Klimakrise Appell Datenschutz Erfolg Feminismus Soziale Medien Soziale Gerechtigkeit Demokratie Medien Rechtsextremismus

Mietvertrag, Kredit, Wohnung: Für all das brauchst Du einen möglichst guten Score bei der „Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung“, kurz Schufa. Deutschlands größte Auskunftei sammelt Daten über mehr als 68 Millionen Bürger*innen und beurteilt ihre Kreditwürdigkeit. Wie das private Unternehmen dabei vorgeht, war bisher völlig undurchsichtig.

Nach jahrelangem Druck von Verbraucher*innen hat die Schufa ihren Score reformiert und wird jetzt endlich transparenter. Dafür hat sich auch Campact unnachgiebig eingesetzt – und das zahlt sich aus.

Die Schufa wollte Deine Konto-Daten

Schon 2020 versuchte die Schufa mit dem Produkt „CheckNow“ Menschen dazu zu bringen, der Auskunftei Einblick in ihre Bankkontodaten zu gewähren. Das Versprechen: Wer einen schlechten Score hatte, sollte ihn per Konto-Check verbessern können. Diesen perfiden Plan konnten wir stoppen – gemeinsam mit 380.000 Unterstützer*innen, die damals unseren Appell unterzeichneten.

Mitte 2023 startete die Schufa den nächsten Versuch: Mit ihrer Tochterfirma Bonify plante die Auskunftei eine App, die ihr Einblick ins private Bankkonto verschaffen sollte. Als „Transparenzoffensive“ vermarktet, wollte die Schufa Nutzer*innen der App erneut dazu bringen, ihre Kontodaten preiszugeben. Das Angebot über Bonify war offiziell freiwillig – wer aber auf einen guten Score angewiesen war, hatte keine echte Wahl. 

Gemeinsam mit der Bürgerbewegung Finanzwende und über 400.000 Unterzeichner*innen haben wir uns auch diesen Plänen entgegengestellt. Wir haben die Schufa aufgefordert, endlich für echte Transparenz zu sorgen, statt das undurchsichtige Scoring-Verfahren als Druckmittel zu nutzen, um Menschen ihre privatesten Daten abzupressen. 

Anfang diesen Jahres konnte Campact ebenfalls einen massiven Eingriff in den Datenschutz verhindern:

Längst überfällig: Transparenter Schufa-Score

Unser jahrelanger Druck auf Deutschlands mächtigste Auskunftei hat gewirkt. Seit dem 17. März 2026 ist die geheimnisvolle Zusammensetzung des Schufa-Scores öffentlich und für alle einsehbar. Mit einem Schufa-Account können Verbraucher*innen nun jederzeit online nachschauen, was ihren Score beeinflusst – ohne zweifelhafte Dienste wie CheckNow oder Bonify nutzen zu müssen. 

Gleichzeitig hat die Schufa den Score massiv vereinfacht: 

  • Statt 250 Kriterien fließen nur noch 12 Faktoren in die Berechnung des Scores ein.
  • Statt unübersichtlichen Score-Varianten für verschiedene Branchen gibt es künftig nur noch einen einheitlichen Score.
  • Durch eine neue Skala von 100 bis 999 Punkten lässt sich der Score besser nachrechnen und die Gewichtung der einzelnen Faktoren wird deutlich.

Der Score war jahrelang das geheime Machtinstrument der Schufa. Das ist vorbei. Du kannst nachschauen, wie die Schufa Alter Deiner Bankverträge, Deiner Kredite oder auch Deiner Wohnadresse bewertet – und wie stark das Deinen Score beeinflusst.

Das bringt einen weitern Vorteil: Du kannst den Score selbst auf Fehler prüfen und Korrekturen einfordern. Verbraucher*innen sind der Schufa nicht länger ausgeliefert. Denn ein Fehler im Score kann im Alltag schnell zum Problem werden: Wenn Du beispielsweise wegen angeblich schlechter Kreditwürdigkeit plötzlich keinen Mietvertrag mehr bekommst. 

Die Schufa macht keine Geschenke

Auch wenn die Schufa sich nun in den höchsten Tönen lobt und vom „weltweit ersten vollkommen transparenten Score“ spricht: Freiwillig wäre das privatwirtschaftliche Unternehmen den Schritt zur Score-Transparenz kaum gegangen. Dass sich Deutschlands größte Auskunftei endlich beugt, ist dem unnachgiebigen Druck aus der Zivilgesellschaft und den Entscheidungen von Gerichten zu verdanken. 

Keine Frage: Wir behalten die Schufa weiterhin kritisch im Auge. Das solltest Du auch tun – denn wenn in Deinem Schufa-Score Fehler sind, musst Du sie selbst finden und melden, damit Dir nicht auf einmal ein Kredit verweigert wird. So weit ist die Schufa in puncto Transparenz und Verbraucherfreundlichkeit dann doch noch nicht.


Um im Ernstfall direkt reagieren zu können braucht Campact Unterstützer*innen, welche unsere Organisation langfristig unterstützen. Nur so haben wir die Flexibilität und Möglichkeiten, schnell mit Demos und Aktionen auf politische Veränderungen eingehen zu können.

Unterstütze Campact mit Deiner Spende

Autor*innen

Appelle, Aktionen, Erfolge und weitere Themen aus dem Campact-Kosmos: Darüber schreibt das Campact-Team. Alle Beiträge

Auch interessant

Datenschutz Campact-Team Erfolg: Kein Palantir für Bundesbehörden Mehr erfahren
Erfolg WeAct-Team 80.000 Stimmen und ein erster Erfolg Mehr erfahren
Datenschutz Hannes Koch Wir brauchen einen Abschied von US-Digitalkonzernen Mehr erfahren
Bürgerrechte Lena Rohrbach Digitaler Omnibus: Hier wird nur Big Tech schnell ans Ziel gebracht Mehr erfahren
Datenschutz Campact-Team EU-Gesetz zur Chatkontrolle: Zwischen Kinderschutz und digitaler Massenüberwachung Mehr erfahren
Datenschutz Lena Rohrbach Neue „Sicherheitsgesetze“: Mit Sicherheit gefährlich Mehr erfahren
Erfolg WeAct-Team 10 erfolgreiche Petitionen aus 10 Jahren WeAct Mehr erfahren
Datenschutz Markus Beckedahl Broligarchie, Überwachungsstaat und Überwachungskapitalismus – bald auch in Deutschland? Mehr erfahren
Datenschutz Campact-Team Drei Gründe gegen Palantir in Baden-Württemberg Mehr erfahren
Datenschutz Dr. Astrid Deilmann Warum ist die Überwachungssoftware von Palantir so gefährlich? Mehr erfahren