Aktualisiert am 26. August 2026

Epoch Times im Überblick

Tabelle: Epoch Times im Überblick

Wer steckt dahinter? Falun-Gong-Bewegung, Chefredakteur Alexander Zwieschowski, die Epoch Times Europe GmbH als Medienunternehmen mit Sitz in Deutschland

Wer kommt zu Wort? Querdenker, Verschwörungsideologen, Rechtsextreme wie Jürgen Elsässer

Inhaltliche Ausrichtung: Verschwörungsideologisch, pro-Trump, pro-MAGA (besonders beim US-Ableger)

Nähe zur AfD: Keine besondere Nähe

Warum problematisch? Vermeintlich seriöses Auftreten, aber Kooperation und Interviews mit Verschwörungsideologen und Rechtsextremen, deutlich extremeres Auftreten in anderen Ländern

Wie vertrauenswürdig ist Epoch Times?

Auf den ersten Blick wirkt die Epoch Times wie eine Nachrichtenseite unter vielen. Das gehört zum Kalkül: Sie gibt sich als betont seriöses Medium und wirbt mit Formulierungen wie „Ohne politische Färbung“, „Ausgewogen und sachlich“ und „Unabhängig von Investoren“. Die Realität sieht anders aus: Tatsächlich ist das Projekt eine PR-Plattform für eine religiöse Bewegung mit politischen Zielen. Die Epoch Times hat nicht nur Rechtsextremen und Verschwörungsinfluencern immer wieder eine Bühne geboten, sondern auch aktiv Wahlkampfhilfe für Donald Trump geleistet. Schon 2018 warb die US-Ausgabe mit den Worten: „Trump soll The Epoch Times als ‚glaubwürdigste Zeitung’ bezeichnet haben“.

Seit der Gründung durch Exilchinesen im Jahr 2000 hat die Epoch Times eine gewaltige Expansion vollzogen. Heute ist sie eigenen Angaben zufolge in 24 Sprachen, darunter Griechisch, Japanisch, Rumänisch und Farsi, verfügbar und produziert eigene Talkshows und Podcasts. Die deutsche Epoch Times besteht seit 2005, zu Beginn als gedruckte Zeitung, dann nur online und heute in beiden Formaten. Die deutschsprachige Website wurde im Juli 2026 laut dem Analysetool Similarweb mehr als 940.000 Mal abgerufen, die US-Ausgabe kommt sogar auf mehr als 16,9 Millionen Abrufe.

Was steckt hinter der Epoch Times?

Die Epoch Times wurde zur Jahrtausendwende durch Anhänger der Falun-Gong-Bewegung gegründet. Die Bewegung geht zurück auf Li Hongzhi, der mit seinen Lehren Anfang der 1990er Jahre an die Öffentlichkeit ging und in den Jahren darauf zahlreiche Anhänger gewann. Neben Meditationspraktiken und Übungen präsentiert Li Hongzhi moralische Vorstellungen und Heilsversprechen. In den Jahren seit der Gründung hat er sich in Schriften und Interviews homosexuellenfeindlich und rassistisch geäußert. Falun Gong verfolgt neben spirituellen auch religiöse und politische Ziele. Auch Wissenschaftsfeindlichkeit ist Teil der Falun-Gong-PR. In der Epoch Times beispielsweise werden regelmäßig wissenschaftliche Erkenntnisse über den Klimawandel geleugnet, in der Falun-Gong-Tanzshow Shen Yun wurde die Evolution als „tödliche Idee“ bezeichnet.

Eine Demonstration von Falun Gong / Falun Dafa am Brandenburger Tor im Zentrum von Berlin, auf der es heißt, dass Falun Gong-Praktizierende in China einer Vielzahl von Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt sind.
Demo von Falun-Gong-Anhängern am Brandenburger Tor in Berlin. Foto: iStock / Jedraszak

Im Jahr 1999 ließ die chinesische Regierung Falun Gong verbieten. Seitdem werden die Anhänger in China verfolgt, Angaben aus Falun-Gong-Kreisen zufolge auch gefoltert und getötet. Die staatliche Verfolgung ist auch das zentrale Thema der Epoch Times sowie des Senders New Tang Dynasty Television, der zum selben Unternehmen gehört. Kritik an Falun Gong und seinem Medienapparat weisen Anhänger häufig pauschal mit der Begründung zurück, man mache sich damit gemein mit dem chinesischen Staat. Experten streiten seit Längerem darüber, ob Falun Gong als Sekte zu bezeichnen ist. Unzweifelhaft ist hingegen die politische Ausrichtung der von Falun-Gong-Anhängern betriebenen Epoch Times.

Ein Blick auf die deutsche Epoch Times

In den 2010er Jahren ritt die Epoch Times auf der Welle der flüchtlingsfeindlichen Bewegungen. Als Deutschland im Jahr 2015 Hunderttausende Geflüchtete aufnahm, übertrug die Epoch Times Pegida-Demonstrationen im Livestream und verbreitete antisemitische Verschwörungserzählungen über angebliche jüdische Profiteure der Flüchtlingsbewegungen.

Pegida

Ab 2014 demonstrieren die „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ zunächst jeden Montag in Dresden. Die Demonstrationen, die erst im Herbst 2024 endeten, waren geprägt von deutlichem Rassismus und Islamfeindlichkeit. Als Redner traten unter anderem der rechtsextreme AfD-Politiker Björn Höcke und der österreichische Rechtsextremist Martin Sellner auf. Ein weiterer Redner verübte mehrere Sprengstoffanschläge in Dresden, unter anderem an einer Moschee.

Etwas später verbreitete sich zunächst in den USA, dann auch Deutschland ein Verschwörungsmythos unter dem Titel QAnon. Dessen Anhänger betrachten Donald Trump als Heilsbringer im Kampf gegen einen angeblich im Geheimen operierenden „Tiefen Staat“, der unter anderem in großem Stil Kinder entführen und missbrauchen würde. QAnon beinhaltet mehrere Neuauflagen uralter antisemitischer Verschwörungsmythen, wie der „jüdischen Weltverschwörung“ oder der Ritualmordlegende. In den vergangenen Jahren wurden mehrere Gewalttaten von QAnon-Anhängern verübt, und auch am Sturm auf das Kapitol im Januar 2021 in der US-Hauptstadt Washington waren viele QAnon-Anhänger beteiligt. Auch die Epoch Times trug mit Artikeln zur Verbreitung von QAnon-Inhalten bei. Zudem übersetzte die Epoch-Times-Mitbegründerin Renate Lilge-Stodieck Botschaften aus der Szene ins Deutsche. Viele dieser Artikel sind mittlerweile nicht mehr auffindbar, können aber noch in Internetarchiven abgerufen werden.

Im Vergleich dazu wirkt die deutsche Epoch Times heute seriöser – zumindest auf den ersten Blick. Epoch-Times-Autor Erik Rusch ist inzwischen Mitglied der Bundespressekonferenz und nimmt regelmäßig an Regierungspressekonferenzen teil. Eine kritische Auseinandersetzung mit den inzwischen gelöschten, offen verschwörungsideologischen, antisemitischen und rassistischen Artikeln gab es jedoch nicht. Und auch Verschwörungstheorien spielen weiter eine Rolle, zum Beispiel in völlig unkritischen Berichten über Querdenken-Veranstaltungen oder im Interview mit Jürgen Elsässer, dem Gründer des rechtsextremen Compact-Magazins.

Renate Lilge-Stodieck, Mitbegründerin der Epoch Times, zu sehen in einem Video von New Tang Dynasty Television. In dem Video erzählt sie, wie ein Arzt der Falun-Gong-Bewegung ihren Heuschnupfen kurierte.
Renate Lilge-Stodieck, Mitbegründerin der Epoch Times, erzählt in einem Video für New Tang Dynasty Television, wie sie mit Falun-Gong-Medizin angeblich ihren Heuschnupfen los wurde: „Ich danke meinem Meister jeden Tag.“ Foto: Screenshot ntdtv.com

Die Epoch Times kooperiert sogar direkt mit Verschwörungsideologen: Leser des einschlägig bekannten Kopp-Verlags können Artikel der deutschen Epoch Times kostenfrei und ohne Bezahlschranke lesen.

Die deutsche Belegschaft besteht zumindest zu einem Großteil aus Falun-Gong-Praktizierenden. Moderatoren der Epoch-TV-Sendungen verteilten in der Vergangenheit auf Falun-Gong-Veranstaltungen Werbematerial. Außerdem werden sie regelmäßig als Werbegesichter für Falun Gong genutzt, ohne dass ihre Rolle innerhalb des PR-Apparats der Bewegung deutlich gemacht wird. Artikel von Li Hongzhi werden auf den Startseiten von Epoch-Times-Ausgaben unterschiedlichster Sprachen prominent verlinkt.

Kopp-Verlag

Der KoppVerlag mit Sitz in Rottenburg am Neckar vertreibt pseudowissenschaftliche, rechtsextreme und verschwörungsideologische Schriften. Das anvisierte Publikum glaubt an UFOs, antisemitische Weltverschwörungserzählungen, kremlnahe Propaganda oder daran, dass die Mondlandung 1969 ein großer Fake war. Die frühere Tagesschau-Sprecherin Eva Herman veröffentlichte nach ihrem Ausstieg aus der Welt seriöser Medien regelmäßig Beiträge und Bücher beim KoppVerlag und verbreitete dort unter anderem Verschwörungstheorien über das Unglück bei der Loveparade 2010.

Epoch Times und Donald Trump

Auch in den USA hat die Epoch Times über Jahre sowohl Donald Trump als auch Verschwörungsgläubige gestützt. Im Vorfeld der US-Präsidentschaftswahl 2020 schaltete sie dort tausende Facebook-Werbeanzeigen im Wert von etwa 2 Millionen US-Dollar, um Donald Trump zu unterstützen und Verschwörungserzählungen zu verbreiten. Bei vielen der Anzeigen wurde dabei der Absender verschleiert. Statt von der Epoch Times direkt wurden sie über Facebook-Seiten mit Titeln wie „Honest Paper“, „Patriots of America“ oder „Pure American Journalism“ verbreitet, die dann aber auf die Epoch Times verwiesen.

Eine Frau verteilt in Hongkong mehrsprachige Ausgaben der Zeitung The Epoch Times, auf deren Titelseite der frühere US-Präsident Donald J. Trump zu sehen ist.
Die Epoch Times hat Wahlwerbung für Donald Trump gemacht. Foto:  IMAGO / ZUMA Press Wire

Die Unterstützung der Epoch Times für das Trump-Lager wird besonders an einer Personalie deutlich. Ein ehemaliger Mitarbeiter des Mediums ist mittlerweile Direktor der US-Bundespolizeibehörde FBI: Kash Patel war vor seinem Regierungsjob Moderator der nach ihm benannten Epoch-Times-Sendung Kash’s Corner. Wie auch seine früheren Kollegen in Deutschland hat Patel selbst an der Verbreitung von QAnon-Inhalten mitgewirkt. Patel ist auch Autor einer eigenen Kinderbuchreihe, in der er die Verschwörungserzählung verbreitet, die US-Demokraten hätten im Jahr 2020 Wahlbetrug begangen und damit Donald Trump um seinen Wahlsieg gebracht.

Betont gemäßigt: Die neue Strategie der Epoch Times

Rechtsextreme und Verschwörungsideologen konnten in den vergangenen Jahren nicht nur in der deutschen und der US-Ausgabe der Epoch Times Desinformation und Ressentiments verbreiten. Der inzwischen verstorbene rechtsextreme Politiker Jean-Marie Le Pen wurde 2019 in der französischen Ausgabe ausführlich mit der Behauptung zitiert, der Brand der Notre-Dame sei durch Brandstiftung verursacht worden und stünde im Zusammenhang mit Migration nach Frankreich. Nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen Sprachen im Ausland wirkte der Ton zuletzt gemäßigter. Zwar platziert die Epoch Times weiterhin Rechtsextreme und Verschwörungsideologen unkritisch zwischen seriös wirkenden Beiträgen, verzichtet aber weitestgehend auf direkte Attacken in eigenen Beiträgen deutschsprachiger Autoren. 

Das dürfte jedoch mehr Strategie als inhaltlicher Wandel sein und auch mit Aufrufen Li Honghzis zusammenhängen: Nach dem Bekanntwerden von Geldwäschevorwürfen gegen einen hochrangigen Mitarbeiter der Epoch Times hatte er in mehreren Gastbeiträgen von persönlichen Angriffen, vor allem auf US-Politiker, abgeraten und warnte vor „dämonischen Wesen“, die Anhängern von Falun Gong in die Quere kommen könnten.

 Weiterführende Artikel

  • „Wie Geflüchtete die ‚Epoch Times‘ gerettet haben – Teil 1“, Belltower.News, 14. Juni 2017
  • „‚EpochTimes‘ – 67 Millionen Dollar“, Süddeutsche Zeitung, 6. Juni 2024
  • „Im Affekt: Farbenfroh und homophob“, WOZ, 13. Februar 2025
  • „Nicht kritikfähig“, Frankfurter Rundschau, 26. Januar 2019
  • „Chinesische Sekte Falun Gong in der Bundespressekonferenz“, Volksverpetzer, 19. Februar 2025

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