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AfD und BSW haben in ihren diesjährigen Kommunal- und Landtagswahlkämpfen Unterstützung durch russische Desinformationsoperationen wie Matrjoschka und Storm-1516 erhalten. Aber inzwischen liegt der Fokus der Operationen längst woanders: auf den bevorstehenden Midterm-Wahlen in den USA im November, auf Frankreich – und der allgemeinen Destabilisierung von Ländern, die die Ukraine unterstützen.

Wer näher hinsieht, bemerkt, wie sehr sich die Kampagnen trotz unterschiedlicher Länder ähneln. Zwar werden Namen, Sprachen und vermeintliche Ursprungsmedien angepasst, die Erzählungen bleiben aber immer dieselben: 

Die Ukraine wird pauschal als korrupt und von Neonazis dominiert gekennzeichnet. Politiker und Parteien, die Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine kritisieren und die Ukraine unterstützen, werden als Mörder oder Pädophile, als korrupt und gefährlich dargestellt. Zahllose Fakes enthalten zudem Behauptungen über Wahlbetrug.

Desinformation in Deutschland und den USA

Einem Kandidaten zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt dichtete die Desinformationsoperation gleich mehrere Morde an, unter anderen an seiner eigenen Großmutter und einem „Webcam-Model”. Dazu kamen angebliche „Untergrund-LGBTQ-Sexpartys” und unfaire Unterstützung für westdeutsche Studierende. Insgesamt haben Experten des Recherchekollektivs „Antibot4Navalny“ auf Plattformen wie X, Bluesky und Tiktok dutzende Videos dieser Art identifiziert.

In den USA kursieren derweil auch reichlich Fake-Videos. Das eindeutige Ziel: Donald Trump und die Republikaner unterstützen, demokratische Kandidat*innen schwächen. Laut einer Erzählung soll ein demokratischer Kandidat beispielsweise den CEO von CNN bestochen haben, um Geschlechtsangleichungen bei trans Kindern zu „bewerben”. 

Ein anderes Mal soll die Mutter eines demokratischen, muslimischen Kandidaten zu den Organisatorinnen der Anschläge vom 11. September gehört haben. Dazu Steuerhinterziehung, Inzest und Missbrauch. Außerdem verächtliche Narrative über queere Menschen und die Black-Lives-Matter-Bewegung. Dazu einschlägige „Argumente“ von Verschwörungsanhängern und aus der extremen Rechten.

Es gibt jedoch einen entscheidenden Unterschied zu den deutschen Landtagswahlen: Einige Fakes in den USA zeigen Promis wie Sarah Jessica Parker, Cher oder Julia Roberts, deren Stimmen digital geklont wurden. Andere Videos äußern sich verächtlich über weibliche Popstars, die in der Vergangenheit die Demokraten unterstützen oder sich in irgendeiner Form progressiv geäußert haben. Betroffen waren unter anderem Taylor Swift, Cardi B und Billie Eilish.

Es ist nicht die erste Matrjoschka-Kampagne in den USA. Das Netzwerk lancierte schon im Wahlkampf 2024 Angriffe auf Kamala Harris, in denen es um Alzheimer, Abteibungen und kommunistische Großeltern ging.

Lügen rund um den Erdball

Aktuelle Vorkommnisse greifen die Kampagnen auch auf: Die laufenden Schülerproteste in Frankreich sind ebenso Thema wie die versuchte Entführung eines Flydubai-Flugzeuges auf dem Weg nach Israel. Seit 2023 sollen die Hinterleute der Operation Matrjoschka in mindestens 21 Ländern aktiv gewesen sein. 

In Schweden verbreiteten Matrjoschka-Accounts vor der Parlamentswahl im September Lügen über Missbrauch und Wahlbetrug. Ziel war der damalige Ministerpräsident Ulf Kristersson. In Frankreich steht der frühere Premier und aktuelle Präsidentschaftskandidat Gabriel Attal im Zentrum der Attacken. Auch in Moldau und Armenien wurden in Wahlkämpfen Lügen verbreitet. Ziel waren Maia Sandu und Nikol Paschinjan. Kandidat*innen, die eine Nähe zur EU statt zu Russland suchten. Aber Matrjoschka blieb erfolglos: Sandu und Paschinjan gewannen die Wahlen.

Selbst Journalist*innen geraten in den Fokus der russischen Desinformationsverbreiter. Nachdem die Journalistin Brandy Zadrozny über die aktuelle Matrjoschka-Kampagne in den USA berichtete, wurde sie selbst angegriffen. Das ist nicht neu: Sowohl russische Staatsmedien als auch die Trollfabriken aus Sankt Petersburg und Moskau attackieren seit Jahren gezielt Journalist*innen, die über Russlands hybride Kriegsführung berichten. 

Weder überschätzen noch unterschätzen

Russische Desinformationsoperationen wie Matrjoschka sind in erster Linie Scheinriesen. Auch wenn einige der Posts auf Plattformen wie X und Tiktok tausende oder hunderttausende Aufrufe verzeichnen, ist die Reichweite in der Regel zunächst gekauft. 

Die Verbreitung erfolgt immer auf dieselbe Weise: Eine Gruppe gekaperter oder angelegter Konten verbreitet Videos, Bilder oder Links mit Fakes. Oft erwecken diese den Anschein, von seriösen Medien erstellt worden zu sein. Dann übernimmt die zweite Gruppe Accounts, die nur liked, reposted und teilweise – sehr belanglos oder völlig themenfremd – kommentiert. Meistens handelt es sich um Konten, die alle möglichen Dinge bewerben und von kommerziellen Anbietern unterschiedlicher Länder gesteuert werden.

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Doch die Lage ändert sich, wenn die Lügen aufgegriffen werden. Zum Beispiel durch prorussische Influencer wie Alina Lipp. Oder durch Parteien, die an der Seite Putins stehen oder auch durch Massenmedien. Dadurch erreichen die Erzählungen viel mehr Menschen als einzelne Fake-Accounts es jemals könnten. Die Herausforderung für Medien, Politik und Gesellschaft liegt also darin, Russlands Desinformationsangriffe ernst zu nehmen und ihren Einfluss realistisch einzuschätzen.

Autor*innen

Karolin Schwarz arbeitet als Autorin und hat die Angewohnheit, ihre Nase in die dunklen Ecken des Internets zu stecken. Sie beschäftigt sich seit mehr als einem Jahrzehnt mit Desinformation, Rechtsextremismus und Plattformen. Ihr Buch "Hasskrieger: Der neue globale Rechtsextremismus" erschien 2020 im Verlag Herder. Als Gast-Autorin für Campact schreibt sie über Desinformation. Alle Beiträge

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