*innen stand. Die Zahl der schweinehaltenden Betriebe ist in den letzten zehn Jahren um mehr als ein Drittel gesunken. Überleben konnten nur die Höfe, die immer größere Ställe mit immer mehr Technik errichteten, um die Arbeitskosten zu senken.

Tönnies – ein Schlacht-Gigant

Auch bei den Schlachthöfen nimmt die Konzentration auf wenige große Konzerne dramatisch zu. Mit Abstand der größte Schweine-Schlachtkonzern in Deutschland ist Tönnies. Jedes dritte Schwein wird dort geschlachtet. Ihm folgen Westfleisch, Vion und Danish Crown. Es existieren zwar auch noch kleine Schlachtereien – aber Schweinemastbetriebe liefern zunehmend an die großen Schlachthäuser.

Der Tönnies-Konzern gehört zu den größten Schweineschlachtern der Welt. Das Unternehmen feierte 2019 Rekordumsätze und meldete, erstmals in der Firmengeschichte die 7-Milliarden-Euro-Marke geknackt zu haben.

Tönnies schlachtete 2019 an all seinen Standorten zusammen fast 21 Millionen Schweine und über 440.000 Rinder. Der Fleischriese setzt seit Jahren zunehmend auf den Export: 50 Prozent des Fleisches verkaufte Tönnies 2019 ins Ausland, große Mengen davon einmal rund um die Erde nach China.

In den Supermärkten begegnet uns Tönnies etwa unter den Namen „Meine Metzgerei“ (Aldi Süd), „Landjunker“ (Lidl) oder „Zur Mühle“ (dazu gehören Marken wie Böklunder, Gutfried, Marten, Lutz, Hareico, Schulte, Dölling, Weimarer, Redlefsen, Heine’s und Könecke).

Ausbeutung im Schlachthof

Im Juni 2020 infizierten sich mehr als 1.500 Mitarbeiter*innen bei Tönnies in Rheda-Wiedenbrück mit dem neuen Coronavirus. In der kalten Luft ohne Austausch, die Arbeiter*innen dicht an dicht am Fließband, konnte sich das Virus besonders gut verbreiten. Der Massen-Ausbruch wirft ein Schlaglicht auf die prekären Arbeitsbedingungen in den Schlachthöfen.

In vielen Schlachtbetrieben arbeiten viele Arbeitskräfte nicht als direkte Angestellte des Betreibers, sondern sind über Subunternehmen und schlecht bezahlte Werkverträge angestellt. Für sie gelten nicht die gleichen Rechte und Löhne wie für Festangestellte. Viele der Arbeiter*innen kommen aus Osteuropa und dem Balkan. Sie arbeiten zu Niedriglöhnen und überlangen Arbeitszeiten und leben in heruntergekommenen, überteuerten Gemeinschaftsunterkünften.

Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) will deshalb schärfere Regeln für die Fleischindustrie. Ab 2021 sollen für die Schlachtung, Zerlegung und Fleischverarbeitung keine Werkvertrags- oder Leiharbeiter*innen mehr beschäftigt werden dürfen. Noch muss das Gesetz durch Bundestag und Bundesrat.

Wie können wir die Billigfleisch-Industrie stoppen?

Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) muss mehrere Hebel in Bewegung setzen: Strenge Auflagen über die maximale Dauer eines Tiertransports und deren konsequente Kontrolle können die Anlieferung verängstigter Schweine aus dem ganzen Bundesgebiet zu Tönnies und anderen Schlachthöfen unmöglich machen. Außerdem braucht es gezielte Hilfen für Bauernhöfe, die wirklich lebenswerte Bedingungen für ihre Tiere schaffen. Auch eine Fleischabgabe, die Schluss macht mit der Abwälzung enormer Umweltkosten auf die Allgemeinheit, kann ein erster Schritt sein.

Es gibt schon jetzt Alternativen zum Billigfleisch: Manche Höfe setzen auf Regionalvermarktung und artgerechte Haltung. Es gibt kleinere Metzger*innen, die Tiere direkt vor Ort schlachten können. Zudem haben manche Bauernhöfe die Genehmigung zur Hofschlachtung.

Machen Sie mit!

Das System “Billigfleisch” macht Menschen, Tiere und die Umwelt krank. Werden Sie aktiv, damit sich das ändert!

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