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Während die Klimakrise mit Rekord-Waldbränden und extremen Wetterereignissen weltweit eskaliert, zieht die Bundesregierung im März 2026 die Reißleine – allerdings in die falsche Richtung. Mit dem neuen Gebäudemodernisierungsgesetz (GMG) bricht die Koalition der Wärmewende das Herz. Wir sagen: Nicht mit uns! Wir müssen laut werden gegen diesen klimapolitischen Wortbruch.

Stell Dir vor, es ist das Jahr 2026. Die Wissenschaft schreit lauter denn je und die Politik antwortet mit einem Rückwärtsgang. Das im Februar vorgestellte Gebäudemodernisierungsgesetz (GMG) soll das bisherige Gebäudeenergiegesetz (GEG) ablösen. Die Koalition kapituliert vor der Fossil-Lobby.

Willkommen im Campact-Blog

Schön, dass Du hier bist! Campact e.V. ist eine Kampagnen-Organisation, mit der über 4,25 Millionen Menschen für progressive Politik eintreten. Das Team von Fridays for Future Berlin schreibt regelmäßig im Campact-Blog über Klima-Themen. In dieser Woche kommt der Text von Noa Huizing.

Der fossile Rückfall: Was die Regierung verschweigt

Der Kern des neuen Gesetzes ist ein Skandal. Die mühsam erkämpfte 65-Prozent-Regel für erneuerbare Energien beim Heizungstausch wird komplett gestrichen. Ab Juli 2026 soll es wieder erlaubt sein, neue Gas- und Ölheizungen ohne echte Klima-Hürden einzubauen. Was die Regierung als „Technologieoffenheit“ verkauft, ist eine Sackgasse.

Als Ersatz führt die Koalition die sogenannte „Bio-Treppe“ ein. Ab 2029 sollen Gasheizungen schrittweise einen Anteil an Biogas oder Wasserstoff nutzen. Doch Expert*innen warnen: Diese Brennstoffe sind knapp und teuer. Wer heute eine Gasheizung einbaut, tappt in eine Kostenfalle.

Die Wissenschaft ist klar: Wärmepumpen funktionieren – auch im Altbau!

Oft wird behauptet, Wärmepumpen taugen nur für Neubauten. Eine Langzeitstudie des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) aus dem November 2025 zeigt: Wärmepumpen arbeiten selbst in unsanierten Gebäuden aus dem vorletzten Jahrhundert hocheffizient. Mit einer mittleren Jahresarbeitszahl von 3,4 sparen sie im Vergleich zur Gasheizung über 60 Prozent der Emissionen ein. Für fossiles Heizen gibt es keine technische Ausrede mehr.

Soziale Ungerechtigkeit: Mieter tragen die Last

Das GMG ist nicht nur eine Klimakatastrophe, es ist zutiefst unsozial. Vermieter können jetzt wieder fossile Heizungen einbauen, während Mieter*innen die explodierenden Kosten für CO2-Abgaben und teure Ersatzbrennstoffe tragen müssen. Die Bundesregierung hat es versäumt, einen Klima-Sozialplan vorzulegen, der einkommensschwache Haushalte schützt.

Stattdessen kettet die Koalition Millionen Menschen an eine sterbende Infrastruktur. Gleichzeitig zeigt das neue Geothermie-Beschleunigungsgesetz, dass es auch anders geht. Hier werden Verfahren für echte, grüne Fernwärme endlich priorisiert. Aber dieser Lichtblick reicht nicht aus, wenn wir gleichzeitig den individuellen Heizungsmarkt wieder den fossilen
Konzernen überlassen.

Wir protestieren!

Wir lassen nicht zu, dass unsere Zukunft für kurzfristige politische Ruhe verspielt wird. Das Umweltbundesamt belegt: Im Gebäudesektor fehlen bis 2030 schon 110 Millionen Tonnen CO2-Einsparung. Das Gebäudemodernisierungsgesetz wird diese Lücke in einen Abgrund verwandeln.

Gas statt Energiewende – Reiche will den Rückschritt

Kampagnengrafik zum Appell "Lobby-Ministerin stoppen: Energiewende verteidigen". Fotomontage mit Katherina Reiche vor kaputten Windrädern.
Grafik: Campact e.V.

Die Wirtschaftsministerin setzt auf fossiles Gas statt auf regenerative Energien – die Gas-Lobby freut das. Mit einem Appell wenden sich über 600.000 Menschen an die Ministerin und stellen sich hinter die Energiewende.

Deshalb haben wir sofort zu Protesten aufgerufen, nachdem Katherina Reiche ihre Pläne zum GMG vorgestellt hat. Innerhalb kurzer Zeit haben sich 400 Menschen vor dem Kanzleramt versammelt. Gemeinsam haben wir klargemacht, dass wir es nicht akzeptieren, wenn die Bundesregierung die Energiewende demontiert und das Leben für alle teurer macht.

Für uns ist auch klar: Bei einer einzigen Demonstration wird es nicht bleiben. Wir protestieren weiter – denn die Energiepolitik von Katherina Reiche kann sich weder unser Klima noch unsere Gesellschaft leisten!

Autor*innen

Fridays for Future ist Teil der internationalen Klimagerechtigkeitsbewegung. Seit 2018 mobilisieren sie Millionen für Klimagerechtigkeit und den Kampf gegen die Klimakrise auf die Straßen. Mit ihren Freitagsstreiks bauen die Aktivist*innen politischen Druck auf und kämpfen gegen Ungerechtigkeiten. Alle Beiträge

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