Du drehst den Wasserhahn auf. Statt klarem Trinkwasser kommt nur ein trockenes Röcheln der Leitungen, Staub und Sand heraus. Klingt nach Wüste – könnte in wenigen Jahrzehnten aber auch in Deutschland Realität sein. Denn Wasser wird hierzulande immer knapper.
„Wir leben längst auf Pump“, schrieb der Spiegel Anfang des Jahres. Das gilt für viele Ressourcen – nirgends ist unser übermäßiger und verschwenderischer Verbrauch allerdings so drängend wie beim Wasser. Ein neuer UN-Bericht spricht schon nicht mehr von einem „Engpass“ oder einer „Krise“, sondern von einem weltweiten Wasserbankrott. Die Welt steuere zielsicher auf eine Situation zu, von der sich weder Planet noch Menschheit erholen könnten.
Warum ist Wasserknappheit ein Problem?
Wasser ist eine unserer wichtigsten Lebensgrundlagen. Seit 2010 gilt der Zugang zu Wasser als Menschenrecht. Was Wasserknappheit bedeutet, zeigt sich schon heute in Westasien, Nordafrika oder dem Südwesten der USA: Ernten bleiben aus, Tiere verdursten, Böden versalzen. Darunter leiden meist vor allem die ohne Macht und Geld. Konzerne kommen mit genug Geld immer an ausreichend Wasser – auch, wenn das bedeutet, einen Nationalpark trockenzulegen (wie es vor ein paar Jahren in Spanien drohte, zu passieren).
Neben gesundheitlichen Faktoren führt Wassermangel auch zu Spannungen in der Bevölkerung. Der Konkurrenzdruck ums Wasser wächst. Die Zahl der wasserbedingten Konflikte weltweit hat sich innerhalb der letzten 15 Jahre mehr als vervierfacht. In vielen Teilen der Welt ist Wasser noch eine verfügbare Ressource – aber die Wetter- und Klimatrends der vergangenen Jahrzehnte zeigen: Auch in Mitteleuropa können wir uns nicht mehr lange in Sicherheit wiegen.
Ignorieren wir diese Entwicklung, kommen bis Mitte des Jahrhunderts Schäden und Folgekosten in Höhe von 20 bis 25 Milliarden Euro pro Jahr auf uns zu. Das haben Forscher*innen in einer Studie in Kooperation mit dem Naturschutzbund (NABU) errechnet.
Wo gibt es schon Wasserknappheit in Deutschland?
Bereits jetzt ist Wasserknappheit auch in Deutschland ein Problem. Vorerst zwar nur stellenweise und zeitlich begrenzt. Aber Hitzesommer, Hochwasser und Flutkatastrophen haben eines gezeigt: Wir dürfen uns nicht auf dem Status quo ausruhen.
Das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung verzeichnet in seinem tagesaktuellen Dürremonitor schon im April zunehmende Trockenheit und anhaltende Dürrephasen in ganz Deutschland. Nur wenige Flecken ganz im Westen von Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen sind ausgenommen. Am stärksten betroffen sind Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Für einige Landesabschnitte gilt bereits eine hohe Waldbrandgefahr.
Trockenheit und Dürre trotz Regen im Winter
Der Winter ist in Deutschland generell die kälteste und nasseste Jahreszeit und damit wichtig für den Wasserhaushalt. Pflanzen ruhen, die Verdunstung ist gering. Ein größerer Teil des Niederschlags im Winter kann deshalb in den Boden eindringen – die Grundwasserstände erholen sich. Der Winter 2025/26 war allerdings trockener als normal. Die Böden sind zwar jetzt immer noch feucht, aber weniger „gefüllt“ als üblich. In längeren Trockenphasen werden diese verringerten Wasserreserven dann schnell durch Pflanzen, Landwirtschaft und Grundwasserentnahme (für Haushalte, Industrie und Co.) aufgebraucht.
Trockene Winter und Niederschlagsschwankungen sind halbwegs normal. Die Tendenz der letzten zwei Jahrzehnte zeigt allerdings: Nicht nur die Sommer, auch die Winter werden immer trockener. Immer mehr Jahre schließen mit einer negativen Wasserbilanz ab. Das bedeutet: Wir verbrauchen mehr Wasser, als Boden und Grundwasser über das Jahr hinzugefügt wird. Machen wir so weiter, sind die letzten Reserven irgendwann restlos aufgebraucht.
Trockenheit trotz Schnee und Eis?
Der Winter 2025/26 war schneereich und trotzdem trocken – wie passt das zusammen? Schnee und Eis binden das Wasser oberirdisch. So ist es nicht für den Boden verfügbar. Zuletzt folgten auf Schneephasen oft direkt deutlich wärmere Tage. Das führt dazu, dass das gefrorene Wasser schlagartig taut und zum Teil oberirdisch abfließt. Der Boden kann das Wasser nicht so schnell aufnehmen. Die Wasserbilanz im Boden kann also trotz Schnee und Eis am Ende des Winters negativ sein.
Warum Wasser fehlt – und was wir kurzfristig tun können
Die Erde hat auch den Spitznamen „Blauer Planet“ – eben weil sie von viel Wasser bedeckt ist. Allerdings sind nur 2,5 Prozent des Wassers Süßwasser. Weniger als ein Prozent davon steht direkt für den menschlichen Gebrauch zur Verfügung.
Laut UN-Forscher*innen steuern wir auf einen Wasserbankrott zu, weil wir mehr verbrauchen, als Regen oder Grundwasser auffüllen. Landwirtschaft, Industrie und Kraftwerke verbrauchen besonders viel. Dazu kommen zerstörte Süßwasserquellen: Viele Sümpfe, Gletscher und Flussauen sind unwiederbringlich verloren.
Wir verbrauchen und verschmutzen mehr Wasser, als erneuerbare Quellen wiederherstellen können. Unumkehrbarkeit heißt, dass wir wichtige natürliche Wasserreserven zerstört haben.
Kaveh Madani, Direktor des UN-Instituts für Wasser, Umwelt und Gesundheit im UN-Bericht
Die UN-Forschenden schlagen deshalb einen weltweiten Kurswechsel im Umgang mit Wasser vor. Kritiker*innen sagen dazu, dass Maßnahmen nicht nur global, sondern vor allem auch lokal gedacht werden müssen.
Wie halten wir in Deutschland unser Wasser?
Was können wir hierzulande also tun, um Wasser verfügbar zu halten? Bei sich selbst anzufangen ist eine gute Idee: Wasserhahn beim Zähneputzen zudrehen, kurz duschen, statt eines pflegeintensiven Rasens lieber eine hitzeresistente Blühwiese anlegen. Nichts, was man nicht schon gehört hätte.
Allerdings nutzen die privaten Endverbraucher mit ihren durchschnittlich 126 Litern pro Tag nur einen kleinen Anteil des verfügbaren Wassers. Kohle-Tagebaue, Chemiefirmen und die Nahrungsmittelindustrie verbrauchen insgesamt fast viermal so viel Fluss- und Grundwasser wie alle Bürgerinnen und Bürger zusammen – für einen Bruchteil des Preises, falls sie überhaupt etwas zahlen müssen.
Wo die Konzerne unser Wasser anzapfen und welche die größten Wasserschlucker sind, liest Du in diesem Beitrag. Kurz- und mittelfristig braucht Deutschland diese Maßnahmen:
- Industrie und Landwirtschaft ökologisch effizienter gestalten. Beide verbrauchen weit mehr Wasser als nötig.
- Ausstieg aus der Kohleverstromung. Allein die Tagebaue von RWE verbrauchen rund dreimal so viel Wasser im Jahr wie alle Berliner*innen zusammen. Kraftwerke kühlen mit Flusswasser – ein großer Teil verdunstet und fehlt danach in Flüssen und Grundwasser.
- Wasserverbrauch der Industrie regulieren. In Bayern, Hessen und Thüringen zahlen Konzerne nichts für die Wasserentnahme. Deutsche Haushalte zahlen im Durchschnitt zwei bis vier Euro pro Kubikmeter (1.000 Liter) Wasser. In diesem Jahr führt Bayern zwar, wie fast alle übrigen Bundesländer, den „Wassercent“ ein – der soll aber gleichermaßen für Privatverbraucher wie Industrie gelten. Ausnahmen und Freigrenzen begünstigen die Konzerne zudem.
BASF: Deutschlands größter Wasserverbraucher
BASF in Rheinland-Pfalz entnimmt Recherchen zufolge mehr Wasser als jedes andere Unternehmen in Deutschland. Durch das Chemie-Werk in Ludwigshafen fließen jährlich 20 Millionen Kubikmeter Grundwasser und rund 1,2 Milliarden Kubikmeter Wasser aus dem Rhein. Pro Kubikmeter zahlt BASF weniger als 0,75 Cent.
Petition: Wasser in der Lausitz schützen!
Das Energieunternehmen LEAG will seine Braunkohletagebaue in der Lausitz verkleinern. Das Geschäft läuft langsam aus – was bleibt, ist das Wasserproblem. Denn die LEAG ist mit Abstand der größte Wasserverbraucher der Region. Da sie fürs Wasser fast nichts zahlt, will sie die Tagebaue nach Stilllegung einfach damit füllen. Eine Petition auf WeAct, der Petitionsplattform von Campact, setzt sich dafür ein, dass die LEAG zu einer sinnvollen Rekultivierung der Braunkohleflächen verpflichtet wird.
Langfristig: Schwammwälder und effektiver Wasserrückhalt
Wasser sparen und damit verantwortungsvoll umgehen ist das eine – weitsichtige Wasserkultivierung das andere.
Extreme Wetterphänomene oder tiefe Grundwasserströme können wir nicht steuern. Wie sich die Oberflächen- und Oberbodenschichten verhalten, allerdings sehr wohl. Landnutzung, Bodenbedeckung und Bewirtschaftung entscheiden, ob Wasser versickert, verdunstet oder abfließt. „Da diese Schichten sowohl die Rückhaltung als auch die Grundwasserneubildung steuern, stellen sie den größten direkt beeinflussbaren Teil der Wasserbilanz Deutschlands dar – und damit den stärksten Hebel, um dem strukturellen Rückgang der Wasserspeicher entgegenzuwirken.“ Zu diesem Ergebnis kommt die NABU-Studie.
Wie wir den Wasserrückhalt positiv beeinflussen können:
- Auf regenerative Landwirtschaft setzen. Sie stellt Bodengesundheit wieder her, stärkt Biodiversität und speichert Kohlenstoff im Humus. Agroforste halten zusätzlich Wasser.
- Klimaresistente Wälder aufbauen. Wälder gehören zu den wirksamsten Wasserspeichern unserer Breitengrade. Schwammwälder können Starkregenereignisse besser auffangen und speisen zusätzlich das Grundwasser. Waldbau ist ein langwieriger Prozess – wenn wir jetzt anfangen, profitieren unsere Kinder davon.
Wovon nachfolgende Generationen auch profitieren: Ein intaktes Klima. Aktuell steuern wir auf eines der katastrophalsten Klimaszenarien zu. Das muss aber so nicht bleiben. Jeder Schritt hilft.
Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) greift die Energiewende an. Gemeinsam mit Fridays for Future, Greenpeace und vielen anderen bringt Campact den Widerstand am 18. April auf die Straße: in Berlin, Hamburg, Köln und München. Für saubere Energie, für Unabhängigkeit, gegen fossile Lobbypolitik. Sei dabei!