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Unter dem Deckmantel harter Musik mit martialischen Texten versuchen rechtsextreme Randgruppen immer wieder, neue Unterstützer für ihre kruden Ideologien zu finden. Rechtsrock und Neonazi-Metal sind dabei nur die offensichtlichsten Vertreter der Genres, in denen es immer wieder Überläufer zu rechten Gruppen gibt. 

Kleines Genre-Glossar der Musikstile

Rechtsrock: Rockmusik, die als Instrument für rechtsextremes und neonazistisches Gedankengut genutzt wird. In der Wissenschaft wird Rechtsrock als „jede Form von popkulturell verorteter Musik, die sich selbst im Dienst der politischen Bewegung der extremen Rechten stellt oder zumindest erkennbar positiven Bezug darauf nimmt“ definiert.  

NSBM: National Socialist Black Metal (Nationalsozialistischer Black Metal, auch Hatecore genannt) ist eine Bezeichnung für neonazistische Strömungen innerhalb der Black-Metal-Subkultur.

Rock Against Communism (RAC)
(Englisch für ‚Rock gegen Kommunismus‘) ist ähnlich wie „Rechtsrock“ eine Selbst- und Fremdbezeichnung für Musik mit rechtsextremen Texten. Der Sammelbegriff der rechtsextremen/neonazistischen Rockmusik-Szene war eine Gegenbewegung zur linken Veranstaltungsserie Rock Against Racism.

Aber nicht jede Rock-, Metal- oder Hardcore-Band, die über „Heimat” oder Krieg singt, ist direkt dem Rechtsrock zuzuordnen. Wie auch bei anderen Musik-Genres ist die Lage unübersichtlich. Sowohl für Außenstehende, als auch für Insider in der Rock- und Metal-Szene ist sie mit Vorsicht zu betrachten. Der Musikwissenschaftler Thorsten Hindrichs und der Rechtsextremismusforscher Christoph Schulze sind die führenden Experten zu der Szene. Ihre Einschätzungen prägen die Forschungen und Analysen zu diesen Bands.

Werfen wir also einen Blick auf die größten und bekanntesten Bands der Rechtsrockszene, wichtige Begrifflichkeiten, sowie Festivals. Am Schluss gibts noch einen Leitfaden, mit dem Du selbst herausfinden kannst, ob Deine neue Lieblingsband vielleicht doch nicht so unpolitisch ist, wie Du dachtest. (Hier kommst Du direkt zum Guide.)

Die größten Namen im Rechtsrock

Bei manchen Bands besteht kein Zweifel: Sie lassen sich explizit dem Rechtsrock zuordnen. Manchmal sortieren sie sich mit ihrem Profil sogar selbst stolz dort ein. Ein paar Namen, die man kennen sollte. 

Übersicht: Deutsche und internationale Rechtsrockbands

Landser war eine deutsche Rechtsrock-Band aus Berlin. Sie löste sich 2003 auf. Bis dahin war sie bundesweit die erfolgreichste Musikgruppe aus dem neonazistischen Spektrum. In ihren Liedern rief die Band explizit zum Mord von politischen Gegnern und ethnischen Minderheiten auf. Und sie wusste, dass sie sich damit im Bereich des Illegalen bewegen. Die Band vermied deshalb öffentliche Auftritte, trat nur in kleinen Clubs auf und ließ ihre Tonträger im Ausland produzieren. Die Bandmitglieder pflegten Kontakte zum verbotenen rassistischen Netzwerk Blood and Honour und Kadern der gewaltbereiten Neonaziszene.

Ein Trend, der schon bei Kleidungsstil und Symbolen von Rechtsextremen wiederzufinden ist, zeigt sich auch im Rechtsrock: Nordische Zeichen, Geschichten, Mythen und Sagen. Die Rechtsrock-Band „Sleipnir” ist dafür ein gutes Beispiel. „Sleipnir”, eigentlich das achtbeinige Pferd des nordischen Gottes Odin, ist hier das Pseudonym des neonazistischen Liedermachers Marco Bartsch (geb. Laszcz) bzw. der Name der Ein-Mann-Rechtsrock-Band. Das Bundesamt für Verfassungsschutz schätzte sie bereits kurz nach ihrer Gründung als rechtsextremistische Band ein.

„Absurd” ist eine 1992 gegründete NSBM-Band, die als deutscher Vorreiter der Musikrichtung gilt. Weitreichende Bekanntheit in der Rechtsrock-Szene erlangte die ursprüngliche Schülerband durch einen Mord, den drei Bandmitglieder im Jahr 1993 an einem fünfzehnjährigen Mitschüler begingen. Die Tat wurde in den Medien auch als „Satansmord von Sondershausen“ betitelt, da sich zwei der Bandmitglieder, hierunter der Sänger, als Satanisten darstellten. Die nach Jugendstrafrecht verurteilten beiden Haupttäter erhielten je eine achtjährige Haftstrafe.

Die Rechtsrock-Band „Noie Werte” erlangte außerhalb der Szene Bekanntheit durch niemand anderes als den NSU-Komplex. Die 2011 gefundenen Bekennervideos des Nationalsozialistischen Untergrundes (NSU) um Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt waren mit Musik der Band unterlegt. Ursprünglich 2010 aufgelöst, feierte die Band 2019 ein Comeback und ist nach wie vor on tour. In ihren Texten geht es u.a. um „Helden” aus der Nazi-Zeit.

Die Band „Stahlgewitter” wurde von zwei der einflussreichsten Personen der Rechtsrock-Szene gegründet, Daniel „Gigi“ Giese und Frank Kraemer. Beide haben noch diverse andere, kleinere und größere Musikformationen in der Szene. Die Band ist seit den 90ern aktiv und erreicht ein großes Publikum. Dabei half ihnen vor allem auch das „Projekt Schulhof-CD”, eine seit 2004 bekannte Propagandastrategie deutscher Rechtsextremisten, bei der Musiktonträger gezielt im Umfeld von Schulen und Jugendeinrichtungen verteilt wurden, um Jugendliche für die rechtsextreme Szene zu interessieren. Einen ihrer größten Auftritte hatte sie 2017 beim „Rock gegen Überfremdung” in Themar, Thüringen.

Auf dem gleichen Rechtsrock-Festival 2016 in der Schweiz, bei dem auch Stahlgewitter zu Gast war, trat auch „Frontalkraft” auf. Sie ist eine der ältesten Bands der neonazistischen Hammerskins-Szene in Deutschland. Die Band trat anfangs häufig im Umfeld der NPD auf, unter anderem beim Sachsentag 2007, beim Rock für Deutschland 2010, dem Schwabentag 2011 und dem Nationalen Kundgebungstag 2014. Ihre Texte sind nationalistisch, als Ziel ihrer musikalischen Aktivitäten sehen sie, „dem Volk nationalistische Botschaften und Gedanken zu bringen”. Ihr Album „Volksmusik” wurde 2016 von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien indiziert.

„Burzum” ist ein Black-Metal- und NSBM-Projekt des Norwegers Varg Vikernes. Und Vikernes ist auch der Grund, warum seinem Musikprojekt ein gewisser Ruf anhängt: Er ist Vertreter eines rechtsextrem ausgelegten Neuheidentums, verurteilter Mörder und bezog zum Teil nationalsozialistische Positionen. All das hat auch Einfluss auf die Texte seiner Songs.

Die Band „Störkraft” gründete sich 1988 in Düsseldorf um den Gitarristen Volker Grüner und wurde schnell zu einer der bedeutendsten Bands in der Skinhead-Szene. Die mittlerweile aufgelöste Band veröffentlichte über 20 Tonträger, von denen sechs indiziert wurden.

„Kategorie C” gründete sich 1997 in Bremen als erst vermeintlich unpolitische, später rechtsextremistische Hooliganband. Der Name verweist auf die polizeiliche Einstufung von Fußballfans, Kategorie C steht für „gewaltsuchend“. Auch sie agiert vornehmlich und gerne im Untergrund – zum Beispiel, indem sie Konzertorte nicht öffentlich ankündigt, sondern nur Eingeweihte zulässt. Später spaltete sich die Band in zwei separate Gruppen auf: „VollKontaCt” und „Kategorie C – Hungrige Wölfe”. 

Die Zillertaler Türkenjäger sind ein anonym agierendes Rechtsrock-Bandprojekt, das vor allem im stilistischen Bereich der Neuen Deutschen Welle unterwegs (NDW) ist. Bekannt wurden sie vor allem mit rassistischen und radikalen Umdichtungen von bekannten NDW-Songs. Wie sie versuchten, das Genre für sich zu vereinnahmen, liest Du hier.  

Du kennst noch weitere Bands, die hier unbedingt auftauchen sollten? Schreib sie uns an blog@campact.de – am besten direkt mit Quellen!

Bekannte Rechtsrock-Konzerte und Festivals

Neben kleinen, lokalen Festivals gibt es in der Szene auch große Namen, die schamlos mit den Inhalten „ihrer” Musikgruppen hausieren gehen. Sie präsentieren sich als „Orte der Meinungsfreiheit”, die noch nicht von „woken Kräften” gecancelt wurden. Ein Narrativ, das in vielen rechten Kreisen unterwegs ist. 

Das Hot Shower Festival ist eine neonazistische Musikveranstaltung aus dem Bereich des National Socialist Black Metal (NSBM). Der Name des Festivals ist eine bewusste, zynische Anspielung auf die Gaskammern in den nationalsozialistischen Vernichtungslagern. Das Festival wird explizit als Vernetzungstreffen der Szene gesehen und findet im Großraum Mailand (Italien) statt. Dort dürfen in Deutschland und Österreich verbotene Zeichen und Gesten (wie der Römer- bzw. Hitlergruß) ohne Konsequenzen gezeigt werden.

Das Eternal Hate Fest ist ebenfalls eine dauerhafte Adresse für Freunde des NSBM. Es begrüßt in erster Linie einschlägige Bands aus Osteuropa, aber immer wieder sind auch deutsche Bands des Genres dabei oder Aussteller, die sich dem rechten Rand zuordnen lassen. Merchandise und Verkaufsartikel tragen Schwarze Sonnen, Runen und NS-Anspielungen, wie ein „Arbeit macht tot“-Aufdruck.

Das Festival versteht sich in erster Linie als Black-Metal-Festival – lädt aber auch immer wieder Bands aus dem NSBM-Genre ein. In Deutschland wurde das Festival im hohen Norden zuletzt 2022 Thema, als die bekannte deutsche Trash-Metal-Band Sodom dort spielen sollte. Fans kritisierten die Zusage der Band, die in einem sehr einschlägigen Line-Up Platz finden sollte. Sodom reagierte mehr abwehrend als einsichtig auf die Kritik – was eine weitere Diskussion über die Band und das Festival vom Zaun brach.

Eine der bekanntesten Reihen von Konzerten im deutschsprachigen Rechtsrock-Milieu. Der Neonazi Thorsten Heise organisierte es zwischen 2018 und 2019 dreimal in Ostritz (Sachsen). Es war als Mischveranstaltung konzipiert, bei der Politik, Musik, Kampfsport und rechter Lifestyle zusammenkamen.

Wie populäre Festivals mit Rechtsrock umgehen 

Wacken, Rockharz, Summer Breeze: Sommerzeit ist die Zeit der großen und kleinen Festivals. Für die Veranstalter bedeutet das im Vorfeld ein genaues Screening der Bands, die sie auf ihre Bühnen stellen wollen. Eine effektive Variante: Der Angriff nach vorne. Auf ihren Websites positionieren sich die Veranstalter klar gegen Rassismus, Rechtsextremismus, Homophobie oder andere Formen der Intoleranz (Wacken, Rockharz, Summer Breeze).

Beim bekanntesten Festival der Hard Rock- und Heavy-Metal-Szene, dem Wacken Open Air (WOA), bekommen explizit neonazistische Bands (wie aus dem NSBM-Bereich) keine Bühne. Das Festival greift bei politisch motivierten Vorfällen auf dem Gelände konsequent durch:

  • Keine Nazi-Symbole: Das Tragen von verbotenen Symbolen oder rechtsextremem Merchandise führt zum sofortigen Ausschluss vom Festivalgelände.
  • Besucherrausschmisse: Personen, die rassistische oder rechtsextreme Parolen rufen, werden umgehend von der Security vom Gelände entfernt.
  • Code of Conduct: Das Wacken Open Air betont in seinen Richtlinien regelmäßig Weltoffenheit, Toleranz und den gemeinsamen Fokus auf die Musik, unabhängig von Herkunft oder Hintergrund.

Bands in der Grauzone

Bei manchen Bands ist die Zuordnung zum Rechtsrock oder verwandten Genres nicht gleich offensichtlich. Das wird unter Fans die „Grauzone” genannt: Die dort zugeordneten Bands sehen sich selbst nicht als dem Rechtsrock zugehörig, distanzieren sich vielleicht sogar öffentlich davon – Songtexte, Verhalten und Branchenkontakte zeichnen aber ein anderes Bild. 

Diese Ambiguität nutzt den Bands – immerhin diskutieren Fans rauf und runter, ob die Bands nun „rechts sind” oder nicht. Ob das die Absicht ist? Weiß keiner genau. Sicher ist nur, dass sich die Fans und Kenner der Szene nicht sicher sind.  

Im breiten Spektrum des Metal mag Rechtsextremismus ein Randphänomen sein, im Black Metal jedoch sind Antisemitismus und Rassismus ein kaum mehr zu ignorierendes Problem.

Aus dem Bericht „Mal richtig abhitlern” auf profil.at

Beispiel Wacken: Umstrittene Bands in der Vergangenheit

In der Geschichte des WOA gab es immer wieder Kontroversen um Bands aus rechtsoffenen Grauzonen oder Acts mit einer umstrittenen Vergangenheit.

  • Böhse Onkelz: Die Band spielte erstmals 1996 als Headliner auf dem Wacken und kehrte danach mehrfach zurück. Wegen ihrer frühen Wurzeln in der Skinhead-Szene der 1980er Jahre ist die Band bis heute stark umstritten, obwohl sie sich seit Jahrzehnten öffentlich von Rechtsextremismus distanziert.
  • Frei.Wild: Die Südtiroler Deutschrock-Band trat ebenfalls auf dem Festival auf. Kritiker werfen der Band völkischen Nationalismus und rechte Symbolik vor, während die Band selbst betont, sich im bürgerlich-konservativen Spektrum zu bewegen und Extremismus abzulehnen.
  • Varg: Im Jahr 2010 gab es im Vorfeld des Festivals heftige Diskussionen um einen Auftritt der Pagan-Metal-Band Varg, da dem Sänger Kontakte zur rechten Szene nachgesagt wurden. Die Festivalleitung hielt nach einer Prüfung und Rücksprache mit Branchenmagazinen am Auftritt fest, da keine aktuellen rechten Tendenzen der Band vorlagen.

Wo die „eigene Grauzone” ziehen? 

Für Fans harter Musik ist es ein Thema, seitdem es eine kritische Auseinandersetzung mit Künstler*innen und ihrer Kunst gibt: Wo zieht man selbst die Grenze? Welches Verhalten von Musiker*innen kann man selbst noch mit sich vereinbaren? Bis wohin ist es für einen selbst tragbar, und was möchte man mit Geld unterstützen? 

Fans diskutieren in Foren und halten sich auf dem neuesten Stand, was die politischen Äußerungen, Meinungen oder auch nur verschleierte Aussagen ihrer Lieblingsbands angeht. Daraus lässt sich ein Fragenkatalog für Fans ableiten, die vor der Entscheidung stehen: Unterstütze ich eine Band noch, oder nicht? 

Guide: Wie Du Rechtsrock erkennen kannst

Letztendlich hilft nur eins – wenn Liedtexte, Auftritte oder Aussagen der Band oder ihrer Mitglieder Zweifel schüren, führt nichts an einer genaueren Recherche vorbei. Dabei helfen Suchmaschinen und einschlägige Magazine der Szene.

Wenn Bands bei einschlägigen Festivals auf der Bühne stehen (Hot Shower, Eternal Hate Fest, Steelfest) oder mit NSBM oder RAC-Bands die Bühne teilen, sollte man genauer hinschauen.

Bands, die bei einem bekannten NSBM- oder Rechtsrock-Label (wie W.T.C. Production, Darker Than Black, Rebel Records) unter Vertrag stehen, sollten auch einen zweiten Blick bekommen. Nicht alle Bands dieser Labels teilen das gleiche Gedankengut – man kann sich aber schon fragen, warum sie diese Nachbarschaft dulden oder suchen.

Wenn Musiker*innen in Interviews oder Liedtexten klar menschenfeindliche Aussagen tätigen, kann man davon ausgehen, dass sie auch so gemeint sind. Für andere Fans sind noch geäußerte Einstellungen zu Faschismus und Autokratie oder sexueller Gewalt ausschlaggebend. Der bekannteste Fall, der die Fans spaltet, dürfte hier wohl die Band Rammstein sein.

Manche Fans gehen so weit, auch die privaten oder Business-Kontakte der Künstler*innen zu betrachten. Social Media sei Dank geht das heute sehr einfach, ohne Privatdetektiv oder Paparazzo zu sein. Wenn sich Musiker*innen mit einschlägigen Namen der Rechtsrock-Szene oder aus der Grauzone zeigen, ist das für viele Fans schon ein Grund, diese Band für sich zu streichen.


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