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Protest gegen Trinkwassergefährdung durch Gülle: „Bundeslandwirtschaftsminister“ zapft „Saubräu“

Agrarministerkonferenz erhält über 210 000 Unterschriften von Aktion Agrar und Campact

Bad Homburg, 19.03.2015. Die Bürgerbewegung Campact und Aktion Agrar überreichten heute über 210 000 Unterschriften für eine wirksame Düngeverordnung an die Vorsitzende der Agrarministerkonferenz, die hessische Ministerin Priska Hinz (Grüne). Sie forderten eine konsequente Düngeverordnung und kritisierten scharf den vom Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt (CSU) im Dezember vorgelegten Entwurf.

Hinz erklärte bei der Übergabe der Unterschriften, dass sie sich gemeinsam mit den anderen grünen Ministern für die Forderung der Aktivisten nach einer Verschärfung der Düngeverordnung einsetze.

Um die Gefährdung des Grundwassers durch Überdüngung darzustellen, hatten die Aktivisten ein Spalier aus Pappschweinen vor dem Tagungsort der Agrarminister aufgestellt. An einem Kneipentresen zapfte ein Aktivist mit Maske des Bundeslandwirtschaftsministers dunkelbraunes „Saubräu“ aus einem Zapfhahn im Hintern eines lebensgroßen Kunstharzschweines.

„Zum Glück ist Güllebier noch eine düstere Zukunfts-Vision” erläuterte Jutta Sundermann von Aktion Agrar. „Aber Schmidts Entwurf der Düngeverordnung ist unter aller Sau. Wenn nicht deutlich nachgebessert wird, sieht es schlecht aus für unser Grundwasser in Tierhaltungsregionen und in der Nähe der Megaställe."

Der Entwurf erlaube weiterhin 50kg Stickstoff-Überdosis pro Jahr und Hektar und ermögliche es den Behörden nicht, Einblick in die grundlegenden Daten der Tierhaltungsbetriebe zu nehmen. Die von Umweltverbänden und dem Sachverständigenrat für Umweltfragen geforderte Hoftorbilanz fehle. Doch nur so lasse sich wirklich erfassen, so Sundermann, welche Nährstoffe den Betrieb erreichen, auf dem Hof durch Mist und Gülle anfallen und durch den Verkauf landwirtschaftlicher Produkte abgeführt werden. Zugleich sei der Entwurf so angelegt, dass die art- und umweltgerechtere Weidehaltung sowie die Tierhaltung auf Stroh schlechter als bisher gestellt werde. Das könne nicht im Sinne der Agrarwende sein.

Campact und Aktion Agrar sammelten in kurzer Zeit mehr als 210 000 Unterschriften unter ihre Forderungen. Campact-Campaigner Chris Methmann forderte: „Nötig ist jetzt Druck der Bundesländer im Bundesrat, um die Agrarwende auf den Weg zu bringen“ und ergänzte: „Der brutale Konkurrenzdruck in der Tiermast nach dem Motto 'Wachsen oder Weichen' zu Lasten von Umwelt, Gesundheit und bäuerlichen Betrieben muss gestoppt werden. Wir brauchen eine bäuerliche Landwirtschaft, in der eine artgerechte Tierhaltung integriert ist in eine vielfältige Produktion mit geschlossenen Nährstoffkreisläufen. Die Düngeverordnung muss dazu beitragen, dem Konzentrationsprozess  einen Riegel vorzuschieben. Für gutes, artgerecht und umweltschonend erzeugtes Fleisch wird der Verbraucher auch mehr zahlen müssen. Zukunftsfähig wird die Landwirtschaft erst, wenn die Zahl der Tiere wieder zu den vorhanden Flächen passt.“ Die 210 000 Unterzeichner fordern deshalb über die Düngeverordnung hinaus, die Zahl der Tiere pro Betrieb von den zur Verfügung stehenden Flächen abhängig zu machen.

 

Zum Appell und Hintergrundinformationen:
https://www.campact.de/duengeverordnung/

und https://www.aktion-agrar.de/kampagnen

Kontakt

Svenja Koch
Pressesprecherin

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