5-Minuten-Info

Schützt uns nicht der Impfstoff vor einer dritten Welle?

Die Nachrichten rund um die Entwicklung von Corona-Impfstoffen machen Hoffnung: Zwei Präparate stehen kurz vor der Zulassung. Vor einer dritten Welle schützt uns das jedoch nicht automatisch: Nach der Zulassung müssen die Impfdosen zunächst produziert und gelagert, dann transportiert und verteilt werden. Bis genügend Menschen in der Bevölkerung geimpft sind, dauert es vermutlich noch Monate. Zumindest im ersten Halbjahr 2021 wird die Pandemie also weiterhin nur durch Hygieneregeln, Kontakteinschränkungen sowie Test- und Nachverfolgungsstrategien einzudämmen sein. Wenn wir einen dritten, massiven Ausbruch des Coronavirus im nächsten Jahr verhindern wollen, brauchen wir Regelungen, die über die derzeitigen Maßnahmen hinausgehen.

Gibt es wirklich wieder mehr Corona-Fälle oder wird nur mehr getestet?

Die Corona-Neuinfektionen sind in den letzten Wochen stark angestiegen: Es gibt deutlich mehr positive Testergebnisse – bei gleichzeitig weniger Tests insgesamt. Auch andere Daten belegen die steigenden Infektionszahlen: Es werden wieder mehr infizierte Personen in Krankenhäuser eingeliefert, die Zahl der Covid-Intensivpatient*innen steigt, und aktuell sterben wieder so viele Menschen an Corona wie auf dem Höhepunkt der ersten Welle im April dieses Jahres. Wir stecken also mitten in der zweiten Welle – und Expert*innen warnen bereits jetzt vor einer möglichen dritten Welle, wenn wir nicht frühzeitig die richtigen Gegenmaßnahmen ergreifen.

Hat Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern die Corona-Krise bislang nicht besser überstanden?

Nur bedingt. Im Vergleich mit anderen europäischen Ländern ist Deutschland zwar verhältnismäßig gut durch die erste Welle gekommen. Allerdings nur, weil das Virus bei uns später ausgebrochen ist, wir den Verlauf in anderen Ländern beobachten und so schnell reagieren konnten. Doch im Sommer haben wir viel Zeit verloren, weil kaum Vorbereitungen für den Herbst getroffen wurden. Die zweite Welle ließ sich nicht mehr verhindern. Im Vergleich zu Ländern gerade in Asien schneidet die Bundesrepublik schon jetzt sehr schlecht in der Corona-Bekämpfung ab. Vietnam, Japan, Südkorea, Singapur oder Thailand scheinen das Virus de facto besiegt zu haben. Von den Strategien dieser Länder sollte Deutschland unbedingt lernen. Dazu gehören eine klügere Kontaktverfolgung bei Infizierten, die strenge Einhaltung von Hygieneregeln, konsequente Quarantäne, flächendeckende Tests und vor allem eines: schnelles Handeln.

Unterstützt die Bevölkerung stärkere Schutzmaßnahmen?

Ja, mehr als 80 Prozent der Menschen in Deutschland sind bisher zufrieden mit den Maßnahmen oder wünschen sich sogar noch stärkere Regulierungen. Nur eine Minderheit findet, dass die Regelungen zu weit gehen. Diese Minderheit tritt jedoch teilweise sehr laut auf. Hinzu kommt: Die Corona-Proteste werden von organisierten Rechtsextremen unterlaufen und von Rechtspopulisten genutzt, um ihre antidemokratische Ideologie zu verbreiten.

Wie kann eine vorausschauende Corona-Politik aussehen?

Eine vorausschauende Corona-Politik schützt vor allem die Risikogruppen in der Gesellschaft, zum Beispiel ältere Menschen und Personen mit Vorerkrankungen. Unterstützung brauchen aber auch andere gesellschaftliche Gruppen, die von den Corona-Maßnahmen betroffen sind: Dazu gehören etwa Künstler*innen und Solo-Selbstständige, deren Einkommen gefährdet ist; Geflüchtete und Obdachlose, die in Massenunterkünften auf engstem Raum leben müssen; oder auch Frauen und Kinder, die stärker häuslicher Gewalt ausgesetzt sind.

Was bedeuten eine Maskenpflicht im Unterricht und geteilte Klassen in den Schulen?

Eine Maskenpflicht im Unterricht würde Schulen sicherer machen. Ganz wichtig: Masken sind für Kinder nicht gesundheitsgefährdend, sondern schützen sie und ihre Schulfreund*innen vor einer Ansteckung mit Corona. Im Zusammenspiel mit geteilten Klassen können sie dazu beitragen, den Schulbetrieb aufrecht zu erhalten. Kinder müssten die Wintermonate nicht isoliert zu Hause überstehen, Eltern wären nicht durch zusätzliche Betreuungsaufgaben belastet. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung gibt Kindern Tipps, wie sie Masken richtig tragen – und hilft Erwachsenen, sie dabei zu unterstützen.

Warum sollten die Gesundheitsämter ihre Fallverfolgungs-Strategie ändern?

Das Coronavirus verbreitet sich vor allem durch sogenannte Superspreader-Events. Das bedeutet, dass wenige Infizierte bei einem Ereignis viele andere anstecken. Expert*innen schätzen, dass gerade einmal 10 bis 20 Prozent der Infizierten für mehr als 80 Prozent der Infektionsfälle verantwortlich sind. Diese Infektionscluster entstehen vor allem dort, wo sich viele Menschen längere Zeit in einem engen oder geschlossenen Raum aufhalten. Die jetzige Strategie der Nachverfolgung von Einzelfällen ist ineffektiv: Die Gesundheitsämter sind überlastet und kommen vielfach mit der Verfolgung einzelner Kontakte nicht hinterher. Stattdessen sollten sie abfragen, wo sich die infizierte Person in einer Situation mit vielen Menschen aufgehalten hat und dann diese möglichen Corona-Fälle aufspüren. So könnten schnell viele potenziell infizierte Personen identifiziert und gewarnt werden – und viele neue Infektionsketten unterbrochen werden. Länder wie Japan und Südkorea haben die Corona-Pandemie weitestgehend in den Griff bekommen, auch weil sie sich auf diese sogenannte Rückwärts- oder Cluster-Fallverfolgung konzentriert haben. 

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