Blog Was vom Danni bleibt Die Bäume im Dannenröder Wald sind gefallen – und doch hat die Klimaschutzbewegung Großes erreicht: Eine neue Regierung muss dieses Jahr die Verkehrswende einleiten. Mehr erfahren

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Der Dannenröder Wald ist ein rund 300 Jahre alter Laub- und Mischwald zwischen Homberg (Ohm) und Stadtallendorf in Hessen. Hier gibt es alte Buchen- und Eichenbestände, Eiben, Wildkirschen, Ulmen und anderen seltene Baumarten. Der angrenzende Herrenwald ist sogar ein schutzwürdiges Fauna-Flora-Habitat nach der Naturschutzrichtlinie der EU. Trotz der letzten Dürresommer sind die Wälder relativ gesund und gelten als Vorzeigeprojekt einer nachhaltigen und klimastabilen Waldentwicklung. Im benachbarten Gleental liegt zudem ein wichtiges Trinkwasserreservoir für Mittelhessen.

Durch den Herrenwald, den Dannenröder Wald und das Gleental soll nun die neue Autobahn A49 gebaut werden. Sie würde das wertvolle Ökosystem zerschneiden; über Hundert Hektar Wald müssten gerodet werden, eine 460 Meter lange und 30 Meter hohe Autobahnbrücke würde das Gleental überqueren. Beim Bau sollen die Brückenpfeiler 35 Meter tief in der Erde verankert werden. Das würde das Trinkwasser von mehreren Hunderttausend Menschen gefährden: Denn für die Brückenpfeiler der Autobahn müsste an etlichen Stellen die dicke Lehmschicht durchbrochen werden, die bisher das Grundwasser vor Umweltgiften bewahrt.

Der Bau der Autobahn wurde bereits vor 40 Jahren beschlossen. Auftraggeber ist das Bundesverkehrsministerium und der verantwortliche Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU). Er könnte den Bau der Autobahn stoppen. Vor Ort aber ist die schwarz-grüne Landesregierung verantwortlich: Sie trägt die Pläne laut Koalitionsvertrag mit und könnte zumindest ein Moratorium schaffen, um die Räumung und Rodung aussetzen. Das gäbe Zeit, die völlig veralteten Pläne noch einmal neu zu bewerten – dann, wenn nächstes Jahr nach der Bundestagswahl ein*e neue*r Verkehrsminister*in zuständig ist. Der eigentliche Bau der Autobahn soll im September 2021 beginnen.

Um den Dannenröder Wald und den Herrenwald zu schützen, hat sich breiter zivilgesellschaftlicher Widerstand gegen den Bau der Autobahn gebildet. Vor Ort ist der BUND Vogelsberg schon seit 1995 aktiv. Nach Widersprüchen in den Planfeststellungsverfahren klagte der BUND beim Oberverwaltungsgericht in Leipzig gegen den Bau der A49, das OVG jedoch lehnte die Klage ab. Organisationen wie der NABU Hessen, die Schutzgemeinschaft Gleental oder die Aktionsgemeinschaft „Schutz des Ohmtals“ positionierten sich gemeinsam gegen den Ausbau der A49. Auf kommunaler Ebene fordern auch die Grünen eine Neuplanung des Autobahnabschnitts.

Seit etwa einem Jahr besetzen Aktivist*innen Bäume im Dannenröder Wald und Herrenwald, haben Baumhäuser und Camps errichtet. So versuchen sie, eine Rodung der Bäume direkt zu verhindern. In den letzten Wochen erleben sie große Solidarität: Tausende Menschen aus dem ganzen Land protestieren mit Waldspaziergängen und Demonstrationen gegen die Rodung.

Der Dannenröder Wald kann zu einem Symbol für einen Wandel in der Verkehrspolitik werden – hier entscheidet sich, welche Weichen wir für den Verkehr der Zukunft stellen. Inmitten der Klimakrise muss jeder Cent, der neu investiert wird, in klimafreundlichen Verkehr fließen – nicht in noch mehr Straßen. Aus der Forschung wissen wir: Straßen, die es gibt, werden auch befahren. Autobahnbau führt also langfristig zu mehr Autoverkehr. Dabei brauchen wir gerade jetzt einen gut ausgebauten Nahverkehr, ein gutes Radwegenetz und klimaneutralen Güterverkehr auf der Schiene.

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Laternenumzug im „Danni“ am 22. November 2020

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