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Hakenkreuze an Garagen, Hitlergruß auf dem Schulflur, „Sieg Heil“-Rufe auf dem Schulhof – was Max an seiner Schule in Sachsen-Anhalt erlebt hat, klingt wie ein erschreckendes Echo aus den 1930ern. Max ist wütend, aber diese Entwicklung überrascht ihn nicht: „Was draußen in die Welt gebrüllt wird, macht vor der Schule nicht halt.“

Max ist Aktivist, kommt aus einer Kleinstadt im Saalekreis und teilt auf Instagram Erlebnisse aus seinem Alltag und politischen Content.

Um Rechtsextremismus etwas entgegenzusetzen, gründeten viele Jugendliche, darunter Max, NiLou und Finn, „die Kante“. Regelmäßig trifft sich die Gruppe, um über Politik zu diskutieren oder auf Demos zu fahren.

Die AfD liegt in Sachsen-Anhalt derzeit bei 39 Prozent – und Spitzenkandidat Ulrich Siegmund will im Herbst die erste AfD-Alleinregierung Deutschlands stellen. Der Landesverband gilt als gesichert rechtsextrem. Dessen „Regierungsprogramm“ liegt bereits vor: 156 Seiten, die unter anderem das Bildungssystem ins Visier nehmen. Denn Bundesländer machen ihre eigene Bildungspolitik.

Was die AfD ändern will

Ganz zentral darin: Die AfD will die Schulpflicht kippen. Was ein Schutzmechanismus für Kinder und Fundament der demokratischen Gesellschaft ist, will der AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund abschaffen. Seine Forderung begründet er mit sehr allgemeiner Kritik: „Was an den Schulen los ist, das darf so nicht weitergehen.“

Aber worauf bezieht sich Siegmund damit? Beispielsweise auf den Geschichtsunterricht, wo laut der AfD deutlich zu viel über den Nationalsozialismus gesprochen werde. Der kulturpolitische Sprecher der AfD in Sachsen-Anhalt, Hans-Thomas Tillschneider, fasst die geplanten Änderungen zusammen: „Mehr Bismarck, weniger Hitler.“

Tillschneider pflegt Kontakte zu Rechtsextremen und der rechtsextremistischen Identitären Bewegung (IB). Im September könnte er Sachsen-Anhalts Bildungsminister werden. Die Änderungspläne betreffen allerdings nicht nur Gedenkstättenfahrten nach Buchenwald, sondern auch Demokratieprojekte an Schulen und das Courage-Netzwerk gegen Rechtsextremismus. All das finanziert bisher die Landeszentrale für politische Bildung.

Der AfD passt das gar nicht. In ihrem Regierungsprogramm will sie die Landeszentrale abschaffen und durch ein „Landesinstitut für staatspolitische Bildung und kulturelle Identität“ ersetzen. Antirassismus-Initiativen will die AfD Sachsen-Anhalt an Schulen unterbinden.

Schüler*innen sollen Lehrende bei der AfD verpetzen

Tillschneiders Programm fordert zudem ein neues Schulfach namens Heimatkunde und national ausgerichtete Lehrpläne. Dazu sollen Lehrkräfte an Schulen zur „politischen Neutralität“ verpflichtet werden. Das überwacht die AfD bereits jetzt mit einem Meldeportal, über das ein „Fehlverhalten” von Lehrer*innen direkt an die Partei gemeldet werden kann.

Dabei sind die Grundsätze politischer Bildung im Klassenzimmer seit 1976 im Beutelsbacher Konsens geregelt: Lehrer*innen dürfen Schüler*innen nicht mit ihrer Meinung überwältigen oder sie indoktrinieren. Kontroverse Themen und politische Ansichten müssen ausgewogen Platz finden und Schüler*innen zu politischem Denken befähigt werden. Von politischer Neutralität steht dort nichts.

Einige Schulen reagieren auf die Angriffe von rechts: In Siegburg nahe Bonn in Nordrhein-Westfalen haben Lehrkräfte beispielsweise den „Siegburger Konsens“ verabschiedet. Damit bekennen sich die Lehrkräfte zur aktiven Förderung einer demokratischen, offenen und vielfältigen Gesellschaft. Die Vereinbarung erweitert die Grundsätze des bekannten Beutelsbacher Konsenses und formuliert einen klaren Auftrag an pädagogisches Handeln in Zeiten gesellschaftlicher Polarisierung. Immer mehr Schulen und Lehrkräfte schließen sich seitdem dem Konsens an.

Antidemokratisches Gedankengut an Schulen

Doch an Max’ Schule scheint der Druck bereits zu wirken. „Wir hatten etliche Lehrkräfte aus Leipzig, die zwar stabile politische Positionen hatten – sich aber nicht richtig getraut haben, die offen zu vertreten.” Er vermutet aus Angst, irgendwo „verpfiffen“ zu werden. 

Währenddessen füllten Lehrer*innen, „die ganz offen antidemokratisches Gedankengut verbreiteten”, die Lücke. „Und die werden immer lauter.” Anfang Oktober 2025 reichte Tillschneider im Landtag Sachsen-Anhalt einen Antrag ein. Er wollte Lehrkräften jede politische Meinungsäußerung im Unterricht verbieten. Sein Antrag scheiterte. Aber sollte Tillmann Bildungsminister werden, wäre er seinem Vorhaben einen großen Schritt näher.

Was auf dem Schulhof passiert

Bei der U18-Wahl an seiner Schule wählten Schüler*innen der 5. bis 10. Klasse: 47 Prozent stimmten für die AfD. „Mit Blick auf manche Lehrkräfte wundert mich das Ergebnis überhaupt nicht“, sagt Max. Das Thema Migration sei sehr präsent gewesen. Gängige rechte Narrative, wie „Ausländer bekommen Bürgergeld und gehen nicht arbeiten”, hätten die Lehrkräfte zum Teil noch unterstützt. In einer Sozialkundestunde argumentierte Max allein gegen sechs Mitschüler, ohne Rückhalt.

„Wo sind wir denn hingekommen, dass wir Formen von Rassismus, Antisemitismus, Islamfeindlichkeiten und andere Diskriminierungen einfach zulassen?”, fragt Max wütend. „Das ist ein klar rassistisches Weltbild und sowas muss dringend benannt werden – das ist doch erschreckend!”

Schule ist kein Vakuum

„Schüler*innen sollen doch später mündige Bürger*innen werden und wählen gehen. Ich finde, dafür demokratische Werte zu vermitteln ist wichtig“, sagt Max. Denn was auf dem Schulhof passiert, sei ein direkter Wegweiser, wohin die Gesellschaft laufe. Und sollte die AfD im Herbst in Sachsen-Anhalt die Regierung stellen, wird sie bestimmen, was Bildung in diesem Bundesland bedeutet.

In weniger als sechs Monaten sind in Sachsen-Anhalt Landtagswahlen und es zeigt sich bereits jetzt, dass die AfD dort unbedingt gewinnen will. Der NoAfD-Fonds stemmt sich dagegen: Wir kontern jeden Wahlkampf-Euro der Rechtsextremen mit einem Demokratie-Euro. Spende jetzt. 

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