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„Remigration schützt Frauen“, „ICE please come to Germany“, „Heimat tragen – Stolz zeigen“: Auf dem Instagram-Kanal der Frauengruppe Lukreta treffen diese Forderungen auf vermeintlich harmlos wirkende Bilder.

Unter dem Deckmantel des Kampfes für Frauenrechte verbreiten die rechten Frauen von Lukreta extrem rassistische Positionen. Menschen mit Flucht- bzw. Migrationshintergrund stellen sie pauschal als Bedrohung dar. Immer wieder fordern sie lautstark „Remigration“, also die Massenabschiebung von Millionen von Menschen. Dazu verlangen sie „Grenzschutz an unseren Außengrenzen und konsequente Abschiebung von Illegalen und Kriminellen“. Lukreta wird vom NRW-Verfassungsschutz beobachtet.

Lukreta vertritt Forderungen, die man sonst von der AfD kennt. Während die Partei bei der Bundestagswahl 2025 vor allem junge Männer für sich gewinnen konnte (im Parteienvergleich hatte sie den größten Stimmenzuwachs unter den 18- bis 24-Jährigen), wirbt Lukreta auf ihrem Instagram-Kanal um die Aufmerksamkeit junger Frauen. Über 20.000 Menschen folgen dem offiziellen Account. 

Was ist Lukreta? 

Lukreta entstand 2019 im Umfeld der rechtsextremen Identitären Bewegung. Eine der führenden Personen bei Lukreta ist die „Identitäre“ Reinhild Boßdorf, Tochter von Irmhild Boßdorf, die für die AfD im EU-Parlament sitzt. Reinhild Boßdorf ist Kolumnistin des extrem rechten Krautzone-Magazins und arbeitet laut taz für den EU-Abgeordneten Alexander Jungbluth, ebenfalls AfD. 

Auch die Nachwuchspolitikerin Julia Gehrckens ist Mitglied bei Lukreta. Beim Gründungstag der neuen AfD-Jugendorganisation „Generation Deutschland“ Anfang 2026 in Gießen wurde sie laut taz zur dritten Beisitzerin gewählt. Dort wütete sie auf dem Podium: „Jeder von uns sieht tagtäglich, wie deutsche Frauen zu Freiwild degradiert werden.“ Und: „Nur millionenfache Remigration schützt unsere Frauen!“

Lukreta: Rechtsextremismus im Blumenkleid

Eindeutige Parolen wie „Neue Deutsche machen wir selbst“ treffen bei Lukreta auf oftmals harmlos wirkende Bilder. Die „Aktivistinnen“ posten Fotos von sich in Blumenkleidern auf grünen Wiesen oder vor dem Weihnachtsbaum. Als der Account die Marke von 20.000 Follower*innen erreicht hatte, feierten sie diesen Meilenstein mit einer Verlosung – zu gewinnen gab es eine handgenähte Schürze. 

Tradwife-Ästhetik: Neonazis mit Lippenstift 

Zum „Stolzmonat“ (dem rechtsextremen Gegenentwurf zum Pride Month) posteten die Mitglieder Bilder von jungen Frauen, gehüllt in Deutschlandlandfahnen, andere in Dirndl oder Tracht. „Heimat tragen – Stolz zeigen“, darunter der Hashtag #stolzstattpride. 

Dazu roter Lippenstift, Flechtfisur, Koch- und Backtipps – so entsteht die rechtsextreme Inszenierung. Die Ähnlichkeit zur Tradwife-Ästhetik ist unübersehbar und Absicht. 

Tradwives propagieren ein konservatives und traditionelles Bild von Geschlecht – oft eng verknüpft mit der Vorstellung einer unterwürfigen Weiblichkeit. Ihren Ursprung hat der „Trend“ in den USA, mittlerweile gibt es aber auch im deutschsprachigen Raum viele Accounts, die das Bild der Tradwife bedienen. Mehr dazu liest Du in diesem Beitrag:

Viele Tradwife-Accounts sprechen indirekt ein reales Problem an: Familie und Beruf lassen sich oft schwer vereinbaren. Doch ihre einzige Lösung lautet: Rückzug ins Private, Frauen zurück an den Herd. Die Verherrlichung dieses traditionellen Rollenmodells torpediert jegliche Fortschritte der Frauenbewegung. 

Auch Lukretas Vorzeigefrau Reinhild Boßdorf vertritt ein rückwärtsgewandtes Frauenbild. Für Boßdorf bleibe die Weiblichkeit „im Kampf der modernen emanzipierten Frau“ auf der Strecke. Der moderne Feminismus schade der Gesellschaft. 

Rassismus unter dem Deckmantel von Frauenrechten

Grund dafür ist für Lukreta ausschließlich die „importierte sexuelle Gewalt“. Gewalt gegen Frauen ist zweifellos ein riesiges Problem in Deutschland – allerdings geht die selten von außenstehenden Personen aus. Allein 2024 gab es fast 266.000 Opfer häuslicher Gewalt. Das waren etwa 10.000 mehr als im Jahr zuvor. 

Laut der neuen Dunkelfeldstudie des Bundeskriminalamts hat jede fünfte Frau und jeder siebte Mann mindestens einmal im Leben Gewalt durch nahestehende Personen erlebt. Nicht einmal fünf Prozent der körperlichen und psychischen Partnerschaftsgewalt würden dabei überhaupt angezeigt. Die Zahlen sind schockierend.

Doch diese Studie war dem offiziellen Account von Lukreta kein Post wert. Stattdessen schlachten sie jeden Angriff von Menschen mit Migrationshintergrund aus, um ihre rassistische Agenda zu verbreiten. 

Antifeminismus und Hetze

Lukreta richtet sich nicht nur gegen Migrant*innen, sondern auch gegen Feminismus und queere Menschen. Unter dem Hashtag #nurzwei propagiert Lukreta die Existenz von nur zwei biologischen Geschlechtern. Das Netzwerk beklagt niedrige Geburtenraten, lehnt Abtreibungen ab und ist gegen eine Quote. Ihr Frauenbild ähnelt sehr dem Frauenbild der AfD

Ihre Botschaften verpackt Lukreta in eine ästhetische Instagram-Inszenierung. Mit Blumenbildern und sanfter Bildsprache führt sie Frauen an extrem rechte Ideologien heran. Damit fährt Lukreta eine andere digitale Strategie als die AfD, die auf polarisierende Videos sowie einfache Parolen setzt und damit extrem viel Reichweite erlangt. Bei Lukreta kommt das Ganze weniger aggressiv daher – aber die Ideologie bleibt dieselbe. Die Algorithmen sozialer Netzwerke verstärken beide Ansätze, indem sie emotionalisierende Inhalte belohnen. 

Auf der Suche nach rechsextremen Nachwuchs

Lukreta wil noch mehr junge Frauen für ihre Ideologie gewinnen – auch abseits der sozialen Medien. Laut Recherchen von „team.recherche“ geht es ihr um „strategische Nachwuchsrekrutierung“. 

In einer Instagram-Story hat Lukreta kürzlich zur Vernetzung aufgerufen und Werbung für den Frauenkongress der ESN-Fraktion gemacht. Dieses Rechtsaußen-Bündnis im Europäischen Parlament umfasst neben der AfD auch die französische Reconquête! und die polnische Konfederacja.

Beim Frauenkongress am 22. März im Raum Köln wird auch Irmhild Boßdorf anwesend sein, die nachweislich Verbindungen zur Naziszene hat. Ebenfalls dabei: die AfD-Politikerin Mary Khan, die in den sozialen Netzwerken folgende Posts absetzt: „Remigration im Trend! […] Remigration wird immer mehr zum wichtigsten #Trend Europas, und wir sagen: willkommen im Club!“

Wie Lukreta verpackt auch Khan rechtes Gedankengut in einen vermeintlich harmlosen Post. „Willkommen im Club“ klingt wie eine Begrüßung in einer Ferienanlage, es verspricht ein Gefühl von Gemeinschaft und Zugehörigkeit. Solch ein Post ist schnell gelikt – und mit jedem Like wird die rechtsextreme Agenda dahinter schneller salonfähig. 


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Autor*innen

Vera Kuchler arbeitet seit 2017 als Redakteurin bei Campact. Die ausgebildete Soziologin und gelernte Journalistin beschäftigt sich im Blog vor allem mit dem Thema „Arbeit und Geschlecht“. Alle Beiträge

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