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Samstag, 13. Dezember 2025: Nach 1.612 Tagen hinter Gittern betritt Ales Bialiatski wieder freien Boden. Der 63-Jährige landet in Vilnius, der litauischen Hauptstadt. Nur wenige Kilometer von seiner Heimat Belarus entfernt und doch durch eine Grenze getrennt. Hier warten die US-Diplomaten auf ihn, die seine Freilassung verhandelt haben. Und hier steht seine Frau, die er vier Jahre und fünf Monate nicht sehen konnte. 

Für Bialiatski ist die Freilassung gleichzeitig die Abschiebung aus seiner Heimat Belarus. Der Menschenrechtsaktivist macht deutlich, dass er bewusst kein Gnadengesuch an den belarussischen Präsidenten gerichtet hatte. Der Deal wurde zwischen den US-amerikanischen Unterhändlern und den belarussischen Machthabern ausgehandelt.

Kalium-Export gegen Freiheit: Was hinter dem Deal steckt

Hinter den Freilassungen steht ein knallhartes Geschäft. Zwei Tage lang verhandelte John Coale, Trumps Sondergesandter und langjähriger Bekannter des Präsidenten von Belarus, in Minsk mit Alexander Lukaschenko. Das Ergebnis: 123 Menschen kommen frei, im Gegenzug lockern die USA ihre Sanktionen gegen Belarus‘ Kalium-Industrie.

Der staatlich kontrollierte Konzern Belaruskali gehört zu den größten Kalidünger-Produzenten weltweit. Jahrelang hatte der internationale Druck die Exporte einbrechen lassen – nun kann das Unternehmen wieder in die USA liefern. Für Lukaschenko bedeutet das mindestens ein paar, vielleicht sogar Dutzende Millionen Dollar. Noch wichtiger aber ist für ihn: Er zeigt dem Westen, dass er verhandlungsbereit ist, während er gleichzeitig seine Abhängigkeit von Putin reduzieren kann.

Dass ausgerechnet jetzt so viele prominente Namen auf der Freilassungsliste stehen – Bialiatski, Kolesnikova, Babariko – deutet darauf hin, wie sehr die Sanktionen das Regime unter Druck gesetzt haben. Seit 2020, als Lukaschenko die Präsidentschaftswahl fälschte und die Proteste blutig niederschlagen ließ, hat sich Belarus international zunehmend isoliert. Die Unterstützung für Russlands Angriff auf die Ukraine 2022 verschärfte die Lage weiter.

Über 87.000 Menschen fordern die Freilassung von Ales Bialiatski

Aber da ist noch eine andere Geschichte. Eine Geschichte von 88.051 Menschen, die sich nicht damit abfinden wollten, dass ein Friedensnobelpreisträger im Gefängnis sitzt.

Als die Menschenrechtsorganisation Libereco 2022 ihre Petition auf WeAct startete, der Petitionsplattform von Campact, war die Botschaft einfach: Ales Bialiatski muss frei kommen – und mit ihm alle anderen politischen Gefangenen. Die Unterschriften kamen schnell zusammen. Menschen aus ganz Deutschland klickten auf „Unterzeichnen“, teilten den Link, sprachen mit Freund*innen darüber.

Im Dezember 2022 wurde es dann konkret. Vor der belarussischen Botschaft in Berlin versammelten sich Aktivist*innen von Libereco, Unterstützer*innen und Menschen, denen die Menschenrechte in Belarus am Herzen liegen. Gemeinsam übergaben sie die damals über 87.000 Unterschriften. Eine Kundgebung mitten im Diplomatenviertel, laut, unbequem, unmissverständlich: Wir sehen euch. Wir vergessen euch nicht.

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Doch Libereco wusste: Eine Petition allein reicht nicht. Besonders zur Weihnachtszeit riefen sie dazu auf, Postkarten an politische Gefangene zu schreiben. Tausende Karten machten sich auf den Weg nach Belarus – kleine Lebenszeichen aus der freien Welt in die Dunkelheit der Gefängniszellen. Gleichzeitig fanden in verschiedenen deutschen Städten Mahnwachen statt. Eine dezentrale Bewegung nach dem Motto: Wenn wir alle ein bisschen Druck machen, summiert sich das.

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Friedensnobelpreis und zehn Jahre Haft

Währenddessen saß Ales Bialiatski in seiner Zelle in Untersuchungshaft. Seit dem 14. Juli 2021 saß er bereits dort. Der Mann, der die Repressionen des Lukaschenko-Regimes systematisch dokumentiert hatte, wurde dafür bestraft: Im Oktober 2022 erhielt er in Oslo den Friedensnobelpreis – wenige Monate später verurteilte ihn ein belarussisches Gericht zu zehn Jahren Haft.

Bialiatski war schon aktiv, als viele der heutigen Aktivist*innen noch nicht geboren waren. In den späten 1980ern organisierte er Gedenkveranstaltungen für Stalins Opfer, studierte Literatur und Geschichte, leitete ein Museum, saß im Stadtrat von Minsk.

1996 dann der entscheidende Schritt: Er gründete „Wjasna“, auf Deutsch „Frühling“. Die Organisation dokumentiert seitdem systematisch Menschenrechtsverletzungen, bietet juristische Unterstützung für Verfolgte, steht Opfern staatlicher Gewalt bei. Ein Dorn im Auge des Regimes.

2011 schlug das System erstmals zu: viereinhalb Jahre Gefängnis wegen angeblicher Steuerhinterziehung. Nach drei Jahren kam er frei, machte weiter. Die internationale Gemeinschaft erkannte seine Arbeit anSacharow-Preis, Petra-Kelly-Preis, Vaclav-Havel-Preis, Ehrenbürger von Paris. 2020 der Alternative Nobelpreis, 2022 schließlich der Friedensnobelpreis, geteilt mit russischen und ukrainischen Menschenrechtler*innen.

Doch als er im Oktober 2022 in Oslo ausgezeichnet wurde, saß Bialiatski bereits wieder im Gefängnis. Er hatte nie ein Gnadengesuch gestellt, wollte Belarus nicht verlassen. Seine Freilassung jetzt ist deshalb zwiespältig: Ja, er ist frei. Aber es ist auch eine Abschiebung, ausgehandelt über seinen Kopf hinweg.

Es ist jetzt unsere Priorität, sicherzustellen, dass keine politischen Gefangenen in Belarus zurückbleiben. Was hier passiert ist, ist ein offener Handel – wir verstehen, dass wir freigelassen wurden, damit Sanktionen aufgehoben werden. Es ist schmerzhaft, wie eine Ware behandelt zu werden.

Ales Bialiatski nach seiner Freilassung (Zitat aus dem Englischen)

Die wichtige Arbeit für Menschenrechte in Belarus geht weiter – bis alle politischen Gefangenen frei sind.


Ob national, lokal oder regional: Bei WeAct kannst Du in wenigen Schritten Deine Petition starten. Die erfahrenen Campaigner*innen von WeAct teilen ihr Wissen aus vielen Jahren strategischer Arbeit, Kommunikation und Aktionsplanung mit Dir und begleiten Dich dabei, Deine Forderung sichtbar zu machen und erfolgreich durchzusetzen. Du willst jetzt gerne eine schlagkräftige Petition erstellen, aber weißt nicht wie? Hier findest Du Tipps, damit Deine Petition Erfolg hat. 

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