Ob AUF1 oder Nius, Compact oder PI News, das Feld der Empörungsmedien am rechten Rand ist in den vergangenen Jahren gewachsen. Sie alle verbreiten eine vermeintliche Wirklichkeit, in der Angst, Wut und Neid bedient werden. Ihnen allen ist gemeinsam, dass sie versuchen, Einfluss auf Politik und Gesellschaft zu nehmen. Eine Fachredaktion hat sie sich genau angesehen.
Was sind Empörungsmedien?
Empörungsmedien sind Blogs, Portale und Kanäle, die sich als Alternative zum oft von ihnen verhassten „Mainstream” darstellen. Etablierte Medien lehnen sie ab und werfen ihnen pauschal Vertuschung und Verzerrung vor. Die große Mehrheit bekennt sich nicht zum Pressekodex, der wichtigsten journalistischen Selbstverpflichtung in Deutschland.
Viele Empörungsmedien behandeln nur ein sehr kleines Themenfeld. Oft geht es um die Ablehnung von Migration und Flucht, den wissenschaftlichen Konsens zum Klimawandel oder Negativberichte über Personen, Organisationen und Parteien, denen Empörungsmedien mit großer Abneigung begegnen. Einige von ihnen verbreiten auch Desinformation und Verschwörungstheorien.
Welchen Einfluss haben Empörungsmedien?
Die Reichweite einzelner Empörungsmedien schwankt stark. Einige erreichen im Monat wenige tausend Leser. Andere, wie Nius oder RT DE, erreichen ein größeres Publikum. Die Zielgruppe lehnt Migration, Klimaschutz und Energiewende ab und verachtet alle, die sie zu Feinden erklärt hat. Teile der Szene sind offen demokratiefeindlich. Einfluss üben Empörungsmedien vor allem dann aus, wenn mehrere von ihnen sich an Kampagnen beteiligen und diese dann von Politik und großen Medien aufgegriffen werden. Ein Beispiel dafür ist die Kampagne gegen Frauke Brosius-Gersdorf, deren Kandidatur für das Bundesverfassungsgericht durch Empörungsmedien mit verkürzten und falschen Behauptungen angegriffen wurde.
Was haben Empörungsmedien mit Desinformation und Verschwörungstheorien zu tun?
Viele Empörungsmedien lehnen wissenschaftliche Erkenntnisse zum Klimawandel ab und machen Stimmung gegen Klimaschutz und erneuerbare Energien. Einige von ihnen verbreiten Falschbehauptungen, die Wut, Angst und Neid schüren — über Krieg, Migration, Armut, Sozialleistungen sowie Verschwörungserzählungen zu Corona und Impfungen. Mehrere Empörungsmedien haben zum Beispiel Russlands Kriegsverbrechen im ukrainischen Butscha geleugnet oder verbreiten die Behauptung, dass CO2 überhaupt keinen Einfluss auf das Klima habe. Auch die Meldung über die angebliche Verschwendung von Steuergeld für ein Büffet zum Fastenbrechen in Dortmund haben einige Empörungsmedien übernommen, obwohl es sich eigentlich um eine Eröffnungsparty einer Kantine auf Kosten der Betreiberin handelte.
Empörungsmedien: Die wichtigsten Fragen und Antworten
Wir verwenden den Begriff „Empörungsmedien“, weil das Kernziel dieser Portale ist, dauerhaft Empörung zu erzeugen. Sie sind keine Ergänzung oder Korrektur etablierter Medien, sondern erzeugen eine eigene Wirklichkeit, in der Wut und Skandalisierung im Vordergrund stehen. Der Begriff „Alternativmedien“ bezeichnet dagegen ein Spektrum völlig unterschiedlicher Angebote.
Hinter diesen Projekten stecken verschiedene Akteure. Oft sind sie dem rechtspopulistischen oder rechtsextremen Spektrum verbunden. Einige von ihnen haben früher für große Medien von öffentlich-rechtlichen Sendern über Focus bis Bild gearbeitet. Und auch Staatsmedien aus Russland gehören dazu.
Empörungsmedien greifen bestehende Polarisierung und Vorurteile auf und nutzen sowohl ausgewählte als auch erfundene Berichte, um Wut und Angst zu erzeugen. Fast täglich warnen Empörungsmedien vor einer drohenden Diktatur. Oft geht es dabei um Kriminalität oder Sozialleistungen, um Klima oder Gesundheitsthemen oder um etablierte Medien, die Empörungsmedien zu ihren Feinden erklären.
Zwischen diesen beiden Begriffen gibt es Überschneidungen: Nicht alle Propaganda ist Desinformation, aber Desinformation kann als Propaganda verstanden werden. Bei Propaganda geht es um Äußerungen oder Inhalte, die die Meinung von Menschen beeinflussen sollen. Das sind nicht unbedingt Lügen. Vielmehr geht es darum, Emotionen zu erzeugen. Bei Desinformation handelt es sich um Fakes oder Lügen. Dabei geht es ganz klar darum, dass Menschen getäuscht werden sollen.
Die AfD arbeitet seit Jahren eng mit Empörungsmedien zusammen und hat bereits in den 2010er Jahren eigene Konferenzen im Bundestag abgehalten, zu denen Mitarbeiter dieser Portale eingeladen waren. Teilweise begleiten Mitarbeiter von Empörungsmedien die AfD auch exklusiv, zum Beispiel war AUF1 bei einer Reise von Alice Weidel nach Ungarn dabei. AfD-Politiker arbeiten teilweise auch für Empörungsmedien, zum Beispiel als Kolumnisten für die extrem rechten Blogs PI-News und Kraut Zone.
Desinformation bedeutet: Fakes mit Absicht zu verbreiten, um Menschen in die Irre zu führen. Dazu gehören zum Beispiel falsche Behauptungen, absichtlich aus dem Zusammenhang gerissene Bilder und Videos oder mit KI erstellte Fakes. Alternativ: Fehlinformation (oder Misinformation) bezeichnet dagegen Fakes, die ohne Absicht verbreitet werden. Und dann wäre da noch „Fake News“. Der Begriff wird von vielen Menschen unterschiedlich verstanden und immer wieder auch von Machthabern wie Donald Trump genutzt, um seriöse Berichterstattung anzugreifen, die ihnen nicht gefällt.
Wer Desinformation verbreitet, kann unterschiedliche Ziele haben. Häufig geht es darum, politische Ziele zu verfolgen: Verbreiter stellen sich selbst gut dar und politische Gegner oder verhasste Gruppen schlecht, als korrupt oder bedrohlich. Es gibt auch zahlreiche Fälle, in denen Desinformationsverbreiter Geld verdienen wollen, durch Klicks in sozialen Medien, durch die Organisation eigener Veranstaltungen oder den Verkauf von Büchern oder Merchandise. Und dann gibt es noch sogenannte Trolle, die einfach Verwirrung stiften und Emotionen aus anderen herauskitzeln wollen. Diese Ziele können sich durchaus auch überschneiden.
Es gibt ein richtiges System von Desinformationsverbreitern: Von Kanälen und Profilen auf Youtube, TikTok oder Facebook über Medienaktivisten oder eigene Social-Media-Plattformen, wie etwa „Truth Social“ von Donald Trump. Auch thematisch ist das Feld weit: Oft geht es um Migration oder innere Sicherheit, aber Krisen, Kriege, Klima und Medizin sind ebenso häufig Ziel von Desinformation.
Fakes kommen in sehr unterschiedlichen Formen daher, zum Beispiel als Bilder oder Videos, die einfach aus dem Zusammenhang gerissen wurden. Außerdem gibt es Fake-Zitate von Politikern, völlig frei erfundene Geschichten mit frei erfundenen Augenzeugen und zunehmend auch KI-generierte Fakes. Besonders wichtig ist es, aufmerksam zu sein, wenn eine Meldung, ein Video oder ein Bild starke Gefühle wie Wut, Angst oder Neid auslöst oder wenn übertrieben positive Versprechen gemacht werden.
In solchen Fällen lohnt es sich, die Quelle genauer anzusehen und zu prüfen, ob die Informationen plausibel wirken. Meist hilft es, nach weiteren Quellen zu suchen oder den Account zu überprüfen, der den Beitrag verbreitet: Wird eine sehr emotionale Sprache verwendet? Handelt es sich um ein Profil, das häufiger Falschmeldungen teilt? Falls die Antwort nicht eindeutig ausfällt, ist es im Zweifel immer besser, weiterzuscrollen.
Desinformation zielt oft darauf ab, starke negative Gefühle zu erzeugen. Dadurch kann sie Hass und Anfeindungen gegenüber bestimmten gesellschaftlichen Gruppen sowie einzelnen Personen aus Politik, Aktivismus oder Journalismus auslösen und verstärken. Es ist zwar schwer, genau zu messen, wie stark einzelne Falschbehauptungen zum Beispiel Wahlen beeinflussen, aber Desinformation hat zum Beispiel dazu beigetragen, dass viele Wähler der US-Republikaner überzeugt sind, die Demokraten hätten die Präsidentschaftswahl 2020 von Donald Trump gestohlen. Langfristig ist Desinformation außerdem auch darauf angelegt, das Vertrauen in die Demokratie zu untergraben und Menschen insgesamt zu verunsichern.
KI-generierte Desinformation und Deepfakes werden immer häufiger verbreitet, weil die Technik in den vergangenen Jahren große Fortschritte gemacht hat und immer mehr Menschen sie nutzen. In allen Krisen und Katastrophen der vergangenen Monaten und zunehmend auch bei Wahlen werden KI-Videos verbreitet. Dazu kommen KI-generierte Audiodateien, zum Beispiel gefakte Mitschnitte von Telefonaten. Viele Deepfakes und KI-generierte Inhalte sollen Reichweiten und Interaktionen erzeugen. Dazu kommt ein großer Anteil von Deepfakes, die Frauen gegen ihren Willen leicht bekleidet, nackt oder in pornografischen Inhalten darstellen.
Wichtig ist, selbst aufmerksam zu bleiben und Fakes oder fragwürdige Inhalte im Zweifel nicht weiterzuverbreiten. Wenn Familienmitglieder, Freunde oder Kolleginnen und Kollegen Falschmeldungen teilen, ohne dies absichtlich zu tun, lohnt sich häufig ein ruhiges Gespräch unter vier Augen. Öffentliche Konfrontationen führen eher dazu, dass die Person dann abblockt. Manchmal hilft es auch, gezielt Fragen zu stellen, zum Beispiel warum eine Quelle als glaubwürdig eingeschätzt wird. Wer hingegen gezielt Falschnachrichten als politische Strategie einsetzt, sollte damit öffentlich und immer wieder konfrontiert werden. Lügen dürfen in Politik und Gesellschaft nicht als Alltag hingenommen werden.
Informiert bleiben
Informieren Sie sich, welche Portale nur auf Reichweite und negative Gefühle aus sind, wie vertrauenswürdige Nachrichten arbeiten und welchen Regeln sie folgen.
Erst prüfen, dann teilen
Täglich prasseln Nachrichten auf uns ein. Löst eine davon besonders starke Gefühle aus, lohnt ein zweiter Blick. Nehmen Sie sich die Zeit, genauer hinzusehen und Fakten zu prüfen.
Im Gespräch bleiben
Teilt jemand aus Ihrem Umfeld Fakes, ist harte Konfrontation selten hilfreich. Besser: Suchen Sie das Gespräch und stellen Sie Fragen. Woher hast Du das? Warum hältst Du das für glaubwürdig?
Nius, Compact, AUF1 & Co. – Empörungsmedien unter der Lupe
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