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In der kürzlich veröffentlichten UNICEF-Studie zum Wohlbefinden von Kindern schneidet Deutschland erneut schlecht ab. Das Ergebnis greift Karikaturist Erl auf und zeigt einen Sohn, der seinen Vater um Hilfe bei einem Problem bittet. Doch der schaut ironischerweise lieber die Nachrichten zum schlechten Ergebnis der UNICEF-Studie. 

37 wohlhabende Länder vergleicht die UNICEF-Analyse. Darin misst sie, wie gut die Länder sich um ihre Kinder kümmern. Drei Bereiche stehen im Mittelpunkt: mentale Gesundheit, körperliche Gesundheit und Fähigkeiten für das Leben.

Das Ergebnis: In Ländern mit hoher Einkommens- und Vermögensungleichheit sowie Kinderarmut wachsen weiter viele Kinder unter Bedingungen auf, die ihre körperliche und mentale Gesundheit, ihre schulischen Kompetenzen und damit auch ihre Zukunftschancen massiv beeinträchtigen.

Platz 25 – Deutschland liegt weit hinter Rumänien und Ungarn

Die Niederlande, Dänemark und Frankreich belegen in diesem Jahr die ersten drei Plätze. Und Deutschland? Landet auf Platz 25. „Unterdurchschnittlich“, erklärt UNICEF.  

Denn im Ergebnis landet die Bundesrepublik weit hinter Ländern mit deutlich geringerer Wirtschaftskraft. Wie etwa Rumänien (Platz 9), Ungarn (Platz 10) oder die Slowakei (Platz 19). Das ist kein Schönheitsfehler in einer Statistik. Das ist politisches Versagen in Deutschland – über Jahrzehnte und Parteien hinweg.

Jedes fünfte Kind lebt in Armut

Wie kommt das Ergebnis zustande? Laut Unicef wächst durchschnittlich fast jedes fünfte Kind in den untersuchten Ländern in Einkommensarmut auf. Und Deutschland bildet da keine Ausnahme. 

Denn seit Jahren stagniert in Deutschland die Kinderarmutsquote bei 15 Prozent. Gleichzeitig wächst die Einkommensungleichheit: 2012 verdienten die Reichsten noch 4,3-mal so viel wie die Ärmsten. Heute ist es das Fünffache. Das klingt nach trockener Statistik – doch dahinter stecken Kinder, die ohne ausreichend Geld zum Leben aufwachsen. 

Das bedeutet beispielsweise, Hausaufgaben machen im geteilten Zimmer mit mehreren kleinen Geschwistern. Beschränkte soziale Teilhabe, wie kein Geld für Schulausflüge, Kino oder Klassenfahrten. Schlechtere Ernährung, schlechtere elterliche Betreuung, viel zu früh zu hohe Verantwortung, kein Sportverein. In Deutschland leben mehr als drei Millionen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren in Armut oder erfahren soziale Ausgrenzung.

Die Schule macht’s nicht besser

Noch deutlicher wird das Versagen beim Blick auf die Bildung. Ja, Deutschland hat ein Problem mit Bildung. Das zeigen die PISA-Studien seit Jahren – und das zeigt auch die UNICEF-Studie.

Zu viele Kinder verlassen die Schule ohne ausreichende Lesekompetenz. Zu viele scheitern an grundlegenden mathematischen Aufgaben. Laut UNICEF-Studie erreichen nur 60 Prozent der 15-Jährigen in Deutschland die Mindestkompetenzen in Lesen und Mathematik. Das reicht für Platz 34 von 41 Ländern. Ein erschreckendes Ergebnis für eine der größten Volkswirtschaften der Welt. 

Petition: Unterhaltsvorschuss nicht streichen!

Der Unterhalts­vorschuss hilft Alleinerziehenden und ihren Kindern, einen ohnehin harten Alltag zu bestehen – einfach weil der verpflichtete Elternteil nicht bezahlt. Jetzt droht die Bundesregierung ihn zu streichen. Das würde über 850.000 Kinder betreffen und darf nicht passieren! Unterzeichne die Petition auf WeAct, der Petitionsplattform von Campact.

Besonders hart trifft das Jugendliche aus benachteiligten Familien. Nur 46 Prozent von ihnen erreichen die Grundkompetenzen. Bei Kindern aus privilegierten Haushalten sind es 90 Prozent. Diese 44 Prozent Unterschied sind kein Zufall. Vielmehr sind sie das Ergebnis eines Systems, das soziale Ungleichheit nicht bekämpft – sondern verstärkt.

Was progressive Politik für Kinder bedeutet

Auf Basis der Ergebnisse empfiehlt UNICEF für Deutschland ein entschlossenes politisches Handeln, das Kinder mehr in den Mittelpunkt stellt. Folgende Hebel wären wirksam:

  • Kinderarmut wirksam bekämpfen. Kinder in armen Familien brauchen laut UNICEF direkte, unbürokratische Unterstützung: Die Bundesregierung muss Kindergeld und Sozialleistungen so auszahlen, dass sie wirklich ankommen. Das soziokulturelle Existenzminimum gehört neu berechnet: realistisch und bedarfsgerecht. Schulen und Kitas in benachteiligten Stadtteilen brauchen mehr Mittel, nicht weniger. Und die Gesundheitsversorgung muss für alle Kinder gleich gut sein – nicht nur für die, deren Eltern es sich leisten können.
  • Faire Zugänge für alle Kinder schaffen. Ob ein Kind auf eine gut ausgestattete Schule gehen kann, einen Arzt in der Nähe hat oder einen sicheren Spielplatz – das darf nicht vom Wohnviertel abhängen. Bund, Länder und Kommunen müssen gezielt in benachteiligte Stadtteile investieren. Kinder- und Jugendhilfe, aber auch Schulen müssen enger zusammenarbeiten. Programme wie „Kinderfreundliche Kommunen“ zeigen, wie das geht. Diese brauchen mehr Unterstützung – keine Kürzungen.

Kinderrechte müssen ins Grundgesetz

  • Kinder ernst nehmen. Das klingt banal. Ist es aber nicht. Kinder haben das Recht, gehört zu werden. Bei Stadtplanung, bei Schulentwicklung und bei politischen Entscheidungen, die ihr Leben betreffen. Andere europäische Länder haben Kinderbeauftragte, die die Interessen junger Menschen in der Politik vertreten. Deutschland braucht das auch!
  • Kinderrechte ins Grundgesetz. Wer Kinder wirklich schützen will, der muss ihre Rechte dort verankern, wo sie niemand mehr wegdiskutieren kann: im Grundgesetz.
  • Daten erheben und die Wirkung messen. Gute Kinderpolitik braucht Fakten. Also muss Deutschland erfassen, wie es Kindern und Jugendlichen wirklich geht – und ob politische Maßnahmen tatsächlich wirken. Wer blind investiert, verschwendet Geld. Wer misst, kann konkret arbeiten. Es ist die Voraussetzung für wirksame Politik.

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