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Das 5-Minuten-Info zum Anbau von Gen-Mais in Europa finden Sie hier.

5-Minuten-Info:

Monsanto: Hersteller-Konzern des Gen-Mais MON810

Am 14. April hat Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner ein Verbot des Anbaus des Gen-Mais MON810 in Deutschland verkündet (BVL-Bescheid). MON810 ist die einzige Gentechnik-Pflanze, die die europäische Zulassung hat und bisher in Deutschland angebaut werden durfte. Das Verbot kam gerade noch rechtzeitig, die Aussaat des Risiko-Mais sollte wenige Tage später beginnen. Eine Klage des Herstellers des Gen-Mais, des US-Konzerns Monsanto, gegen das Verbot beim Verwaltungsgericht Braunschweig hatte keinen Erfolg (Pressemitteilung des Gerichts).

Monsanto: Weltmarktplayer im Aufwind

Der Konzern Monsanto mit Sitz in St. Louis, USA, ist seit 2005 das größte Saatgutunternehmen der Welt und zudem der weltweit größte Hersteller von gentechnisch verändertem Saatgut: Das Unternehmen hält auf 90 Prozent der angebauten gentechnisch veränderten Organismen (GVO) Patente. Die Gen-Pflanzen werden vor allem in den USA (2007: 54,6 Mio. Hektar), Argentinien (18 Mio.), Brasilien (11,5 Mio.), Kanada (6,1 Mio.), Indien (3,8 Mio.) und China (3,5 Mio.) angebaut. In Europa wird die Gen-Saat bisher nur in Spanien und Rumänien im großen Stil kommerziell angebaut. Im Vietnamkrieg erlangte Monsanto traurige Berühmtheit, da es das Entlaubungsmittel „Agent Orange" für die US-Armee herstellte. Für das Ende August 2008 abgelaufene Geschäftsjahr gab das Unternehmen ein Rekord-Umsatzwachstum von 36 Prozent auf 11,37 Milliarden Dollar gegenüber dem Vorjahr bekannt (Studie im Auftrag des BUND).

Diese Rekordumsätze basieren vor allem auf dem Verkauf von Saatgut für Gen-Mais, Gen-Soja, gentechnisch verändertem Raps - und von Unkrautvernichtungsmitteln (Herbiziden), die genau auf die Gen-Manipulationen abgestimmt sind: 70 Prozent der weltweit angebauten Gentechnik-Pflanzen sind gegen das Monsanto-Herbizid Roundup resistent. Praktisch für den Konzern: Er verkauft den Bauern nicht nur die Gen-Saat, sondern macht sie auch vom eigenen Herbizid abhängig. Rund 30 Prozent der GVO sind zudem so manipuliert, dass sie ein Insektengift namens „Bt“ produzieren (Bt-Pflanzen) – so zum Beispiel der Gen-Mais MON810 (Studie im Auftrag des BUND).

Monsanto treibt Bauern in die Abhängigkeit

Monsanto hält Patente auf die gentechnischen Veränderungen in seinen Pflanzen. Auch nachdem der Konzern das Saatgut an die Bauern verkauft hat, betrachtet er die gentechnischen Veränderungen als sein geistiges Eigentum: In so genannten Technologie-Nutzungsvereinbarungen müssen die Landwirte beim Kauf der Saat unterschreiben, dass sie nicht – wie traditionell üblich – einen Teil ihrer Ernte einbehalten, um ihn im nächsten Jahr auszusäen. Jedes Jahr müssen sie erneut das teure Gen-Saatgut kaufen. Bauern in armen Ländern müssen sich dafür verschulden. Der UN-Menschenrechtsausschuss untersuchte den Selbstmord von 200.000 Bauern in Indien und kam zu dem Schluss, dass „die extreme Armut der Kleinbauern (..) durch die Einführung von Gentechnik-Saatgut durch multinationale Unternehmen verschärft worden ist“ (Positionspapier Bundesamt für Naturschutz, BfN).

Zudem müssen sich die Bauer verpflichten, ausschließlich das Monsanto-Herbizid Roundup einzusetzen. Die Einhaltung dieser Regeln lässt Monsanto von gekauften „Spitzeln“ überwachen, oftmals benachbarte Landwirte. Regelverstöße werden mit harten Bußgeldern und Gerichtsverfahren geahndet. Diese Strafen müssen auch Bauern befürchten, deren Felder durch die Gen-Saat benachbarter Felder verunreinigt wurde – denn auf ihren Feldern wächst „Eigentum“ von Monsanto, für das sie nichts bezahlt haben (Hintergrund-Interview).

Heilsversprechen der Gentechnikindustrie unerfüllt

Monsanto verspricht den Bauern, dass sie mit Gentechnik-Pflanzen ihre Erträge auf naturverträgliche Weise steigern können. Die Realität sieht anders aus: Gentechnik-Anbau steigert nur in einigen wenigen Regionen den Ertrag, in vielen anderen sind Rückgänge zu verzeichnen (Weltagrarbericht; Positionspapier Bundesamt für Naturschutz (BfN)). Gleichzeitig kostet das Gen-Saatgut erheblich mehr als konventionelles (Schadensbericht Gentechnik).

Seine Gen-Pflanzen verringerten den Einsatz an Pflanzenschutzmitteln, wirbt Monsanto. Das Gegenteil ist oft der Fall: Kreuzen sich die Merkmale von herbizidresistenten Gen-Pflanzen in Wildkräuter aus oder werden gewöhnliche Unkräuter auf Gen-Feldern massiv mit Roundup besprüht, bilden sich so genannten „Super-Unkräuter“. Diese sind aufgrund ihrer Resistenz gegen Spritzmittel kaum noch zu bekämpfen. Es muss immer mehr gespritzt werden (Positionspapier Bundesamt für Naturschutz (BfN)).

Ihr Versprechen, mit dürreresistenten und ertragssteigernden Gen-Pflanzen den Welthunger zu bekämpfen, hat die Gentechnikindustrie nicht eingelöst. Und auch wenn diese neue Generation Gen-Pflanzen irgendwann entwickelt sein sollte: Der Welthunger ist ein Verteilungsproblem, mit einem steigenden Angebot an teuren Gen-Lebensmitteln kann er nicht bekämpft werden (Studie im Auftrag des BUND).

Verbot von MON810 – eine demokratische, sachlich gebotene Entscheidung

Die Entscheidung der demokratisch legitimierten Landwirtschaftsministerin Aigner, den Anbau des Gen-Mais MON810 in Deutschland zu verbieten, ist demokratisch und vernünftig: Laut einer Emnid-Umfrage befürworten 78 Prozent der Deutschen ein Verbot des Gen-Mais. Zudem besteht erhebliche wissenschaftliche Unsicherheit über die Wirkungsweise und Schädlichkeit des Bt-Gifts, das der Mais absondert. Neue wissenschaftliche Studien zeigen, dass es bei Verzehr das Immunsystem von Mäusen sowie beim Anbau des Mais Tiere wie Schmetterlinge, Marienkäfer und Wasserorganismen schädigen kann (Studie im Auftrag von Campact; BVL-Bescheid).

Monsanto entstehen durch das Verbot nur geringe wirtschaftliche Kosten: Richtig ist, dass Landwirte, die Gen-Mais anbauen wollten, nun Gen-Saatgut, das sie bereits gekauft haben, bei Monsanto unter Rückforderung des Kaufpreises zurückgeben können. Allerdings sollte nur auf einer Fläche von rund 3.600 Hektar Gen-Mais angebaut werden, das sind lediglich 0,15 Prozent der gesamten Mais-Anbaufläche in Deutschland. Zudem vertreibt Monsanto auch konventionelles Saatgut, das der Konzern nun statt der Gensaat absetzen kann. Angesichts der großen Risiken für die Umwelt und Gesundheit sowie der ökonomischen Gefahren des Gen-Mais-Anbaus sollte Monsanto aufhören, über die Kosten eines Verbots zu klagen – und dieses stattdessen als vernünftige Entscheidung akzeptieren.

Monsanto muss das demokratisch legitimierte und sachlich gebotene Verbot des Gen-Mais akzeptieren!

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