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Quelle: Paolo Calleri / toonpool.com

Am vergangenen Wochenende fand die 62. Münchener Sicherheitskonferenz (Munich Security Conferenz, MSC) im Hotel Bayerischer Hof in München statt. Aufsehen erregte dabei unter anderem die Rede von US-Außenminister Marco Rubio. Er betonte in seiner Rede, dass die USA „ein Kind Europas“ seien und „die Vereinigten Staaten und Europa zusammen“ gehören. Das brachte dem Außenminister viel Applaus ein – ist aber nur eine Ansicht, wie manche US-Amerikaner über Europa denken.

Paolo Calleri stellt es in seiner neuen Karikatur treffend dar: Marco Rubio war auf der MSC ein freundliches Licht, welches verdecken soll, dass dahinter eigentlich etwas viel grausameres steckt. Wie bei jenem räuberischen Anglerfisch, der sein Licht in der Dunkelheit der Tiefsee als Köder für kleinere Fische nutzt. Der kleinere Fisch ist in diesem Fall Europa. Und Europa applaudiert kräftig ob der vermeintlichen Annäherung durch die USA.

Trump und seine Berater*innen waren sich ihrer Aufgabe auf der Sicherheitskonferenz sehr bewusst: Schlichten und Beschwichtigen. Nachdem im vergangenen Jahr der US-Vizepräsident JD Vance für einen diplomatischen Eklat auf der Sicherheitskonferenz gesorgt hatte, schickten sie nun den bekanntermaßen europa-freundlichen Pro-Transatlantiker Rubio zur Münchener Sicherheitskonferenz. Ob seine Aussagen auch wirklich die Ansichten des Präsidenten widerspiegeln, ist allerdings fraglich.

Was ist die Münchener Sicherheitskonferenz (MSC)?

Aber was macht eigentlich ein US-amerikanischer Politiker auf einer Sicherheitstagung in Europa? Um das zu verstehen, muss man die Geschichte der Münchener Sicherheitskonferenz kennen. Diese findet bereits seit 1963 statt. Initiator der ersten Konferenz war Ewald-Heinrich von Kleist. Sein Ziel: Mit den Gesprächen auf der Konferenz militärische Auseinandersetzungen wie den zweiten Weltkrieg – in dem er selbst für Deutschland gedient hatte – verhindern.

Seitdem treffen in München (in der Regel einmal jährlich) Politiker*innen, Vertreter*innen aus Wirtschaft, Militär und Nichtregierungsorganisationen (NRO bzw. NGO) sowie Experten*innen für sicherheitsrelevante Themen aufeinander. Das ganze geschieht außerhalb von diplomatischen Vorgaben; die MSC ist ein privat organisiertes Event. Träger ist die „Stiftung Münchner Sicherheitskonferenz gemeinnützige GmbH“, unter dem Motto „Frieden durch Dialog“. Es gibt keine diplomatischen und protokollarischen Vorgaben, ebenso verabschieden die Teilnehmenden keine international verbindlichen Beschlüsse und veröffentlichen keine Abschluss-Kommuniqués.

Die Tagung fand zuerst unter dem Namen „Wehrkundetagung“ statt, später wurde sie in „Münchner Konferenz für Sicherheitspolitik“ umbenannt. Seit 2009 trägt sie den Namen „Münchener Sicherheitskonferenz“ bzw. „Munich Security Conference“ (MSC).

Wer kommt alles zur MSC?

Auf der MSC sind alle eingeladen, die in irgendeiner Art und Weise zum Frieden durch Kommunikation beitragen wollen. 2026 reisten dafür über 1.000 Teilnehmende aus mehr als 115 Ländern an, darunter rund 60 Staats- und Regierungschefs sowie über 50 Führungspersönlichkeiten internationaler Organisationen. Das entspricht auch in etwa den Teilnehmenden der vergangenen Jahre: Auf den Namenslisten finden sich Präsident*innen, Regierungschefs und Minister*innen aus der ganzen Welt.

Für Deutschland nahmen unter anderem Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), Außenminister Johann Wadephul (CDU) und Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) teil. Die AfD war in in den vergangenen Jahren, ebenso wie das BSW, nicht zur Konferenz eingeladen. Die Begründung der Veranstalter: Beide Parteien entsprächen nicht dem Grundprinzip der Konferenz „Peace through dialogue“, also „Frieden durch Dialog“. Interessanterweise nahmen Politiker*innen der AfD in diesem Jahr wieder an den Veranstaltungen der Sicherheitskonferenz teil.

Kritik an der MSC

Seit Anfang der 2000er-Jahre kommt es auch immer wieder zu Protesten am Rande der Konferenz, vor allem von globalisierungskritischen Netzwerken. So fördere das Forum beispielsweise militärische und wirtschaftliche Interessen, statt Frieden zu sichern. Auch der Ausschluss Russlands seit der Konferenz im Jahr 2023 wird als falsche Richtung gesehen: Statt um wirklichen Dialog gehe es den teilnehmenden Staaten mehr um eine „westliche Selbstvergewisserung“.

Fakt ist, wer Frieden möchte, muss dafür in den Dialog gehen. Es sollte aber auch kritisch hinterfragt werden, ob und wenn ja welche Rolle das Militär dabei spielt. Sich grundsätzlich zu treffen ist ein guter Ausgangspunkt, alle Optionen gleichwertig zu betrachten ist wichtig. Aber die Aggressoren innerhalb des Systems, zu denen US-Präsident Donald Trump definitiv zählt, dürfen dabei nicht aus den Augen gelassen werden.

Lies Dir hier verschiedene Beiträge über Donald Trump und seine derzeitige Politik in den USA durch:

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