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Ein Bild aus dem Jahr 1936. Die Deutschen begeistern sich mehr und mehr für ihren Führer und Reichskanzler Adolf Hitler. Der Diktator rüstet das Land wieder auf – und hat damit den Versailler Vertrag gebrochen. Die Zeichen stehen auf Krieg. Hitler besucht am 13. Juni 1936 den Stapellauf der Segelschulschiffs „Horst Wessel“. Das 89-Meter-Schiff wird an dem Tag in der Hamburger Werft Blohm & Voss ins Wasser gelassen.

Gerade läuft die Nationalhymne. Die Arbeiter der Werft recken ihren rechten Arm zum Hitlergruß. Freude oder Gruppendruck – das lässt sich nicht rausfinden. Was aber klar ist: Ein Mann macht nicht mit. Sein Blick ist skeptisch, ein leichtes, fast trotziges Grinsen ist zu erkennen. Er verschränkt die Arme, demonstrativ. Kein Gruß für Hitler. Ganz bewusst. Es ist nicht vorstellbar, dass er den richtigen Moment einfach nur verpasst hat.

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Welchen Mut es gebraucht hat, Hitler innerhalb einer solchen Gruppe nicht zu huldigen, kann man nur erahnen. Und zwar, wenn man sich selbst in einer ähnliche Gruppendruck-Situation vorstellt. Dazu aber kommt: Der Mann macht durch seinen festen Stand und seine Körperhaltung deutlich, dass er gegen diesen Führerkult ist. Es ist ein Protest durch Unterlassung.

Wen wir genau sehen – das ist leider unklar. Einig ist die Forschung sich, dass es sich entweder um August Landmesser oder um Gustav Wegert handelt. Landmesser war zunächst Mitglied der NSDAP, trat dort angesichts seiner Beziehung mit einer Jüdin aber wieder aus. 1938 wurde er wegen „Rassenschande“ verurteilt. Nach einer Zuchthausstrafe musste er in den Krieg und kehrte nicht zurück.

Guten Tag statt Heil Hitler

Gustav Wegert war nachweislich Schlosser bei Blohm & Voss. Und er sei ein sehr religiöser Mensch gewesen, berichten seine Nachkommen. Gut denkbar, dass Wegert aus seiner Religiosität heraus dem Diktator den Gruß verweigerte. Wenn ihn jemand mit „Heil Hitler“ grüßte, antwortete er mit einem einfachen „Guten Tag“, wusste Wegerts Sohn Wolfgang zu berichten.

Obwohl nicht klar ist, wer an diesem Tag Hitler den Gruß verweigerte, bleibt der Protest doch eindringlich und stark. Ein Glück, dass dieses Bild erhalten ist. Bis heute eine Momentaufnahme großer Courage.


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Autor*innen

Jochen Müter ist Diplom-Journalist und Politikwissenschaftler. Er schrieb als Ghostwriter einige Autobiographien und war Chef vom Dienst bei n-tv. Seit 2017 leitet er die Campact-Redaktion. Im Blog befasst er sich mit Protestbewegungen und steuert seinen Wochenrückblick bei. Alle Beiträge

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