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Wer Macht langfristig kontrollieren will, platziert geschickt loyale Menschen an den richtigen Stellen. Vetternwirtschaft, in der Wissenschaft als Nepotismus bezeichnet (von lat. nepos = Neffe, Enkel), gilt als gefährliche Form der Korruption. Die AfD bildet da keine Ausnahme. Denn autokratische und postfaschistische Regierungen zeigen: Patronage gedeiht dort besonders gut. 

Giorgia Meloni und Fratelli d’Italia 

Im August 2023 ernannte die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni ihre zwei Jahre ältere Schwester Arianna zur Leiterin des politischen Sekretariats. Ohne öffentliche Ausschreibung, ohne transparentes Verfahren.

Arianna kontrolliert damit nicht nur die Mitgliederverwaltung und Parteieintritte, sondern auch die Wahllisten. Francesco Lollobrigida, Ariannas damaliger Partner, wurde Landwirtschaftsminister. Wie viel beide verdienen, ist unklar.

Viktor Orbáns Familien-Konzern

Unter Viktor Orbán hat Vetternwirtschaft in Ungarn seit Jahren System. Das prominenteste Beispiel ist István Tiborcz, der Ehemann von Orbáns Tochter Ráhel. Tiborcz baute durch Absprachen und überhöhte Preise bei EU-finanzierten Aufträgen im Bereich Straßenbeleuchtung ein Vermögen auf.

Orbáns Vater Győző beteiligte sich als Zulieferer an öffentlichen Bauprojekten. Selbst Lőrinc Mészáros, ein Kindheitsfreund des Premiers, profitierte von Staatsaufträgen.

Das europäische Betrugsbekämpfungsamt OLAF stellte die Unregelmäßigkeiten fest – doch die ungarische Regierung verzichtete auf rechtliche Schritte. Transparency International bewertet Ungarn als das korrupteste Land der Europäischen Union. Ein früherer Insider in der Orbán-Partei Fidesz fasste es prägnant zusammen: Der Motor des Orbán-Regimes sei „nepotistische Korruption“.

Donald Trump und seine „Berater“

Über fünfzig Jahre gab es in den USA das sogenannte Bundes-Anti-Nepotismus-Gesetz, das Vetternwirtschaft verbot und explizit auf die Position des Präsidenten und dessen Schwiegerkinder zugeschnitten war. Als Donald Trump im Januar 2017 seinen Schwiegersohn Jared Kushner zum Senior Advisor ernannte und seine Tochter Ivanka ins Weiße Haus holte, verstieß er genau dagegen.

Das US-Justizministerium schuf kurzerhand eine neue Rechtsauslegung: Das Weiße Haus liege außerhalb des Geltungsbereichs des Gesetzes. Weder Kushner noch Ivanka Trump hatten Erfahrung in der Regierungsarbeit. Trotzdem übernahmen sie Portfolios wie Nahost-Frieden, Strafrechtsreform und China-Diplomatie.

Nach Berechnungen von Citizens for Responsibility and Ethics in Washington erwirtschafteten Jared Kushner und Ivanka Trump während ihrer Zeit im Weißen Haus bis zu 640 Millionen Dollar an Privateinnahmen.

Vom Skandal zum Alltag

Autokratisch regierte Staaten folgen einem Drehbuch der schrittweisen Eskalation: Empörung, Normalisierung, Routine.

Wo anfangs noch Aufschreie, Leitartikel und Protestmärsche stattfinden, setzt mit der Zeit Gewöhnung ein. Was neu war, wird normal. Auch wenn es deutlich schlechter ist als zuvor.

Autokraten und postfaschistische Regierungen gelangen oft durch legitime Wahlen an die Macht. Einmal oben angekommen, schwächen sie Gewaltenteilung und Medien systematisch: mit Populismus, Polarisierung und Post-Faktizität. Kritik wird unterdrückt, Wahlen manipuliert und Macht gezielt konzentriert. 

Nepotismus wird nicht per Dekret eingeführt, sondern sickert langsam ein. Und ist dabei nicht nur Symptom, sondern ein gezieltes Instrument. Ein Posten hier, ein Auftrag dort, ein durchgewunkenes Gesetz. Bis die Demokratie von innen ausgehöhlt ist.

Nepotismus in der AfD

Das bedeutet, die Vetternwirtschaft in der AfD ist kein Versehen, ebenso wenig sind es die engen Verbindungen zu rechtsextremen Gruppen. Im Mai 2025 stufte der Verfassungsschutz die Bundespartei „Alternative für Deutschland“ als gesichert rechtsextremistisch ein. Dagegen reichte die AfD Klage ein. Bis zum Gerichtsurteil gilt eine „Stillhaltezusage“, die Hochstufung ist vorläufig ausgesetzt. 

Auf Landesebene gilt die AfD in Brandenburg, Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt und nun auch Niedersachsen als „gesichert rechtsextrem“. Als Verdachtsfälle gelten derzeit Bremen, Baden-Württemberg, Hessen und Bayern. 

Was kannst Du tun

Derzeit prüft ein Gericht die Einstufung der gesamten Partei als gesichert rechtsextremistisch. Ein Parteiverbot durch das Bundesverfassungsgericht wird damit deutlich wahrscheinlicher.

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