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Rede Anti-Kohle-Demo Bonn 2017

Sperrfrist 4.11.2017, 12 45 Uhr, Christoph Bautz, Geschäftsführer Campact

(Es gilt das gesprochene Wort)

Übermorgen startet die Weltklima-Konferenz hier
in Bonn – und es gibt kaum einen besseren Austragungsort. Denn
direkt vor den Toren dieser Stadt, drüben im Rheinischen Revier,
können die 23.000 Delegierten sehen, wie brutal die Energiekonzerne
unserem Planeten und unserem Klima zusetzen.

Mich macht die Szenerie dort fassungslos:
Manheim, Morschenich, Immerath – verlassene Dörfer mit
gespenstiger Atmosphäre. Der Blick vom Rand der Tagebaue –
gigantische Mondlandschaften, wo früher üppige Wiesen, Felder und
Wälder gediehen. Und am Horizont die riesigen Schlote der Kraftwerke
von Neurath, Frimmersdorf und Niederaußem, die alleine für mehr als
10 Prozent der deutschen CO2-Emissionen verantwortlich sind.

Das, was dort passiert, ist ein Verbrechen! Ein
Verbrechen an unserer Landschaft, an unserem Klima und an künftigen
Generationen. Wir sagen: Schluss mit diesem Kohle-Irrsinn. Macht die
Tagebaue und Kohlemeiler so schnell wie möglich dicht! 
Ein Kohleausstieg erweist sich in diesen Tagen
als eines der größten Hindernisse auf dem Weg nach Jamaika. Das
liegt an der FDP, die ohne irgendwelchen Sachverstand zu besitzen
ideologisch gegen Klimaschutz holzt. Und es liegt an einem
Kohle-Extremisten, den die Union ausgerechnet zum Verhandlungsführer
für Klima- und Energiepolitik auserkoren hat: Armin Laschet.
Eigentlich ist er als Ministerpräsident dieses Bundeslandes allen
Bürger/innen verpflichtet – de facto scheint er aber zu RWE als
Cheflobbyist übergelaufen zu sein. 	

Laschet warnt: „Mit dem Kohleausstieg ist der
Industriestandort Deutschland gefährdet. Er entzieht Tausenden
Menschen die Erwerbsgrundlage, dann haben Sie demnächst 30 Prozent
AfD.” Was für ein Schwachsinn. Lieber Herr Laschet, den
Industriestandort Deutschland rettet man nicht mit einer
Dinosaurier-Technologie aus dem letzten Jahrhundert. Sondern mit
einer Technologie, die in diesem Land bereits 330.000 Arbeitsplätze
geschaffen hat – und diese ist erneuerbar. Der Kohle gehört die
Vergangenheit. Die Zukunft gehört Sonne und Wind!

Und nein, lieber Herr Laschet, der AfD treibt
man nicht die Wähler zu indem man aus der Kohle aussteigt. Sondern
indem sich die Kohle-Kumpel verschaukelt fühlen, wenn Sie ihnen
vorgaukeln, alles könne so bleiben wie es ist. Was es braucht ist
ein kluger, ein sozial abgefederter Strukturwandel, der sich der
Realität stellt statt sich ihr zu verweigern! Kohleland hat
ausgebrannt!	
Die Kohlemeiler dicht machen – was das konkret
heißt? Die Hälfte der Kohlekraftwerkskapazitäten gehört bis 2020
abgeschaltet. Und spätestens 2030 muss ganz Schluss sein mit dem
ganzen Dreck.

Nur dann werden wir das Klimaziel der
Bundesregierung von 40 Prozent weniger CO2 bis 2020 erreichen. Nur
dann werden wir andere Staaten überzeugen können, welches Potenzial
die Energiewende hat. Denn Energiewende heißt beides: Die Zukunft,
Sonne und Wind, anschalten. Und die Vergangenheit, die Kohle,
abschalten. Und jetzt ist es Zeit endlich abzuschalten!

Liebe Katrin Göring-Eckardt, lieber Cem
Özdemir, solch einen Kohleausstieg erwarten wir von den Grünen und
nur so kann der grüne Leuchtturm auf Jamaika erstrahlen. Jamaika
macht nur Sinn, wenn bei der Kohle was vorangeht – und genau
deshalb wollen wir Euch kämpfen sehen! Wenn Ihr aber nicht mal einen
konsequenten Kohleausstieg durchgesetzt bekommt, dann lasst Jamaika
Jamaika sein – und macht da nicht mit! 
Die UN hat diese Woche nochmal sehr eindringlich
gewarnt: Damit die Klimaerwärmung nicht unbeherrschbar wird und eine
nicht mehr aufhaltbare Dynamik entwickelt, müssen wir sehr sehr
schnell und sehr sehr konsequent handeln. Was dass heißt? Dass
global 75 und hier in Deutschland 90 Prozent der fossilen Ressourcen
im Boden bleiben müssen. Das werden wir nicht im Konsens mit den
Energiekonzernen erreichen. Sondern nur, wenn wir uns mit den RWEs,
Eons und Exxons dieser Welt ganz massiv anlegen.
Klar: Unser Gegner ist mächtig. Trotzdem habe
ich Hoffnung: Und diese Hoffnung ruht auf Euch – und all den
Menschen, die gemeinsam gegen 	die Energie- und Rohstoffkonzerne
kämpfen. Da entsteht eine internationale Klimabewegung - in Kanada,
in Alberta gegen die Öl-Gewinnung aus Teersanden, in Australien, in
Maules Creek, gegen 	Kohle-Tagebaue, in Brasilien gegen Fracking oder
in den USA gegen die Keystone Pipeline.

Gemeinsam haben wir eine Botschaft an die
Konzerne: Die Zeiten sind vorbei, in den Ihr Profite machen konntet
auf Kosten des Klimas – jetzt trefft Ihr überall rund um den
Globus auf unser aller Widerstand!

Um sich gegen die Konzerne zu wehren, greifen
Menschen an immer mehr Orten rund um den Erdball auch zu den Mitteln
des Zivilen Ungehorsams und sagen: Wo Recht zu Unrecht wird, da wird
Widerstand zur Pflicht. Naomi Klein spricht in ihrem vielzitierten
Buch von einem neuen Land, was da zusammenwächst. Sie nennt es
Blockadia.

Blockadia ist auch nach Deutschland gekommen.
Auch hier bei uns ist eine Bewegung entstanden, die die taz im
letzten Sommer als „Avantgarde der Klimaschützer“ auf ihren
Titel hob. Die Rede ist von EndeGelände. Tausende gehen mit Ende
Gelände in die Tagebau des	Rheinlands und der Lausitz, legen
symbolisch die Kohlebagger still – und haben den Kohleausstieg zu
einem der zentralen Themen von Jamaika gemacht.

Ich habe mir sagen lassen, dass es gar nicht so
schwer ist, Teil dieser Avantgarde zu werden: Man muss sich nur solch
einen weißen Maleranzug überziehen, wie ihn hier viele Leute hier
heute schon tragen. Man schultert einen Strohsack zum sitzen, steigt
morgen früh zusammen mit vielen Hunderten Menschen über
	verschlungene Wege in den Hambacher Tagebau herunter und setzt sich
friedlich vor einen Bagger. Und man ist sogar schon ein bisschen
Avantgarde, wenn man morgen früh um 9 Uhr am Bahnhof Buir ist und
nur ganz legal bis zum Grubenrand mitläuft, so wie ich das vorhabe.	

Ich kann nur sagen: Wenn Ihr von Ende Gelände das konsequent gewaltfrei macht, wenn Ihr das als Aktion Zivilen Ungehorsams, als symbolische und angekündigte Regelübertretung macht – dann finde ich das klasse. Das was Ihr vorhabt mag nicht ganz legal sein – aber es ist angesichts des Kohle-Wahnsinns bitter nötig und mehr als legitim!
Wir alle haben es in der Hand, gemeinsam in
Deutschland eine kraftvolle Klimabewegung in ihrer ganzen Vielfalt
weiter erblühen zu lassen. Ihr in den Chefetagen von RWE, Eon und
der LEAG in der Lausitz, ihr Kohlelobbyisten in FDP und CDU/CSU,
zieht Euch warm an. Wir lassen nicht mehr locker bis die Bagger für
immer stillstehen und die Schlote nicht mehr rauchen. Den Ausstieg
aus dem Klimakiller Kohle, den nehmen wir jetzt selbst in die Hand!
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Die Demonstration „Klima schützen –
Kohle stoppen!“, zu der mehrere Tausend Teilnehmer*innen erwartet
werden, beginnt  am 4.11.2017 um 12 Uhr auf dem
Münsterplatz in Bonn. Weitere Informationen finden Sie
unter: www.klima-kohle-demo.de 
Im Trägerkreis der Demonstration „Klima
schützen – Kohle stoppen!“ wirken mit:
Greenpeace, NaturFreunde Deutschlands, Oxfam
Deutschland, MISEREOR, Naturschutzbund Deutschland (NABU), Brot für
die Welt, Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND),
Campact, Klima-Allianz Deutschland, WWF Deutschland, Deutscher
Naturschutzring, Germanwatch, Umweltinstitut München
Die Demonstration “Klima schützen - Kohle
stoppen!” zur Weltklimakonferenz wird von mehr als 100
Organisationen aus der ganzen Welt unterstützt.

 


Kontakt

Svenja Koch
Pressesprecherin

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