Blog Leerflüge der Lufthansa: EU im Irrflug Lufthansa plant Tausende Leerflüge – trotz Klimakrise. Campact startet einen Appell, damit die EU die Sinnlos-Flüge stoppt. Mehr erfahren

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Wegen der Corona-Pandemie reisen deutlich weniger Menschen mit dem Flugzeug, viele Flüge werden nicht benötigt. Doch statt die leeren Flüge einfach abzusagen, lassen Fluglinien die Maschinen auch ohne Passagier*innen abheben. Der Grund ist eine Regel der EU: Airlines konkurrieren um die Start- und Landerechte an den Flughäfen. Wenn eine Airline ihre Startrechte nicht benutzt, werden sie im nächsten Jahr an die Konkurrenz vergeben. Um ihre umkämpften Slots zu behalten, fliegen Airlines auch leere, unwirtschaftliche Flüge. Allein die Lufthansa geht von 18.000 leeren oder fast leeren Flügen aus. 33.000 Flüge hat die Lufthansa laut eigenen Angaben schon gestrichen.

Flugzeuge sind das klimaschädlichste Verkehrsmittel. Die Maschinen produzieren neben CO2 auch Stickoxide und andere klimaschädliche Gase. Aerosole und Wasserdampf verändern beispielsweise die natürliche Wolkenbildung. Ein Großteil der Klimawirkung entsteht durch die Höhe – die Gase können nur langsam abgebaut werden und verbleiben länger in der Atmosphäre als wenn sie am Boden ausgestoßen würden. Dadurch verdreifacht sich die Klimawirkung. Ob voll oder leer, jedes Flugzeug am Himmel verursacht enorme Schäden.

Um die Leerflüge zu stoppen, muss die EU die Regelung zur Neuvergabe der Start- und Landerechte aussetzen. Dann könnten Fluglinien kaum gebuchte Flüge ausfallen lassen, ohne Wettbewerbsnachteile zu haben. Das hat die EU-Kommission im Corona-Winter 2020 auch gemacht: Zeitweise mussten die Airlines nur 25 Prozent ihrer Slots nutzen, um sie behalten zu können. Doch diesen Winter sind die Regeln anders: Die Airlines müssen 65 Prozent ihrer Slots nutzen. Das führt zu den vielen Leerflügen: Schon jetzt sind es über 100 leere Maschinen am Tag.

Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) muss sich jetzt bei der EU-Kommission dafür einsetzen, dass die Slotvergabe-Regeln vorübergehend ausgesetzt werden. Doch das ist nicht genug: Die EU muss auch die unfairen Vorteile des Flugverkehrs abschaffen. Denn ganz im Gegensatz zu Autofahrer*innen an der Tankstelle müssen Airlines bisher keine Steuer für den Treibstoff zahlen. Eine Kerosinsteuer ist überfällig – Minister Wissing muss in der EU für sie kämpfen.  Zusätzlich braucht es einen fairen CO2-Preis fürs Fliegen. Das kann die EU nur durchsetzen, wenn Mitgliedstaaten wie Deutschland sich dafür einsetzen. Mit einem CO2-Preis würden wir die wahren Kosten des Fliegens zahlen und unsere Art der Mobilität verändert sich automatisch – hin zu klimafreundlicheren Alternativen. Bis es einen wirksamen CO2-Preis gibt, muss Deutschland vorangehen und die nationale Luftverkehrsabgabe erhöhen. Diese Einnahmen kann der Staat nutzen, um klimafreundliche Alternativen zum Flugzeug zu stärken.

„Viel heiße Luft: Der Streit um die unnötigen 18.000 Leerflüge in der EU”, Stern, 18. Januar 2021
„Flugreisen”, Umweltbundesamt, 9. April 2019
„Lufthansa streicht Zehntausende Flüge”, Tagesschau, 23. Dezember 2021
„Der „Geisterflug”-Streit”, Tagesschau, 13. Januar 2021
„18.000 unnötige Flüge – wer ist schuld?”, Zeit Online, 19. Januar 2022

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