Montagslächeln Verkehr Feminismus Kinderschutz Klimakrise Soziales WeAct Soziale Gerechtigkeit AfD Medien

Wer mit der Deutschen Bahn reisen möchte, bucht bestenfalls ein halbes Jahr im Voraus. Idealerweise noch bevor man weiß, wohin es überhaupt gehen soll. Mit mehrköpfiger Familie im Schlepptau empfiehlt sich vor der Buchung zusätzlich ein Anruf bei der Bank, um einen Kleinkredit aufzunehmen.

Doch nun die frohe Kunde: Das Familienticket kommt zurück, und zwar dauerhaft. Was im Sommer noch als zweigleisiger Ferienflirt galt, wird zur festen Beziehung. Zwei Fahrten, fünf Personen, 99,99 Euro. Ab dem 26. Oktober soll es laut Bahn-Chefin Evelyn Palla zu haben sein.

Nicht zu Ende gedacht?

Jahrzehntelang galt der typische Bahnkunde offenbar als Mann mit Hemd, Laptop und Lounge-Zugang. Kinder blendete man allenfalls augenrollend mit Noise-Cancelling-Kopfhörern aus. Aber kaum steht eine Frau an der Spitze des Konzerns, denkt die Deutsche Bahn plötzlich Familien mit. Mitgedacht, immerhin. Aber zu Ende gedacht?

Für das Familienticket braucht es zwei Personen ab 15 Jahren und mindestens ein, höchstens drei Kinder bis 14 Jahre. Die einfache Fahrt im Fernverkehr kostet dann 59,99 Euro, Hin- und Rückfahrt vierzig Euro mehr. Sitzplatzreservierungen inklusive.

Für lange und vor allem spontane Strecken ist das durchaus ein gutes Angebot. Schließlich kosten die Tickets bei der Bahn für zwei Personen gerne mal so viel wie ein Wochenende in Amsterdam. Nur sollte man die frei fahrenden Kinder im Familienticket nicht mit einem neuen Geschenk der Deutschen Bahn verwechseln. Denn Kinder fuhren im Fernverkehr schon vorher gratis. Das eigentliche Angebot bezieht sich also auf den Ticketpreis für die Erwachsenen. Solange der Vorrat reicht – oder?

Familie, aber gerne mit Abstand

Die Bahn verspricht für die Familientickets erst einmal Verfügbarkeit ohne Ende. Aber es könne natürlich auf stark gebuchten Verbindungen passieren, dass kein Familienticket mehr verfügbar ist. Und selbst wenn, dann liegen die reservierten Sitzplätze womöglich nicht nebeneinander.

Dann reist eine Familie eben verteilt über drei Waggons. Das hat durchaus Charme: Ein Familienticket für Familien, die mal Abstand voneinander brauchen. Was nach vier Stunden ICE, wenn man ehrlich ist, ohnehin jeder Familie gut tut.

Das Kind MUSS mit

Wer sich nun mit Blick auf die Preise – ganz fuchsig aber kinderlos – ein Familienticket bucht, der hat die Rechnung ohne die Deutsche Bahn gemacht. Denn das Familienticket-Credo lautet: Kein Kind, keine Familie, kein Fahrschein.

Hier reicht die Deutsche Bahn aber netterweise die Hand: Reisende müssen nicht miteinander verwandt sein. Familie ist, wer gemeinsam bucht – modern und inklusiv. Und es eröffnet ganz neue Möglichkeiten, wie die Karikatur von Gabi Horvath zeigt: Kinderlose Paare könnten sich künftig Nachwuchs ausleihen. Im Krankheitsfall dürften Nachbarskinder nie gefragter gewesen sein. Und wer zwei Kinder hat, kann eines gewinnbringend vermieten. Zur Preisorientierung empfiehlt sich die App der Deutschen Bahn.

Autor*innen

Appelle, Aktionen, Erfolge und weitere Themen aus dem Campact-Kosmos: Darüber schreibt das Campact-Team. Alle Beiträge

Auch interessant

Datenschutz Campact-Team Montagslächeln: Datenbrille … oder Spanner-Brille? Mehr erfahren
Verkehr Matthias Flieder Gefährliches Pflaster für Kinder Mehr erfahren
CDU Campact-Team Montagslächeln: Ich bleibe Kanzler! Mehr erfahren
CDU Campact-Team Montagslächeln: Gegenwind für Merz und CDU Mehr erfahren
AfD Campact-Team Montagslächeln: Zweifel säen bei der Briefwahl Mehr erfahren
Klimakrise Matthias Flieder Niedrigwasser offenbart fatale Politik Mehr erfahren
CDU Campact-Team Montagslächeln: Und jetzt ran an die Arbeit, Herr Merz! Mehr erfahren
Klimakrise Campact-Team Montagslächeln: Koalitionsklima Mehr erfahren
Klimakrise Campact-Team Montagslächeln: Sonntagsfahrverbot und trockene Flussbetten Mehr erfahren
Datenschutz Campact-Team Montagslächeln: Blind Date in Zeiten von KI Mehr erfahren