Gaskammern, Verbrennungsöfen, Leichen wie Holz gestapelt: Es war die endgültige Sichtbarmachung des Nazi-Massenmordes. Überwiegend im ersten Halbjahr 1945 befreiten die Alliierten reihenweise Konzentrationslager. Am 27. Januar 1945 das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau in Polen durch sowjetische Truppen. Am 11. April 1945 das KZ Buchenwald durch US-Soldaten. Als eines der letzten großen KZ befreiten die USA Mauthausen am 5. Mai 1945. Kurz zuvor, am 29. April 1945, wurde Dachau erreicht, und am 8. Mai 1945 gelangte die Rote Armee ans KZ Theresienstadt. Das, was von den Lagern übrig blieb, dient heute der Aufarbeitung und Auseinandersetzung mit dem deutschen Massenmord.
Ansturm macht Probleme
Auschwitz ist ohne Zweifel das am besten erhaltene ehemalige Konzentrationslager mit dem umfangreichsten didaktischen Angebot. Von einem kleinen Knick in Corona-Zeiten abgesehen, besuchen rund zwei Millionen Menschen jährlich die Gedenkstätte. Überwiegend sind das junge Leute, oft unter 30 Jahren. Viele kommen im Zuge von Schulfahrten. Aber wer genau hinsieht, entdeckt auch zahlreiche Rucksacktourist*innen. Touristen-Busse parken nahe dem großen Eingangstor zu Auschwitz II. Die Hotels, die Restaurants, die Straßenführung – die ganze Stadt Oświęcim verschmilzt mit dem Gelände. Am Lager kommt niemand vorbei. Und Fakt ist: Das Interesse an dem UNESCO-Weltkulturerbe ist seit Jahrzehnten immens.

Von Schmierereien bis zu antisemitischen Anschlagsdrohungen
Mit den Besucher*innen kommen aber auch Probleme. Nicht nur, dass das zwar riesige, aber doch auch filigrane Gelände mit „Judenrampe“, Baracken, Gaskammerschutt und Lagerstraße wortwörtlich überlaufen wurde. Auch die Ausstellungsstücke litten unter dem Ansturm. Die Steintreppen in den roten Backsteingebäuden von Auschwitz I sind so abgewetzt, dass sie Stolperfallen sind. Und natürlich: Immer wieder gibt es Schmierereien von Neonazis und pubertierenden Schüler*innen. Und seit Europa mit der rechtsextremen AfD in Deutschland, der Fratelli d’Italia in Italien, dem Rassemblement National in Frankreich und der FPÖ in Österreich einen Rechtsruck erlebt, mehren sich widerliche antisemitische Anschlagsdrohungen.
Die Folge ist, dass die Gedenkstätte seit Anfang März 2026 die Zugangsregeln zum Lager erneut deutlich angepasst hat. Neben der Verstärkung der Sicherheitsmaßnahmen mit Personal und Flughafen-Ganzkörperscannern ist vor allem der Ticket-Vertrieb stark verändert. Wer an einem der inzwischen deutlich weniger frequentierten Schalter spontan ohne Reservierung ins Lager möchte, kann wieder umdrehen – Eintritt gibt es nur noch mit vorheriger Online-Buchung. Die Tickets sind personalisiert und an einen festen Zeitraum gebunden.
Das Hauptziel ist, weniger frei laufende Besucher*innen zu haben. Und so gibt es fast nur noch Zutritt, wenn man sich vorab persönlich mittels Personalausweis eine der Führungen zwischen 3,5 und 8 Stunden bucht. Mit diesem Schritt dämmen die Verantwortlichen auch das ausufernde Problem des Reisebüro-Tourismus ein: Auschwitz war viele Jahre interessant für Ausflugsveranstalter, die ein teures und in Teilen unseriöses Komplettpaket für den Besuch anboten.

Mehr Zeit wäre gut
Die Unterhaltskosten für das Gelände sind hoch, es werden höhere zweistellige Millionenbeträge pro Jahr gebraucht. Deutschland, Verursacher des Holocaust, unterstützt die Erhaltung nur dürftig, gemessen an Schuld und Geldkraft. Sogar der Staat Polen muss zuzahlen. Mit dem Fokus auf Führungen nimmt die Gedenkstätte nun mehr Mittel ein, denn sie kosten einen kleinen Betrag, rund 25 Euro für die kürzeste. Teurer sind längere und intensivere Führungen, etwa für nachweislich prädestinierte Gruppen wie Geschichtslehrer*innen.
Seit März läuft die Umstellung. Und der Plan scheint aufzugehen. Vor Ort sieht man kaum noch Besucher*innen, die ohne Führung sind. Zum anderen sind nun deutlich mehr Gruppen unterwegs. Manchmal, daran wird die Gedenkstätte hoffentlich feilen, laufen die Gruppen jedoch aufeinander auf. Es muss das Tempo erhöht, gewartet oder sogar unterbrochen werden.

Insgesamt wünscht man sich an manchen besonders intensiven Punkten etwas mehr Verweilzeit, etwa der Sammlung von Haaren, Brillen, Töpfen und Schuhen. Das gilt auch für die schwarze Wand, an der, neben dem berüchtigten Gefangenen-Block 11 gelegen, vor allem polnische Intellektuelle erschossen wurden. Oder auch für den Schutt, den es noch von den Gaskammern gibt. Hier steht man schließlich vor den bedeutendsten und gleichzeitig schrecklichsten Trümmern der Welt.
Hinweise für den Besuch in Auschwitz
- Der Besuch muss vorab online gebucht werden. Zeiträume für ungeführte Einzelbesuche gibt es kaum noch, sie liegen meist am sehr späten Nachmittag ab 17.30 Uhr. Stattdessen schließt man sich einer Führung an. Es gibt sie in zahlreichen Sprachen.
- Das Gelände, vor allem Auschwitz I, ist nicht barrierefrei. Menschen, die nicht laufen können, können oft nur vor den Baracken und Blöcken bleiben. Fahrstühle gibt es nicht. Die Lagerstraße ist sehr holprig. Die Aufgänge sind dunkel und eng, die Treppen abgenutzt.
- Zwischen dem Aufenthalt in Auschwitz I (Start) und Auschwitz II (Ende) gibt es einen rollstuhlgerechten Bustransfer.
- Es gibt in der Nähe der Gedenkstätte zahlreiche Hotels und Jugendhäuser.
- Beim Eintritt wird auf eine angemessene Kleidung geachtet. Tanktops, Shorts, Miniröcke oder zerrissene Kleidung sind nicht erwünscht. Ebenso Flipflops, Highheels oder Strandbekleidung. Shirts mit politischen Slogans oder diskriminierenden Sprüchen sind nicht erlaubt. Kopfbedeckungen müssen beim Betreten von Gebäuden aus Respekt abgenommen werden.
- Selbst die kürzeste Führung ist körperlich herausfordernd. Wander- und Sportschuhe sind von Vorteil, ebenso leichte Bekleidung.
- Essen ist auf dem Gelände unerwünscht, mit leerem Magen sollte man nicht los. Am Eingang der Gedenkstätte gibt es einige Snack-Automaten, aber keine warme oder gesunde Kost.
