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Ganz unverkennbar ein klassisches Springsteen-Stück: Sanfte Gitarrenakkorde, ein funktionales Schlagzeug, die traurige Orgel – und natürlich die Stimme des Rockstars. Klar, seine Mundharmonika ist auch dabei; alles ist eingängig, aber nicht beliebig. Es geht um den Protest in Minneapolis, die Hetzjagd auf Menschen, die tödliche Eskalation. Kürzlich hat Bruce Springsteen den Song „Streets of Minneapolis“ online gestellt. Er ist sein Aufschrei gegen den aufziehenden Faschismus in den Staaten.

Ein Hit, auf den wir gerne verzichtet hätten

Millionen haben ihn schon angeklickt und zugehört. Ja, Springsteen hat einen Hit gelandet. Einen, auf den er sicher gerne verzichtet hätte. Im schnell produzierten Video ist der Musiker angefasst, aber konzentriert. Wir sehen Bilder von prügelnden ICE-Leuten und ihren beiden letzten Opfern, Alex Pretti and Renée Good. Es ist kalt in der Stadt in Minnesota, durch die der Mississippi fließt. Der Atem kondensiert, während Menschen ihre Verzweiflung herausbrüllen.

Springsteen legt sich schon lange mit US-Präsident Donald Trump an. Wo es passt, kennzeichnet er ihn als das, was er ist: ein Menschenverachter, ein machthungriger Despot, ein unberechenbarer Kapitalist. Für Springsteen gehört Trump auf den „Müllhaufen der Geschichte“. Er bat seine Landsleute, „aufzuwachen, bevor es zu spät ist“. Dieser Song jetzt ist aber sein bisher eindringlichstes Statement gegen Trump.

Unverzeihliche Gewalt

Damit hier keine Missverständnisse aufkommen: Springsteen ist privilegiert und ganz sicher, anders als gerne behauptet, weit entfernt von den täglichen Nöten der Migrant*innen, Armen und Kranken in den USA. Und dennoch ist er schon seit Ewigkeiten eine moralische Institution für das Land. Und das sogar weit hinein in das Lager der Republikaner*innen. Er traut sich eben aus der Deckung, verhandelt nicht und benennt die Schmerzpunkte. Dafür muss man ihm danken. „Streets of Minneapolis“ ist der lebendigste und sicher bald reichweitenstärkste Protestsong seit vielen, vielen Jahren.

Neben der Tatsache, dass sich Menschen auf seine Musik einigen können und darüber identifizieren, hat Springsteen vor allem eins getan: das Versprechen abgegeben, Alex Pretti and Renée Good niemals zu vergessen und ihren gewaltvollen Tod nicht zu verzeihen. Das ist wichtig. Gewalt, Mord, Verfolgung und Hetzjagden sind niemals etwas Abstraktes. Es sterben Menschen, die geliebt werden, die wir brauchen. Sie dürfen keine Nummern sein. Springsteens musikalisches Versprechen können wir alle gemeinsam einlösen.

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Text von „Streets of Minneapolis“

Through the winter’s ice and cold
Down Nicollet Avenue
A city aflame fought fire and ice
‚Neath an occupier’s boots
King Trump’s private army from the DHS
Guns belted to their coats
Came to Minneapolis to enforce the law
Or so their story goes

Against smoke and rubber bullets
In the dawn’s early light
Citizens stood for justice
Their voices ringin‘ through the night
And there were bloody footprints
Where mercy should have stood
And two dead, left to die on snow-filled streets
Alex Pretti and Renée Good

Oh, our Minneapolis, I hear your voice
Singing through the bloody mist
We’ll take our stand for this land
And the stranger in our midst
Here in our home, they killed and roamed
In the winter of ’26
We’ll remember the names of those who died
On the streets of Minneapolis

Trump’s federal thugs beat up on
His face and his chest
Then we heard the gunshots
And Alex Pretti lay in the snow dead
Their claim was self-defense, sir
Just don’t believe your eyes
It’s our blood and bones
And these whistles and phones
Against Miller and Noem’s dirty lies

Oh, our Minneapolis, I hear your voice
Crying through the bloody mist
We’ll remember the names of those who died
On the streets of Minneapolis

Now they say they’re here to uphold the law
But they trample on our rights
If your skin is black or brown, my friend
You can be questioned or deported on sight
In our chants of „ICE out now“
Our city’s heart and soul persists
Through broken glass and bloody tears
On the streets of Minneapolis

Oh, our Minneapolis, I hear your voice
Singing through the bloody mist
Here in our home, they killed and roamed
In the winter of ’26
We’ll take our stand for this land
And the stranger in our midst
We’ll remember the names of those who died
On the streets of Minneapolis
We’ll remember the names of those who died
On the streets of Minneapolis

Autor*innen

Jochen Müter ist Diplom-Journalist und Politikwissenschaftler. Er schrieb als Ghostwriter einige Autobiographien und war Chef vom Dienst bei n-tv. Seit 2017 leitet er die Campact-Redaktion. Im Blog befasst er sich mit Protestbewegungen. Alle Beiträge

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