Krautzone im Überblick

Magazin für eine junge Zielgruppe
Die Krautzone lässt sich in aller Kürze zusammenfassen: Minimale Themenvielfalt bei maximaler Wuterzeugung. Die Bandbreite ist schnell überblickt: Migration und Flucht werden pauschal als Einwanderung Krimineller, Sozialleistungsempfänger und Sexualstraftäter dargestellt, die alle als Gefahr für Sicherheit und Zusammenhalt inszeniert werden, die AfD ist gut, Grüne sind schlecht und Klimaschutz und Energiewende sind unnötige Projekte. Soweit unterscheidet sich Krautzone kaum von anderen Empörungsmedien wie Compact oder PI News. Allerdings handelt es sich hier um eines der wenigen Projekte, die gezielt ein jüngeres Publikum ansprechen möchten, ähnlich wie das gescheiterte identitäre Arcadi-Magazin, das als Lifestyle-Magazin für junge Rechtsextreme nach kaum fünf Jahren von der Bildfläche verschwand.
Krautzone: Reichweite, Zielgruppe, Geschäftsmodell
Krautzone gibt es seit mehr als sieben Jahren. Gegründet im Jahr 2017 zunächst als reine Online-Plattform, dann auch als Printheft ab 2019. Die Website wird laut Analysedienst Similarweb etwa 44.000 mal im Monat aufgerufen (Stand August 2026). Krautzone betreibt außerdem Accounts auf Facebook (mehr als 12.000 Follower), Instagram (34.000 Follower), Youtube (39.000 Abonnenten), Telegram (9.500 Follower) und X (47.500 Follower).

Das Projekt finanziert sich vor allem über den Verkauf des Heftes und kostenpflichtige Abonnements. Die digitale PDF-Ausgabe gibt es ab 35,90 Euro im Jahr, das „Kaiserabo” inklusive Online-Bezahlartikeln und Sonderausgabe für 150 Euro im Jahr. Ende 2024 gab es eigenen Angaben zufolge 2.250 Abonnenten. Krautzone betreibt zudem einen eigenen Shop für Fanartikel und Bücher aus dem hauseigenen Verlag. Um neue Abonnenten zu gewinnen, schaltet Krautzone auch Anzeigen. Zum Beispiel wurden Leser des rechtsextremen, vom Verfassungsschutz beobachteten Blogs PI News mit Vergünstigungen geködert: Mit einem Rabattcode gab es 15 Prozent Rabatt im Krautzone-Shop.
Wie Krautzone mit Infografiken Reichweite gewinnt
Das Erfolgsrezept von Krautzone besteht im Kopieren eines Erfolgsrezeptes: Die Macher haben sich offensichtlich am Konzept des Katapult Magazins bedient, das seine Bekanntheit vor allem seinen eingängigen Infografiken in sozialen Medien verdankt. Krautzone produziert seit einiger Zeit Infografiken, die denen des anderen Magazins mit demselben Anfangsbuchstaben äußerst ähnlich sehen. Die Stoßrichtung ist dabei häufig dieselbe: Es geht vor allem um Migration (Narrative: schlecht, gefährlich, kostet nur), Geschlechterrollen (anno 1950 war alles besser) und Klima (Klimakrise übertrieben, Klimaschutz unnötig, sinnlos und kostet nur). Mit seinen Grafiken erreicht das Magazin auch Menschen außerhalb der Kernzielgruppe. Im Juli 2025 verbreitete Welt-Moderatorin Nena Brockhaus eine Krautzone-Grafik mit Bezug zur Zahl der Steuerzahlenden in Deutschland, deren Berechnungsgrundlage umstritten ist.
Das Online-Angebot besteht hauptsächlich aus Meinungsbeiträgen verschiedener Kolumnisten und Kolumnistinnen. Außerdem produziert Krautzone einen eigenen Podcast sowie Videos für Social-Media-Plattformen. Die ideologische Ausrichtung wird in zahlreichen Posts und Beiträgen schnell erkenntlich: Regelmäßig beteiligen sich die Autoren an rechten Hetzkampagnen oder werben für rechtsextreme Aktivisten und Politiker, wie Martin Sellner, Ulrich Siegmund oder Björn Höcke. Sellner wird auf der Website des Magazins zudem als einer von mehr als 30 Autoren genannt. Auch der rechtsextreme Kampfbegriff der „Remigration“ fällt in vielen Posts und Beiträgen, ebenso wie die Verschwörungserzählung vom „Großen Austausch“, die behauptet, es gebe einen Geheimplan, um die weiße Bevölkerung in Ländern wie Deutschland durch Zuwanderung zu ersetzen. Auch die Social-Media-Kanäle enthalten zahlreiche rassistische, oft auch äußerst vulgäre Posts.
„Großer Austausch“
Der „Große Austausch“ ist eine zentrale Verschwörungserzählung der extremen Rechten, die vorgibt, es gebe einen geheimen Plan, die weiße Bevölkerung in europäischen Ländern, den USA oder Australien durch nicht-weiße Migranten und Geflüchtete zu ersetzen. Als Hinterleute dieser vermeintlichen Verschwörung werden häufig jüdische Personen benannt. Andere Begriffe, die häufig als Synonyme genutzt werden, sind „Umvolkung“, „Volkstod“ oder „Ersetzungsmigration“.
Wer steckt hinter Krautzone?
Gegründet wurde das Magazin von Hannes Plenge und Florian Müller. Beide haben früher für das neurechte Magazin eigentümlich frei geschrieben, Müller außerdem für das neurechte Jugendmagazin Blaue Narzisse. Müller ist zudem Moderator einer Videoserie auf dem Youtube-Kanal des Vereins EIKE, der seit Jahren zu den führenden Lobbyorganisationen im Bereich der Klimawandelleugnung zählt. Mehrere aktuelle und frühere Krautzone-Kolumnisten sind oder waren entweder Teil von Organisationen, die vom Verfassungsschutz beobachtet werden – oder wurden rechtskräftig wegen Straftaten verurteilt.
Rechtsextreme Influencer als Autoren
Dazu gehört zum Beispiel Aron Pielka, besser bekannt unter dem Pseudonym Shlomo Finkelstein. Auf seinem früheren Youtube-Kanal waren immer wieder dieselben Szenen zu sehen: über einem brennenden Koran wird Schweinefleisch gegrillt. Jemand uriniert auf einen Koran. Pielka betreibt das, was man im Englischen als „irony poisoning“, also Ironievergiftung, bezeichnet. In Ironie verkleidete Menschenverachtung, die dem Publikum Hass gegenüber Minderheiten und politischen Gegnern vermittelt. Pielka wurde unter anderem wegen Volksverhetzung zu einer Bewährungsstrafe verurteilt und verbrachte schließlich einige Monate in Haft, weil er sich nicht an die Bewährungsauflagen hielt. Er gilt außerdem als Mitinitiator des nationalistischen und queerfeindlichen „Stolzmonats“.

Auch Reinhild Boßdorf schreibt schon lange für die Krautzone und tritt als Influencerin in der rechtsextremen Szene auf. Sie ist das bekannteste Gesicht von Lukreta, einer Frauengruppe, die vom Verfassungsschutz als Nachfolgeprojekt der Identitären Bewegung eingeordnet wird. Das liegt nahe, denn Boßdorf war auch eine der Aktivistinnen hinter einer identitären Kampagne namens 120dB. Beiden Projekten ist gemein, dass sie sich als Frauen vorgeblich zum Schutz von Frauen einsetzen. Gewalt gegen Frauen wird allerdings immer als Bedrohung von „außen“ dargestellt und nur dann besprochen, wenn sie von Migranten, Geflüchteten oder Menschen mit Migrationsgeschichte verübt wird. Sie ist die Tochter der AfD-Europaabgeordneten Irmhild Boßdorf. Auch der identitäre Aktivist Alexander „Malenki“ Kleine schreibt für die Krautzone.
Lukreta
Lukreta ist ein Projekt aus dem Umfeld der rechtsextremen Identitären Bewegung. Es wurde 2019 gegründet und möchte vor allem junge Frauen erreichen. Die Mitglieder geben vor, sich gegen sexualisierte Gewalt gegen Frauen zu engagieren, beziehen diese Aktivitäten jedoch ausschließlich auf Täter, die geflüchtet sind oder einen Migrationshintergrund haben und stellen Angehörige dieser Personengruppen insgesamt als gefährlich dar.
Krautzone und AfD
Zwischen Krautzone und der AfD gab und gibt es zahlreiche direkte Verbindungen. Der frühere Kolumnist Felix Alexander Cassel war beispielsweise Landesvorsitzender der rechtsextremen Jungen Alternative in Nordrhein-Westfalen, die unter anderem wegen der Beobachtung durch den Verfassungsschutz aufgelöst wurde. Er warb für Martin Sellners Deportationsfantasien und postete Fotos mit dem rechtsextremen Verleger Götz Kubitschek. Cassel wurde 2024 unter anderem zu einer Bewährungsstrafe verurteilt, weil er 2019 in Köln einen Gegendemonstranten mit dem Auto angefahren hat. Das Urteil ist rechtskräftig.
Mit Maximilian Kneller sitzt seit 2025 ein Krautzone-Autor für die AfD im Bundestag. Knellers Mandat wurde entsprechend gewürdigt: „Und mit dem Kollegen Maximilian Kneller hat nun auch endlich die KRAUTZONE ihre wohlverdiente Vertretung im bundesdeutschen Parlament gefunden.“ Kneller fungiert als Redakteur, schreibt nach wie vor Artikel und Kolumnen für die Krautzone-Printausgabe und veröffentlichte auch ein gemeinsames Video mit dem Krautzone-Instagram-Account aus dem Bundestag. Im Jahr 2021 veröffentlichte er ein Buch im Verlag von Plenge und Müller, der auch Krautzone herausgibt.
Krautzone-Autor äußerte Vergewaltigungsfantasien
Kneller wurde unter anderem durch eine kurze schauspielerische Einlage bekannt, die einige Jahre zurückliegt: Bei einem Dreh des ARD-Magazins Panorama mimte Kneller den interessierten Passanten an einem AfD-Wahlkampfstand, obwohl er kurz zuvor noch selbst Flyer für die Partei an eben jenem Stand verteilt hatte. Kneller wurde wegen Beleidigung zu einer Geldstrafe verurteilt, weil er auf Facebook eine Vergewaltigungsfantasie gegenüber einer Politikerin der Jungen Liberalen äußerte. Kneller war zur selben Zeit wie Krautzone-Gründer Müller als Autor für die Blaue Narzisse aktiv – seine Tätigkeit für das neurechte Magazin fand im Jahr 2019 Erwähnung im AfD-Gutachten des Bundesamtes für Verfassungsschutz.
Weiterführende Artikel:
- „Rechtsextreme Influencer: Netzwerk in NRW“, WDR, 6. September 2024
- „Undercover bei ‚Lukreta‘ – junge Frauen im Visier der AfD I RTL Nachtjournal“, RTL Aktuell, 6. Oktober 2025
- „Die Meinungsfreiheit, die sie meinen“, Correctiv, 4. Juli 2025
- „Hippe Hetze und Prepper-Produkte“, Belltower News, 7. September 2022
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