Compact im Überblick

Jürgen Elsässer und seine Mitstreiter gefallen sich in der Rolle der Verfolgten und Wahrheitsbringer. Schon seit Jahren wirbt das Compact-Magazin, das ab 2010 zuerst in gedruckter Version erschien, mit Slogans wie „Mut zur Wahrheit” oder „Magazin für Souveränität”. Was hier als seriöser und mutiger Journalismus verpackt wird, sind jedoch Rechtsextremismus und Verschwörungstheorien. Nach eigenen Angaben hat das Magazin eine Auflage von 40.000 Exemplaren.
Inzwischen umfasst das Angebot von Compact nicht nur das Printmagazin, sondern auch ein Online-Portal, Sonderhefte, Youtube-Formate und Veranstaltungsreihen. Bereits 2021 stufte der Verfassungsschutz Compact als gesichert rechtsextremistisch ein. Es ist eines der zentralen deutschen Empörungsmedien. Mehrfach fantasierten Compact-Autoren von einem „Sturz des Regimes” und meinten damit jeweils die deutsche Bundesregierung.
Jürgen Elsässer, der Hufeisen-Mann
Gründer, Geschäftsführer und Chefredakteur des Compact-Magazins ist Jürgen Elsässer. Als Autor hat er viele Jahre für linke Medien gearbeitet, von Junge Welt bis Neues Deutschland. In den 2000er Jahren wandte er sich der rechtsextremen Szene zu, knüpfte Kontakte zu ihrem Vordenker Götz Kubitschek und schließlich auch zur AfD.
Elsässer ist ein Rechtsextremist. Aber er ist auch ein Opportunist. Während der Corona-Pandemie verbreitet sich die Verschwörungserzählung von QAnon, deren Anhänger glauben, Regierungen und Prominente auf der ganzen Welt würden gemeinsam heimlich einen Kindesmissbrauchsring führen. Anders als beim ganz realen Fall Epstein geht es hierbei vor allem um Verschwörungstheorien, Fakes und Donald Trump als Heldenfigur. Jürgen Elsässer glaubt nicht an die QAnon-Erzählungen. Das erzählt er offen in einem Interview mit dem von ihm verhassten öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Trotzdem bewirbt er die Verschwörungstheorien und wirbt um seine Anhänger als Publikum für das Compact-Magazin.
Götz Kubitschek
Götz Kubitschek wird als einer der „Vordenker” der Neuen Rechten bezeichnet. Er gründete unter anderem das mittlerweile aufgelöste „Institut für Staatspolitik” (IfS) und den Verlag Antaios mit Sitz in Schnellroda, in Sachsen-Anhalt. Dort veranstaltet er regelmäßig Events, die zur Vernetzung der rechtsextremen Szene dienen.

Auch das Angebot des Compact-Shops demonstriert diesen opportunistischen Umgang: Das Angebot von Compact umfasst eine Kollektion von Münzen, vom „Höcke-Taler” bis zur „Putin Silbermedaille” für „Patriot Wladimir Putin”, die dem russischen Präsidenten angeblich durch den russischen Botschafter persönlich überreicht wurde. Eine weitere Medaille zeigt ein Foto des Ehepaars Elsässer. Klickt man auf der Compact-Website auf Artikel der Kategorie „Leben”, stößt man vor allem auf Schleichwerbung für Nahrungsergänzungsmittel aus dem Shop des Compact-Mitgründers Kai Homilius.
Seit Jahren versucht Elsässer, das Compact-Magazin als „Querfront”-Angebot zu vermarkten, das Rechtsextreme ebenso anspricht wie linke Kräfte. Das verfängt nur selten erfolgreich, meist in Kreisen des von Sahra Wagenknecht gegründeten BSW (Bündnis Sahra Wagenknecht). Prominente Mitglieder der Partei standen zuletzt trotz der offen rechtsextremen Ausrichtung des Magazins mehrfach für Interviews zur Verfügung.
Wer steckt sonst noch hinter dem Compact-Magazin?
Gegründet hat Elsässer das Magazin gemeinsam mit Kai Homilius und Andreas Abu Bakr Rieger. Letzterer stieg 2014 aus dem Magazin aus. Anschließend wurde der Rechtsextremist Mario Rönsch zum Gesellschafter der Compact-Magazin GmbH. Der gebürtige Thüringer, der inzwischen keine Verbindung mehr zum Magazin hat, machte vor einigen Jahren Schlagzeilen, weil er über den Online-Shop „Migrantenschreck” Waffen illegal von Ungarn aus nach Deutschland verkaufte. Nachdem er deswegen einige Zeit in Haft verbrachte, ist Rönsch inzwischen nach Russland ausgewandert und verbreitet von dort rechtsextreme und putinfreundliche Propaganda.
Zu den Gesichtern des Magazins gehört auch Paul Klemm, den der AfD-Bundestagsabgeordnete Rainer Rothfuß als „jungen Medienrebell“ bezeichnete. Geboren im Jahr 2000 steht er exemplarisch für den Versuch, auch ein jüngeres Publikum anzusprechen. Klemm war für das Compact-Magazin im Bundestag unterwegs. Als der Rechtsextremist schließlich eine eigene Presseakkreditierung samt Hausausweis für das Parlament beantragte, wurde ihm diese im Jahr 2026 von der Bundestagspolizei verweigert. Er ist Vorsitzender eines Vereins aus dem Umfeld der Identitären Bewegung und des Vereins „Filmkunstkollektiv“, dessen rechtsextreme Aktivisten unter anderem Propagandavideos für Björn Höcke drehten.
„Migrantenschreck”
Im Online-Shop „Migrantenschreck” vertrieb der Rechtsextremist Mario Rönsch Waffen von Ungarn nach Deutschland. Kern des rassistischen Marketings war die angebliche Notwendigkeit der Selbstverteidigung gegen Geflüchtete und Migranten, die insgesamt als gefährlich dargestellt wurden. Rönsch wurde zu einer Gefängnisstrafe verurteilt und hat diese inzwischen verbüßt. Er hat seinen Wohnsitz nach Russland verlegt und verbreitet von dort aus kremlfreundliche Propaganda im Empörungsmedien Anonymous News.
Auch der frühere AfD-Politiker André Poggenburg ist involviert: Er ist an der Compact-Magazin GmbH beteiligt und Prokurist der Firma. Das Compact-Magazin ist auch Familiensache: Elsässers Ehefrau Stephanie ist eine der Moderatorinnen von Compact-TV, dem Video-Angebot des Magazins. Außerdem ist sie Gesellschafterin der Compact-Produktionsfirma Conspect Film.
Compact und die AfD: Ein enges politisches Netzwerk

Stephanie Elsässer ist auch eines von vielen Bindegliedern zwischen Compact und der AfD. Nach Recherchen der Zeit war sie für einige Zeit Mitarbeiterin der AfD-Bundestagsabgeordneten Christina Baum. Das frühere CDU-Mitglied trat außerdem schon 2017 in die AfD ein. Weitere personelle Überschneidungen wurden bereits 2018 bekannt: eine frühere Moderatorin kandidierte für die AfD bei der Bundestagswahl 2017, eine andere Mitarbeiterin arbeitete auch für den heutigen sachsen-anhaltischen AfD-Landeschef Martin Reichardt.
Seit Jahren pflegt Compact engen Kontakt zur AfD, unterstützt die Partei durch Interviews, überwiegend freundlich gesinnte Beiträge und Veranstaltungen. Ein Beispiel von vielen: Elsässer war schon im Mai 2014 beim AfD-Kreisverband in Berlin-Pankow zu Gast und äußerte dort Unterstützung für die von Russland gesteuerten Separatisten in der Ostukraine und behauptete, die Bundesrepublik sei weniger souverän als einst die DDR.
Unter dem Slogan „Die blaue Welle rollt” sammelte das Magazin ab 2023 Spenden für eine Veranstaltungsreihe im Vorfeld von Kommunal-, Landtags- und Europawahlen im Jahr 2024. Nicht nur die Farbe Blau ist ein Hinweis auf die Ausrichtung der Veranstaltung. Auch diverse AfD-Politiker waren als Gäste angekündigt. In einem Video warb Elsässer mit folgenden Worten für die Veranstaltungsreihe: „Wenn Sie uns unter die Arme greifen wollen, damit wir der AfD unter die Arme greifen können und dieses blaue Wunder 2024 möglich machen, dann zögern Sie nicht, uns zu helfen.“ Eine Wahlwerbeveranstaltung will man im Nachhinein nicht geplant haben. Auch die AfD ging offiziell auf Distanz, verlangte schriftlich eine Unterlassung. Inzwischen gibt es ein Bußgeldverfahren seitens der Bundestagsverwaltung gegen Compact, weil das Magazin die Werbung für die Partei auf deren Wunsch hin nicht direkt einstellte. Es soll um bis zu 100.000 Euro gehen.

Auch Verbindungen zur Neonazi-Partei Die Heimat, der früheren NPD, gibt es: Darunter ein früherer Pressesprecher der NPD-Landtagsfraktion in Sachsen, der als Chef vom Dienst arbeitete, und ein früherer Landtagsabgeordneter, der ebenfalls beim Magazin tätig war.
Viel Putin, viel Propaganda: Die Inhalte im Compact-Magazin
Die Compact-Macher stehen seit Jahren fest an der Seite Putins. Schon im Jahr der völkerrechtswidrigen Krim-Annexion verbreitete das Magazin prorussische Propaganda. Auch mit der Vollinvasion in der Ukraine im Februar 2022 hat sich die kremlfreundliche Ausrichtung des Blattes nicht geändert. Immer wieder übernimmt Compact die Talking Points der russischen Regierung, zitiert russische Propagandisten oder verbreitet Posts der Russischen Botschaft auf Telegram.
Weiterführende Links
- „Fallstudie 2: Compact – Scharniermedium der extremen Rechten“, Zentrum Liberale Moderne, Juli 2022
- „Das rechte Geschäft mit der Angst“, RedaktionsNetzwerk Deutschland, 5. Juni 2021
- „Rechtes Magazin ‚Compact‘ – Jammern als Identität“, Taz, 26. August 2022
- „‚Compact‘ und die Partei – Volksfest für die AfD“, Kontext:Wochenzeitung, 5. Juni 2024
- Ist das Presse oder kann das weg?, Verfassungsblog, 6. November 2025
Die Verbindungen gehen weit über die Verbreitung von Inhalten hinaus. Erst im Juni 2026 waren die Elsässers zum wiederholten Male in der russischen Botschaft in Berlin zu Gast. Anlässlich des russischen Nationalfeiertages posierte das Paar gemeinsam mit einem iranischen Oberst, dem letzten DDR-Staatsratsvorsitzenden Egon Krenz und Fürst Alexander von Bismarck, der eine Sendung für den in der EU sanktionierten russischen Staatssender RT DE produziert. Ab 2012 organisierte Compact gemeinsam mit dem selbsternannten „Institut für Demokratie und Zusammenarbeit” sogenannte „Souveränitätskonferenzen”. Die Organisation wurde 2007 auf Initiative von Wladimir Putin gegründet und dient als Propagandainstrument.
Compact-Moderator Dominik Reichert war vor seiner Tätigkeit für das Magazin Mitarbeiter von RT DE und moderierte für den Sender erst aus Deutschland und ab 2022 dann aus Russland. Inzwischen ist Reichert nach Deutschland zurückgekehrt. Auch Reichert versucht sich als Querfront-Aktivist und ist einer der Betreiber von „Rot&Real”, einem Online-Projekt, das neben russlandfreundlichen Positionen auch DDR-Nostalgie und Beiträge von BSW-Politikern bereithält.
Ansonsten bietet Compact eine Mischung aus Verschwörungstheorien und üblichen rechtsextremen Talking Points. Der Verschwörungserzählung vom „Great Reset” wird gleich eine ganze Artikelkategorie gewidmet, eine andere Kategorie heißt „Klima-Terroristen”. Bei letzterer geht es nicht etwa um Gewalt, sondern meistens um die Leugnung des menschengemachten Klimawandels, Loblieder auf Verbrennermotoren oder den in der Szene weit verbreiteten Hass auf Windräder.
Das gescheiterte Verbotsverfahren

Im Jahr 2024 erließ das Bundesinnenministerium unter Nancy Faeser ein Verbot gegen das Compact-Magazin, die Produktionsfirma Conspect Film und diverse Online-Auftritte. Das Verbot, das sich unter anderem auf das deutsche Vereinsrecht stützte, ist gescheitert. Das Bundesverwaltungsgericht hob das Verbot im Juni 2025 auf.
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