RT DE im Überblick

RT DE, früher RT Deutsch, ist der deutschsprachige Ableger des russischen Auslandsstaatssenders RT, der 2005 noch unter dem Namen Russia Today an den Start ging. Der Startschuss für RT DE fiel Ende 2014, nur wenige Monate nachdem Russland die ukrainische Halbinsel Krim völkerrechtswidrig annektiert hatte. RT DE ist ein Staatssender in dem Sinne, dass er nicht nur vom russischen Staat finanziert wird, sondern ideologisches Sprachrohr der Regierung ist. Dazu gehört auch die konstante Negativberichterstattung über außenpolitische Gegner. Die Russland-Expertin Susanne Spahn beschreibt die Berichterstattung von RT DE wie folgt: „Der Schwerpunkt der Berichterstattung liegt dabei auf der behaupteten Dysfunktionalität Deutschlands und der westlichen Demokratien.“
EU-Sanktionen gegen RT
Nach dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die gesamte Ukraine im Februar 2022 wurden die Angebote von RT für die EU, inklusive RT DE, neben anderen Staatsmedien durch die Europäische Union sanktioniert. Seitdem darf RT für die Dauer der Sanktionen in den Ländern der EU nicht senden. Das führte dazu, dass Websites und Social-Media-Accounts in der EU weitestgehend nicht mehr abrufbar sind. RT DE hat jedoch diverse Strategien entwickelt, um weiter empfangbar zu sein. Dazu gehören etwa neue Adressen für die Website oder Social-Media-Kanäle, die auf den ersten Blick keinen direkten Zusammenhang zu RT DE vermuten lassen, aber zum Sender gehören.
Sanktionen gegen russische Staatsmedien
Die EU hat kurz nach Beginn der Invasion Russlands in der Ukraine Sanktionen gegen die russischen Staatsmedien RT (früher Russia Today) und Sputnik/SNA verhängt. Seitdem dürfen die Sender ihr Programm nicht mehr innerhalb der EU senden oder anbieten, Mitarbeitende aber weiter tätig sein. Beide Sender nutzen seitdem verschiedene Wege, um die Sanktionen zu umgehen.
RT DE im Ukraine-Krieg: Propaganda und Desinformation

Seit 2022 veröffentlicht RT DE regelmäßig propagandistische Berichte und Meinungsbeiträge über den Krieg gegen die Ukraine. Dabei wird stets der offiziellen Linie des Kremls gefolgt: RT DE konzentriert sich darauf, tatsächliche oder vermeintliche Erfolge der russischen Armee zu glorifizieren und die Ukraine, die ukrainische Regierung und das ukrainische Militär zu verunglimpfen. Russische Kriegsverbrechen in der Ukraine werden entweder verschwiegen oder, wie im Fall der Gräueltaten von Butscha, aktiv geleugnet. Das Staatsmedium beteiligt sich auch an der Verbreitung von Verschwörungserzählungen und gezielt gestreuten Falschmeldungen. RT DE beteiligte sich beispielsweise im Mai 2025 mit einem Artikel und einem Video an einer Desinformationskampagne, die den Staatschefs Emmanuel Macron, Keir Starmer und Friedrich Merz fälschlicherweise unterstellte, sie hätten auf einer gemeinsamen Zugfahrt nach Kyjiw Kokain konsumiert.
Margarita Simonjan: Die Frau hinter RT
RT steht unter der Leitung von Margarita Simonjan, die ebenfalls zum Führungspersonal des staatlichen Medienunternehmens Rossiya Segodnya gehört. Rossiya Segodnya verantwortet unter anderem den Staatssender Sputnik, der in Deutschland als SNA aktiv war, und die staatliche Nachrichtenagentur RIA Novosti. Die Mittvierzigerin übernahm den Job schon im Alter von 25 Jahren. Seit 2022 wurde Simonjan mehrfach wegen ihrer Rolle als eine der wichtigsten Propagandistinnen Putins sanktioniert. Sie war außerdem Autorin einer Romantikkomödie, die vom russischen Staat finanziert wurde. Der Plot: Eine Liebesgeschichte rund um den Bau der Krimbrücke. Das Ziel: Die völkerrechtswidrig annektierte Krim als Teil von Russland darstellen. Regisseur des Films: Simonjans inzwischen verstorbener Ehemann.

In den vergangenen Jahren äußerte sich Margarita Simonjan vielfach über die inhaltliche Ausrichtung von RT und die Frage nach dem Einfluss des Kreml. Zwar beteuerte sie immer wieder die angebliche Unabhängigkeit von RT von Putin, wichtiger sind jedoch einige Äußerungen Simonjans, die ein völlig anderes Bild zeichnen. In einem Interview mit dem russischen Onlinemedium lenta.ru sprach sie etwa über die Rolle von RT in einem „Informationskrieg”. Ein Jahr zuvor verglich sie den Kostenaufwand des russischen Staates für RT mit den Kosten für das Verteidigungsministerium. Auf X zeigt sie sich seit Jahren offen als loyal gegenüber Putin und jubelt 2018: „Früher war er nur unser Präsident, und wir konnten ihn ersetzen. Jetzt ist er unser Führer. Und wir werden nicht zulassen, dass er ersetzt wird.”
Wer ist wichtig bei RT DE?
Bei RT DE zählt Rainer Rupp zu den Gesichtern der ersten Stunde. Während des Kalten Krieges stand Rupp im Dienste der Stasi und spionierte für sie über Jahre das Nato-Hauptquartier aus. In den 1990er Jahren wurde er deshalb zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. Rupp war schon 2014 als Interviewgast beim frisch gestarteten deutschen RT-Ableger zu sehen. Im fünften Jahr des russischen Angriffskriegs ist Rupp weiterhin als Autor für RT DE aktiv. In einem seiner Beiträge verbreitet er eine antisemitische Verschwörungserzählung, nach der der US-Kongress durch „Zionisten” kontrolliert würde.
Auch ein Schlossherr ist unter den RT-DE-Mitarbeitenden: Alexander von Bismarck ist Moderator der RT-DE-Sendung „Realpolitik mit Alexander von Bismarck”. Das frühere CDU-Mitglied geriet unter anderem wegen seiner Teilnahme am Potsdamer Geheimtreffen in die Schlagzeilen. Er war außerdem einer der Gründer eines pro-russischen Nachrichtenportals, dessen Impressum auf das Bismarck-Schloss in sachsen-anhaltischen Döbbelin verweist. Im Januar 2025 startete er ein neues Diskussionsformat auf Youtube, in dem er unter anderem mit dem russischen Botschafter in dessen Amtssitz sowie früheren und derzeitigen RT-Mitarbeitenden plaudert.

Antidemokratische Allianzen
Schon 2016 berichtete die ehemalige RT-DE-Mitarbeiterin Lea Frings im Interview mit dem Medienmagazin Zapp, dass ihre ehemalige Redaktion Propaganda betreibe: „Man zeigt nicht das ganze Bild.” Frings sprach davon, dass RT DE gezielt um Zuschauer aus rechten und verschwörungstheoretischen Kreisen werbe und entsprechend Interviewgäste mit ähnlichem Hintergrund zu Wort kommen lasse. Auch in den 2020er Jahren spielt RT DE eine entsprechende Rolle in der Szene: In der ersten Woche der russischen Invasion in der Ukraine gehörte RT DE einer Analyse der gemeinnützigen Organisation CeMAS (Center für Analyse, Monitoring und Strategie) zufolge zu den am häufigsten geteilten Medien und medienähnlichen Websites in verschwörungsgläubigen Kanälen und Gruppen auf Telegram.

Während der Pandemie schlug sich RT DE auf die Seite der Querdenken-Bewegung. RT sendete damals Zusammenfassungen sowie ganze Sitzungen des selbsternannten „Corona-Ausschuss”, in dem Verschwörungsgläubige, Impfgegner und andere Akteure sich stundenlang austauschten und dabei auch Desinformation und Verschwörungserzählungen zum Besten gaben. Zu den Protagonisten der Gruppe um den „Corona-Ausschuss” gehörte beispielsweise Reiner Fuellmich, der wegen der Veruntreuung von Spendengeldern für eben jene Gruppe zu einer Haftstrafe von drei Jahren und neun Monaten verurteilt wurde. Er soll mehrere hunderttausend Euro auf sein Konto eingezahlt und unter anderem für die Umgestaltung seines Gartens und seine Scheidung genutzt haben. Das Urteil ist seit 25. August 2026 rechtskräftig.
Weiter auf Sendung trotz EU-Sanktionen
Der Youtube-Kanal von RT DE wurde bereits vor Russlands Angriff auf die gesamte Ukraine und den darauf folgenden EU-Sanktionen gesperrt. Begründet wurde die Sperrung damals mit der Verbreitung medizinischer Falschinformationen im Kontext der Corona-Pandemie. Die ausführlichen Beiträge über den „Corona-Ausschuss” dürften ihren Beitrag dazu geleistet haben. Dem Kanal folgten vor der Sperrung rund 600.000 Abonnenten. Seit RT DE in der EU sanktioniert ist, unternimmt das Staatsmedium unterschiedliche Versuche, um weiter verfügbar zu sein. Dabei fungieren auch Rechtsextreme und Verschwörungsideologen als Multiplikatoren, die die Inhalte von RT DE, darunter auch die täglichen Nachrichtensendungen, auf ihren eigenen Kanälen verbreiten. Außerdem nutzt RT Streaming- und Videoplattformen, die bei Rechtsextremen und Verschwörungsgläubigen besonders beliebt sind. Mehrere RT-Mitarbeitende und auch Margarita Simonjan sind zudem weiter auf X aktiv.
Einige RT-DE-Mitarbeitende haben nach der Verhängung der EU-Sanktionen ihre Jobs gewechselt. Dominik Reichert zog es zunächst nach Russland, wo er als Moderator der täglichen RT-DE-Nachrichtensendung auftrat. Er war außerdem Teil der Sendung Anti-Spiegel-TV, die er gemeinsam mit dem inzwischen ebenfalls sanktionierten, langjährigen Propagandisten und Verschwörungstheoretiker Thomas Röper moderierte. Die Sendung wurde auch von RT DE ausgestrahlt. Inzwischen ist Reichert wieder in Deutschland und arbeitet für das rechtsextreme Compact–Magazin. Der frühere RT-DE-Redakteur Florian Warweg wechselte erst zu den Nachdenkseiten, dann zur Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung von Herausgeber Holger Friedrich. Für die von Friedrich ebenfalls herausgegebene Berliner Zeitung schreibt auch der ehemalige RT-DE-Autor Thomas Fasbender. Der frühere RT-DE-Chefredakteur Ivan Rodionov verließ RT DE schon 2021 und betreibt seitdem mit mehreren Ex-Kollegen eine neue Plattform namens Infrarot, die sich in ihrer ideologischen Ausrichtung nicht sonderlich von RT DE unterscheidet.
Weiterführende Artikel:
- „RT DE – Leitmedium der ‚Alternativmedien‘“, Zentrum Liberale Moderne, April 2023
- „‚Mit wenigen Handgriffen‘: Wie RT DE die EU-Sanktionen umgeht“, Correctiv, 10. November 2022
- „Notizen aus Moskau: Staatsversagen“, Bundeszentrale für politische Bildung, 9. April 2018
- „Deutschland aus Sicht der russischen Propaganda“, Arte, 30. Juni 2022
- „Analyse: Narrative russischer staatlicher Medien über Corona-Impfstoffe im Westen“, Bundeszentrale für politische Bildung, 11. April 2022
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