Ich sitze im Zug, fahre zurück nach Berlin, denke über die letzten beiden Monate nach: Wahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin, Sondierungsgespräche und Spekulationen über mögliche Koalitionen. Das Deutschlandticket wird teurer, Niedrigwasser im Rhein. Auf meinem Laptopbildschirm stehen die offenen Tabs Schlange.
Knapp zwei Wochen war ich raus aus dem politischen Berlin, habe meine Eltern besucht und Urlaub gemacht. Und ehrlich gesagt, das war nach den doch sehr vollen und hochpolitischen Sommermonaten auch dringend notwendig. Eine Runde abschalten, bevor das letzte Quartal des Jahres anbricht.
Blechern ertönt die Zugdurchsage: „Nächster Halt: Frankfurt Main Hauptbahnhof“. Die erste von fünfeinhalb Zugstunden ist geschafft.
Ein hochpolitischer und von der Klimakrise geprägter Sommer
Im September wählte erst Sachsen-Anhalt, dann Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. Während sich in Sachsen-Anhalt alles um das Verhindern einer AfD-Alleinregierung drehte, stand in Mecklenburg-Vorpommern Manuela Schwesig im Mittelpunkt. Und in Berlin wurde über Bezahlbarkeit, Mieten und Vergesellschaftungen geredet. Eines vereint alle drei Wahlen: Klimaschutz war kaum – eigentlich gar kein – Thema, das vor den Wahlen angemessen diskutiert wurde.
Und trotz zwei Wochen fernab von Berlin, ohne jegliche politische Nachrichten, war die Zeit doch nicht ganz unpolitisch.
Wenn ich zwischen ausgetrockneten Feldern jogge und meine Großeltern erzählen, wie sie die über 40 Grad Tage kaum überstehen. Wenn meine Eltern darüber reden, wie sich das Klima im Oberrheingraben – der besonders stark von der Klimakrise betroffen ist – entwickeln wird, dann sind die Klimakrise und die fehlenden politischen Reaktionen eben auch hier ein Thema.
Die Zugbegleiterin holt mich aus meinen Gedanken. Ich zeige ihr mein Ticket, die Bahncard will sie nicht sehen. Mein Blick wandert aus dem Fenster in die Finsternis. Regentropfen durchziehen mein Sichtfeld, bahnen sich zuckend auf der Scheibe ihren Weg.
Der November kommt und damit auch die Weltklimakonferenz
Nur noch drei Monate, dann ist das Jahr vorbei. Drei für Klimagerechtigkeit wahrscheinlich sehr entscheidende Monate. Denn im November findet die COP31 statt, die 31. Weltklimakonferenz. In Antalya in der Türkei kommen vom 9. bis zum 20. November 2026 Vertreter*innen aus 196 Ländern zusammen. Sie werden verhandeln, wie mit der Klimakrise umgegangen werden soll.
Viele Versprechen der letzten Jahre wurden nicht eingehalten. Für die tatsächlich beschlossenen Maßnahmen fehlt das Geld. Das Ergebnis davon haben wir diesen Sommer so deutlich wie noch nie gespürt: eine eskalierende Klimakrise.
Allein in Deutschland gab es 16.000 Hitzetote. Zum Vergleich: So viele Menschen füllen problemlos ein sehr großes Eishockeystadion. Aber auch global erleben wir die Klimakrise fast täglich. Waldbrände, Stürme, Fluten und Erdrutsche haben die Nachrichten in den letzten Monaten geprägt, immense Zerstörung angerichtet und unzählige Menschen das Leben gekostet.
Und die politischen Reaktionen darauf treiben einen geradezu in die Verzweiflung. Dabei haben wir weder für Verzweiflung, noch für Hoffnungslosigkeit Zeit. Wir sagen: Wenn nicht jetzt, wann dann? Wir müssen endlich handeln!
Ich spüre, wie der ICE seine Geschwindigkeit verlangsamt. Wir halten in Göttingen. Ein Freund von mir wohnt hier. Wann wir uns mal wiedersehen werden? Ein Blick auf die Uhr, bis Berlin sind es noch zweieinhalb Stunden. Ich rutsche tiefer in den Sitz und meine Gedanken wandern zurück zur Klimakonferenz.
#PayYourClimateDebt! – Klimastreik am 13. November
Am 13. November werden wir auf die Straße gehen und fordern: #PayYourClimateDebt!
Wir kämpfen gegen die Klimakrise – und damit für unsere Lebensgrundlagen, unsere Zukunft und internationale Klimagerechtigkeit. Jedes Zehntel Grad zählt!
Dafür muss auch Deutschland seine Versprechen halten, seine Klima-Schulden bezahlen. Denn Deutschland trägt eine historische Verantwortung: Das versprochene und dringend notwendige Geld muss zur Verfügung gestellt werden, damit das Pariser Klimaabkommen eingehalten werden kann.
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Mit 30 Minuten Verspätung bahnt sich mein Zug seinen Weg durch die Hauptstadt zum Berliner Hauptbahnhof. Piepsend öffnet die schwere Zugtür, es ist regnerisch. Ich steige aus und die klare Nachtluft füllt meine Lungen. Ein Schwall Vorfreude auf den 13. November packt mich. Gänsehaut, ich lächle. See you on the streets!
Text: Carolin Moser, Fridays For Future Berlin