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In der vergangenen Woche stellte das Verwaltungsgericht Köln im Eilverfahren fest, dass innerhalb der AfD hinreichend gesicherte Bestrebungen gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung erkennbar seien. Bisher fehlt ihm allerdings der Nachweis, dass diese die Partei in Gänze prägen. Hier erfährst Du mehr zur Gerichtsentscheidung.

Die AfD hatte 2025 gegen die Einstufung des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV) als „gesichert rechtsextrem“ geklagt. Seitdem bemüht sich die Bundesführung um Distanz zu radikalen Personen und extremen Positionen. Ein nun Unbeliebter ist Kevin Dorow, Beisitzer im Bundesvorstand der Generation Deutschland (GD) und Beisitzer im Parteilandesvorstand Schleswig-Holstein.

Parteiausschlussverfahren gegen Kevin Dorow

Ende Februar beschloss der Bundesvorstand um Alice Weidel und Tino Chrupalla ein Parteiausschlussverfahren gegen den GD- und AfD-Funktionär einzuleiten. „Der Bundesverband hat uns über einen entsprechenden Beschluss der Sache nach in Kenntnis gesetzt“, bestätigt Kurt Kleinschmidt. Der AfD-Bundestagsabgeordnete und Landesvorsitzende der AfD Schleswig-Holstein bat aber gleich „um Geduld“. Solche Verfahren dauern, besonders wenn der Betroffene alle Rechtsmittel ausschöpft. Einen Rauswurf will Dorow auch nicht akzeptieren. Der Bundesvorstand wirft ihm allerdings vor, eine Parole aus der NS-Zeit verwendet zu haben. 

Auf dem Gründungskongress der GB in Gießen am 29. November vergangenen Jahres hielt Dorow eine Rede. Das Mitglied der Alten Königsberger Burschenschaft Alemannia und der Gymnasialen Burschenschaft Germania – beide in Kiel – berief sich auf Björn Höcke, AfD-Fraktionsvorsitzender und Landesvorsitzender in Thüringen: „Wie es Björn Höcke vor wenigen Monaten rezitiert hat, Jugend muss durch Jugend geführt werden, und dieses Prinzip muss unser Leitstern sein.“

Generation Deutschland: „Die Speerspitze der jungen Rechten“?

Die neue Jugendorganisation solle „die Speerspitze der jungen Rechten in Deutschland sein“, sagte der 27-Jährige. Das Motto „Jugend führt Jugend“ galt schon in der Bündischen Jugend als Gemeingut und später bei der Hitlerjugend als Leitsatz. Die Staatsanwaltschaft Gießen prüft inwieweit die Verwendung von Kennzeichen verfassungsfeindlicher und terroristischer Organisationen vorliegen könnte. 

In der neu-rechten Wochenzeitung „Junge Freiheit“ äußerte sich Dorow bereits am 24. Februar. Er versichert immer wieder, dass der Ausspruch „Jugend muss durch Jugend geführt werden“ aus der Bündischen Bewegung stamme. „Wer diesen Kontext ignoriert und stattdessen vorschnell NS-Bezüge konstruiert, verfälscht Geschichte. Ich sehe keinerlei Anlass, mich von dieser inhaltlich in keiner Weise verwerflichen Aussage zu distanzieren“, sagt Dorow. Er ist zudem Schriftführer der Burschenschaftlichen Blätter, herausgegeben von der Deutschen Burschenschaft.

Klare Kante, harter Scheitel

Die Ermittlungen dürften den Bundesvorstand zu dem Beschluss bewogen haben. Denn Dorow war schon vor dem Gründungstreffen der Generation Deutschland bekannt – und seine Positionen über Landesgrenzen hinaus. Positionierte er sich doch eindeutig, analog und digital. Im Editorial der Burschenschaftlichen Blätter beklagt er den „schmalen Korridor“ der „orchestrierten Erinnerungskultur“ – und fordert, die „Grundlagen“ des „staatlichen Systems“ infrage zu stellen.

Auch vom rechtsextremen Vorfeld der Partei will Dorow sich nicht distanzieren, ebenso nicht „von denjenigen, die außerhalb der etablierten Parteistrukturen für dieselben Ziele kämpfen wie wir“. Beim Gründungstag in Gießen war dieses rechtsextreme Vorfeld auch eingeladen – unter anderem der rechtsradikale Verleger Götz Kubitschek war vor Ort.

Kontakte zum rechtsextremen Vorfeld pflegte Dorow aber auch schon früher: Im Juli 2024 verantwortete er in Neumünster den „Tag des Vorfeldes“ – unter anderem mit den rechtsextremen Vereinen „Ein Prozent“ und „Zentrum – Die alternative Gewerkschaft“.

Im Gutachten führt das Bundesamt dieses Treffen auf zwei Seiten mit zur Begründung der Einstufung der AfD an. Auf Instagram ist Dorow ebenso deutlich: Hier erklärt er direkt in die Kamera, dass die Zugehörigkeit zu einer Ethnie Herkunft und Kultur allein bestimme. Sie würde die „Volksseele“ ausmachen, die es zu schützen gelte. Und er ist nicht der Einzige in der Führung der GD mit klarer Kante und hartem Scheitel. 

Genauso radikal wie die „Junge Alternative“

Dabei sollte der neue AfD-Jugendverband doch weniger radikal werden; so der offizielle Plan. Anders als bei der Vorgängerorganisation „Junge Alternative“ (JA) wollte die Bundesführung Zugriff auf die Organisation haben. Aus Sorge vor einem Verbot setzte die Bundesparteiführung deshalb im Frühjahr 2025 die Selbstauflösung des eigenständigen Vereins durch. Bei der neuen Parteijugend müssen die Mitglieder jetzt AfD-Mitglied sein. Die Partei kann so direkt gegen unliebsame Aktive vorgehen.

Doch der Schein trügt: Die GD ist genauso radikal wie die JA. Beim Gründungstreffen in Gießen wählten die Mitglieder kaum jemanden in die Führung, der für moderate Positionen steht.

Mit Unterstützung der Bundesspitze übernahm Jean-Pascal Holm den Bundesvorsitz. Der frühere JA-Bundesvorsitzende pflegt enge Kontakte zur rechtsoffenen Hooligan- und Protestszene in Cottbus und erklärt, „Deutschland“ solle „die Heimat der Deutschen“ bleiben.

Aus der JA kommt ebenso Jan Richard Behr. Der stellvertretende Bundesvorsitzende ist mit der rechtsextremen Identitären Bewegung verbunden. Der JA-Führung aus Niedersachsen gehörte Adrian Maxhuni an. Die JA selbst löste den Niedersachsen-Verband am 4. November 2018 auf – er war sogar ihr zu weit rechts. In internen Chats hatten JA-Gruppen geschrieben: „Wir sollten Tierversuche stoppen und Flüchtlinge dafür nehmen“ oder „die Endlösung für die Musels in Deutschland“.

Generation Deutschland deradikalisiert? 

Die GD-Bundesführung verspricht eine Professionalisierung. Der Jugendverband soll zur Kaderschmiede der Partei werden. Der angestrebte Rauswurf von Dorow ist eine politische Scharade. Das Gericht sollte diese Strategie der Nicht-Deradikalisierung in der Hauptverhandlung zur AfD-Einstufung berücksichtigen.

Autor*innen

Andreas Speit ist Journalist und Autor und schreibt regelmäßig für die taz (tageszeitung). Seit 2005 ist er Autor der Kolumne "Der rechte Rand" in der taz-nord, für die er 2012 mit dem Journalisten-Sonderpreis "Ton Angeben. Rechtsextremismus im Spiegel der Medien" ausgezeichnet wurde. Regelmäßig arbeitete er für Deutschlandfunk Kultur und WDR. Er veröffentlichte zuletzt die Werke "Autoritäre Rebellion" (2025), "Verqueres Denken – Gefährliche Weltbilder in alternativen Milieus" (2021),"Rechte Egoshooter" (Hg. mit Jean-Philipp Baeck, 2020), "Völkische Landnahme" (mit Andrea Röpke, 2019), "Die Entkultivierung des Bürgertums" (2019). Im Campact-Blog schreibt er als Gast-Autor über Rechtsextremismus und rechte Milieus. Alle Beiträge

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