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Von Kerstin Schnatz
Genau zwei Wochen sind es noch: Dann soll die große Aktions- und Menschenkette zwischen dem Pannenreaktor Krümmel und dem Alt-AKW Brunsbüttel steigen – unsere Menschenkette geht dann immer die Elbe entlang, einmal quer durch Hamburg.
Am heutigen Samstag haben wir in Berlin bereits den Ernstfall für diese Großaktion geprobt: 2.000 Menschen kamen, um mit uns zusammen die Vertretungen der Atomkonzerne Vattenfall und RWE miteinander zu verbinden. Nach dem großen Erfolg heute klingt es schon nicht mehr ganz so verrückt, dass wir am Samstag den 24. April die 120 Kilometer lange Strecke zwischen den AKW Krümmel und Brunsbüttel mit einer bunten Anti-Atom-Kette verbinden können.
Als der erste Atomkraft-Gegner gegen 11:30 Uhr etwas später als geplant vor der Vattenfall-Zentrale die Kette startet, wollen ihm Hunderte wie in einer üblichen Demo rasch hinterher. Den Beats der Samba-Gruppe folgend wiegen sich hunderte Fahnen und Banner rhytmisch im Takt, einige tippelen schon nervös mit den Füßen: Wann geht’s endlich los?
Es bedarf noch einiger kurzer Erklärungen um zu vermitteln: Wir wollen heute keine typische Latschdemo machen – heute wird ge-menschen-kettelt. Schnell lässt sich der Demozug noch rasch zu einer Kette umformen: Hand in Hand, beziehungsweise „Hand in Band“ zieht die Anti-Atom-Kette los, Hunderte folgen im Gänsemarsch.
Die gelben Bänder mit den Scherenschnitten einer Menschenkette waren zuvor verteilt worden. Damit haben wir bereits dem 24. April vorgegriffen: Dann sollen die gelben Bänder zu zehntausenden entlang der 120 Kilometer verteilt werden und den Menschen als Verlängerung ihrer Arme dienen – damit die Kette auch dann nicht abreisst, wenn wir mal weniger Menschen an einem Standort sind.
Auch wenn wir heute mit 2.000 Menschen locker die 1,8 Kilometer lange Strecke mit unserer Kette füllen konnten und einige teils in zweiter und dritter Reihe standen, war hier und da ein wenig Nachhelfen angesagt: „Bitte hier einreihen, lasst die Kette nicht abreißen“, schallte es immer wieder aus dem Megafon.
Und wer dabei war weiß: Es ist gar nicht mal so einfach zügig zu laufen, wenn man mit den Personen die vor und hinter einem in der Kette gehen per Handschlag oder auch nur mit einem Band verbunden ist. Wenn dann noch ein Schild, ein Transparent oder gar ein Fahrrad oder Kinderwagen mitzuführen ist, wird es spannend. Doch Not macht erfinderisch: Schnell sind die mitgebrachten Utensilien in die Kette eingebaut. Banner für die keine Hand mehr frei ist, werden kurzerhand an Gürteln befestigt, Schilder einfach gemeinsam gehalten. Kinderwägen und Fahrräder werden mit den Ketten-Bändern verknotet und das andere Ende einfach dem Hintermann oder der Hinterfrau in die Hand gegeben.
Am Ende der Auftakt-Kette in Berlin war allen klar: „Jetzt ist es an uns, die Risikotechnologie Atomkraft in diesem Land endlich zu beerdigen. Heute und am 24. April nehmen wir den Ausstieg selbst in die Hand! Es gilt die Wette: Wir schaffen die Kette!“
Mit den Auftakt-Ketten ist heute nicht nur in Berlin die heiße Phase der Mobilisierung für die große Aktions- und Menschenkette übernächsten Samstag eingeläutet worden: An über 50 Standorten beteiligten sich bundesweit über 8000 Menschen an ähnlichen Aktionen.
Im rbb lief ein Beitrag zur Auftaktkette.