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Am 18. April 2026 gaben Tech-Bros mal wieder ihre Weltsicht zum Besten. Und weil es Palantir ist, geht es um digitale Aufrüstung und die kulturelle Überlegenheit der USA, abgerundet mit ein paar Tech-Bro-Business-Floskeln. Im Grunde nichts Neues. Jede der problematischen Aussagen wurde bereits in Artikeln und sogar in ganzen Büchern ausführlich und kritisch diskutiert.

Das Ergebnis lautet, grob zusammengefasst: Tech-Milliardäre kämpfen für eine autoritäre Gesellschaftsordnung, die ihrer Ideologie entspricht und in der sie Daten kontrollieren und größtmögliche Macht ausüben. Das ist das politische Programm, das Palantir mit Software-Produkten und Regierungsverträgen finanziert. Um das zu wissen, genügt mittlerweile ein Besuch in der ARD-Mediathek.

Tech-Bros erklären mal wieder die Welt, na und?

Die 22 Aussagen des Palantir-Posts sind eine kurze Zusammenfassung des Buchs „The Technological Republic“ von Palantir-Chef Alexander Karp und Nicholas W. Zamiska, seinem Rechtsberater und Abteilungsleiter für  Unternehmensangelegenheiten. Insofern ist der möglicherweise KI-generierte Post vor allem Werbung für das Buch der beiden Firmenchefs. 

Kommentiert haben den Post unter anderem Aisha Down und Robert Booth für den Guardian und Friedhelm Greis für Golem. Palantir-Chef Karp und Co. sprechen über ihre Thesen seit Jahren – in unzähligen Artikeln und Podcasts. Trotzdem wird dieser Post plötzlich als „Manifest“ diskutiert. Warum diese Aufwertung?

Drohungen mit 1.000 Worten

Die etwa 1.000 Wörter hinterlassen einen intensiven Leseeindruck, der wohl auch der Grund für die umfangreiche Debatte zu dem Post ist. Die Themen erscheinen zunächst wild zusammengewürfelt. Es geht um Apps, E-Mail, Demokratie, KI, die USA, Elon Musk, die Atombombe, Deutschland und Japan, Kultur, Religion und vieles mehr. Aber auf den zweiten Blick enthält fast jeder Satz eine implizite Bedrohung und Gefahr. Genau das ist der Kern des Posts: Diese 22 Aussagen sollen Angst machen.

Jede Aussage konstruiert einen nicht benannten Feind, der kurz davor steht, die USA, die Zivilisation, den Frieden, die Sicherheit sowie die öffentliche, religiöse, kulturelle und politische Ordnung zu zerstören. Die USA, der Westen und alle, die diesen Post lesen, sind umgeben von einem Feind – der so stark und mächtig ist, dass er in allen Bereichen der Gesellschaft bekämpft werden muss. Wir, die Guten, müssen gegen die „bösen Fremden“ kämpfen.

Fürchtet Euch, rüstet Euch

Karp und Co. sagen: Fürchtet Euch und rüstet Euch für den ultimativen und unausweichlichen Kampf, in dem entweder wir gewinnen oder die schädlichen Kulturen. Ja, eine der Aussagen ruft geradewegs zum Kulturkampf auf. Und egal wer den Post liest, fühlt sich bedroht. Wer den Aussagen zustimmt, fühlt sich vom namenlosen, übermächtigen Feind bedroht. Wer den Aussagen widerspricht, muss sich als mitgemeinter, aber nicht genannter Feind bedroht fühlen. Damit spielen Karp und Co. die simplen Pop-Akkorde der Angstpolitik. Und Angst macht aggressiv.

Reaktionen: Spott, Antisemitsmus, kaum Zuspruch

Wie reagieren Menschen auf den Post? Mit Tausenden Antworten, ich habe einige davon überflogen. Mein Eindruck ist, die überwiegende Mehrheit in den Kommentaren sieht das Unternehmen Palantir als Bedrohung. Häufig weisen Nutzer*innen auf die Beteiligung von Palantir am Gaza-Krieg hin, teilweise in klar antisemitischem Ton. 

Andere Kommentare reagieren kämpferisch mit rhetorischer Gegengewalt, mit Spott und Beleidigungen. Die Konstruktion des Feindes funktioniert. Zuspruch habe ich nur sehr vereinzelt gesehen. Meist in kurzen, vermutlich KI-generierten Kommentaren. 

Werbung für die eigene Macht

Palantir wirbt mit dem Post nicht nur für das Buch der Unternehmenschefs, sondern für die eigenen Geschäfte – die eigene Ideologie. Der Tech-Konzern bietet sich weltweit Regierungen an, um mit Software-Produkten und Dienstleistungen für innere und äußere Sicherheit zu sorgen. Dafür braucht das Unternehmen Staatsaufträge von Regierungen. 

Denn Staatsaufgaben bezüglich Sicherheit, Verteidigung und Kontrolle über die Bevölkerung würden Palantir zu einem globalen Machtapparat erheben. Und je höher das Unsicherheitsgefühl der Kundschaft, desto besser läuft das Geschäft mit der Sicherheit. 

Indem Palantir autoritär auftritt, Kampfbereitschaft für die betreffende Nation versichert und Andere abwertet, will der Tech-Konzert Macht signalisieren. Das imponiert autoritären Machthabern und solchen, die es gerne werden wollen.

PR, kein Manifest

Aus meiner Sicht handelt es sich bei dem Post nicht um ein Manifest. Dafür sind die Aussagen zu inkonsistent und zu oberflächlich. Vielmehr ist es eine sehr kostengünstige Unternehmenskommunikation. Den Post zu einem „Manifest“ zu erheben, heißt: Die Egos der Tech-Bros zu nähren, sie als Vordenker anzuerkennen und ihnen die politische Macht zu geben, die sie anstreben. 

Tech-Bros fühlen sich wie die Herren der Welt. Über sie zu schreiben, egal wie, bestätigt sie darin. Gleichzeitig müssen wir ihren aktuellen und geplanten Einfluss auf Gesellschaften und Staaten sehr ernst nehmen, denn ihre Unternehmen sind überaus mächtig. Dazu gehört auch, verantwortliche Politiker*innen und verbandelte Unternehmen mit solchen Aussagen zu konfrontieren.

Der Palantir-Post zeigt, was fehlt: Eine demokratische Zukunft 

Die Unternehmenskommunikation von Palantir verbreitet Angst und bietet dafür eine vermeintlich einfache Lösung: aufrüsten. Die einen fühlen sich bedroht und versuchen, sich mit Gegenrede zu wehren und zu schützen. Die anderen machen damit Politik und Geschäfte. 

Offensichtlich ist, dass es kein Programm für eine friedliche und wirklich demokratische Zukunft der Digitalisierung gibt. Weder staatliche Akteure, noch Unternehmen können oder wollen sich für digitale Friedenspolitik stark machen. Und Akteure, die vergleichbar vermögend und mächtig sind – wie Palantir – haben weder eine Sprache noch ein Programm für eine zivile und verbindende digitalen Zukunft.


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Autor*innen

Friedemann Ebelt engagiert sich für digitale Grundrechte. Im Campact-Blog schreibt er als freier Autor darüber, wie Digitalisierung fair, frei und nachhaltig gelingen kann. Er hat Ethnologie und Kommunikationswissenschaften studiert und interessiert sich für alles, was zwischen Politik, Technik und Gesellschaft passiert. Sein vorläufiges Fazit: Wir müssen uns besser digitalisieren! Alle Beiträge

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