Aktualisiert am 26. August 2026

Tichys Einblick im Überblick

Tabelle: Tichys Einblick im Überblick Wer steckt dahinter? Roland Tichy Wer kommt zu Wort? Hans-Georg Maaßen, Peter Hahne, Ulrich Vosgerau, Fritz Vahrenholt, Matthias Matussek Inhaltliche Ausrichtung: Rechtspopulismus, Wirtschaftsliberalismus, Klimaskepsis Nähe zur AfD: Ideologische Schnittmengen und Interviews, aber kein typisches Sprachrohr der Partei Warum problematisch? Eröffnet der Neuen Rechten zusätzliche Resonanzräume

Früher Ein-Mann-Blog, heute Printmagazin und Online-Portal

Tichys Einblick bezeichnet sich als „liberal-konservatives Meinungsmagazin“. Ursprünglich als Ein-Mann-Blog gestartet, erscheint es seit 2016 auch monatlich als Print-Magazin. Seine Auflage liegt bei etwa 28.000 Exemplaren, die Webseite erreichte im Juli 2026 laut Similarweb rund 4,3 Millionen monatliche Aufrufe. Zudem betreibt Tichys Einblick einen Youtube-Kanal mit ca. 353.000 Abonnenten (Stand: August 2026). Obwohl die Website mehrere typische Nachrichtenrubriken enthält, sind die Beiträge allesamt stark meinungsbetont und nur selten wirklich ausgewogen. Anfangs wurde Tichys Einblick noch differenzierter bewertet, mittlerweile stufen Beobachter das Blatt überwiegend als rechtspopulistisch ein.

Roland Tichy – Von der Wirtschaftswoche zu Tichys Einblick

Herausgeber ist der deutsche Publizist Roland Tichy, zuvor Chefredakteur diverser Wirtschaftsmagazine. Daneben war er lange ein führender Akteur wirtschaftsliberaler Denkfabriken, etwa als Vorstandsvorsitzender der CDU-nahen Ludwig-Erhard-Stiftung oder als Vorstandsmitglied der Aktionsgemeinschaft Soziale Marktwirtschaft (ASM). Nachdem Tichy im Jahr 2014 seinen Chefposten bei der Wirtschaftswoche offenbar nicht ganz freiwillig räumen musste, wandte er sich seinem gleichnamigen Blog zu. Frühere Weggefährten beschreiben ihn privat als sympathisch und humorvoll. Das Engagement für Tichys Einblick scheint ihn aber radikalisiert zu haben und prägt heute seine publizistische Arbeit. Auf dem Youtube-Kanal ist inzwischen auch sein Sohn Maximilian Tichy vermehrt präsent, der den Videobereich bei Tichys Einblick verantwortet. 

11.10.2017 in Frankfurt am Main, Messe Buchmesse 2017, Tichys Einblick ist eine Online-Zeitung und ein Monatsmagazin des deutschen Publizisten Roland Tichy
Roland Tichy an seinem Tichys-Einblick-Stand auf der Frankfurter Buchmesse im Jahr 2017. Foto: IMAGO / aal.photo

Einen Großteil der Anteile am Medium hält eine GmbH, deren alleiniger Gesellschafter Roland Tichy ist. Neben etwaigen Vertriebs- und Werbeeinnahmen verfügt Tichys Einblick auch über einen Webshop, in dem einschlägige Bücher angeboten werden. Im Jahr 2025 zählten zu den Inserenten im gedruckten Magazin vor allem Unternehmen wie BB Wertmetall oder Flexgold und ideologisch nahestehende Publikationen (Smart Investor, Langen Müller Verlag). Ob Tichys Einblick daneben größere Spenden von Einzelpersonen oder Organisationen erhält, ist öffentlich nicht bekannt.

Online und Print: „Bei Tichy hat der verbale Ausfall System“

Durch die Beiträge von Tichys Einblick zieht sich eine gemeinsame Erzählung vom Niedergang Deutschlands. Zu den Feindbildern zählen die deutsche Bundesregierung, der Öffentlich-Rechtliche Rundfunk oder das linksliberale „Establishment“, das Andersdenkende unterdrücke oder erziehen wolle. Das Medium inszeniert sich dabei gerne als Verfechter der Meinungsfreiheit, die hierzulande etwa durch staatliche Regulierung oder Faktenchecks bedroht sei. Der Journalist Imre Grimm zählt Tichys Einblick zu den „parajournalistische(n) Portale(n)“, die „Themen durch bewusstes Verkürzen und Weglassen“ framen und „sich dabei als die wahren Hüter der Pressefreiheit“ darstellen würden.

Zu seiner Anfangszeit besetzte Tichys Einblick noch eine gewisse Marktlücke für bürgerliche Wählerschichten, die Angela Merkels Flüchtlingspolitik kritisch gegenüberstanden. Mittlerweile gibt es bei seiner inhaltlichen Ausrichtung große Überschneidungen mit den Positionen der AfD, vor allem bei Migration, EU-Kritik, Klimaschutz und „Wokeness“. Im Unterschied zu anderen rechtsalternativen Medien arbeitet Tichys Einblick aber nicht mit plumpen Verschwörungstheorien, sondern stellt seine ideologischen Gegner meistens als inkompetent oder naiv dar. Das Medium dürfte deshalb auch bei Konservativen anschlussfähiger sein.

Falschbehauptungen und Polemik

Obwohl die Meinungsbeiträge intellektuell bis gehoben wirken, enthalten sie immer wieder irreführende Informationen: 2018 suggeriert ein Autor Ermittlungen gegen deutsche NGOs wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung, bloß weil man von behördlicher Seite kein Dementi erhalten hat. 2021 rückt Tichys Einblick eine muslimische Arbeitsgemeinschaft in die Nähe islamistischer Extremisten, was von einem Gericht anschließend untersagt wird. Im Jahr 2025 schreibt Roland Tichy zum Amokfahrer von Mannheim von einem Täter „dunkler Hautfarbe“ – eine Falschmeldung, die dennoch online bleibt. Das Oberlandesgericht Stuttgart bestätigte die Bezeichnung von Tichys Einblick als „neurechte Plattform, deren Geschäftsmodell auf Hetze und Falschbehauptungen beruht“ durch die Grünen-Politikerin Claudia Roth als noch zulässige Meinungsäußerung.

EIKE

Das Europäische Institut für Klima & Energie ist ein seit 2007 eingetragener Verein aus Jena, der den wissenschaftlichen Konsens über den menschengemachten Klimawandel leugnet. EIKE pflegt enge Verbindungen zur Alternative für Deutschland (AfD) und rechtslibertären US-Thinktanks. Zudem wird der Lobby-Verein gerne von rechten „Alternativmedien“ positiv rezipiert.

In der Vergangenheit sorgte aber vor allem der polemische Sprachstil bei Tichys Einblick für öffentliches Aufsehen. Zu den Fluchtbewegungen 2015/16 ist etwa von „Merkels schnellem Bevölkerungsimport“ die Rede. In einem anderen Beitrag werden „grün-linke Gutmenschen“ als „geistig-psychisch krank“ bezeichnet, woraufhin Tichy im Jahr 2017 als Herausgeber des Business-Netzwerks Xing News zurücktritt. Und während der Pandemie empfiehlt eine seiner Autorinnen zu Impfnachweisen: „Lügen Sie“. Wegen derartiger Formulierungen stößt Tichys Einblick auch in Teilen des bürgerlichen Lagers auf Ablehnung. 

2018 verweigert Friedrich Merz (CDU) einen Preis der Ludwig-Erhard-Stiftung, weil er mit deren Vorsitzendem Tichy angeblich nicht auf einer Bühne stehen will. In der Folge treten mehrere Jurymitglieder zurück, eines davon bezeichnet die aggressive Sprache in Tichys Einblick als eine „Gefahr für die Demokratie, weil sie permanent Unzufriedenheit schürt“. Rund zwei Jahre später kündigt die damalige CSU-Staatsministerin Dorothee Bär ihren Austritt aus der Ludwig-Erhard-Stiftung an, Grund dafür ist ein sexistischer Kommentar auf Tichys Einblick über eine SPD-Politikerin. In der Öffentlichkeit erklärt Bär: „Bei Tichy hat der verbale Ausfall System“.

Wissenschafts- und Klimaskepsis

Auffallend viel Raum nimmt bei Tichys Einblick das Thema Energiewende ein. Auf der Onlineseite gibt es eine eigene Rubrik namens „Klima-Durchblick“, in der die Autoren gegen den Ausbau erneuerbarer Energien anschreiben und meistens für die Beibehaltung der Kernkraft eintreten. 2025 erscheint sogar eine Spezialausgabe zum „Klima- und Energiekomplex“. Auch hier verbreitet Tichys Einblick immer wieder irreführende Meldungen, die ins eigene Narrativ passen – so etwa, dass Frankreich sämtliche Genehmigungen für Windkraftanlagen aufgehoben hätte oder Spaniens Blackout mit einer Überproduktion von PV-Anlagen zusammenhängen könnte. In den Beiträgen fallen zudem gerne Begriffe wie „Klima-Hysterie“, „Klima-Ideologie“ oder „Klima-Apokalyptiker“. Schon seit längerem wird dem Medium vorgeworfen, Zweifel an fundierter Klimawissenschaft zu schüren.

Anti-Grünen-Kampagnen und Lobbyverbindungen

Compact, eine rechtsextreme deutsche Monatszeitschrift, neben Tichys Einblick in einem Bahnhofskiosk in Stuttgart. 19.10.2024. Stuttgart, Baden-Württemberg, Deutschland
Tichys gedrucktes Monatsmagazin in einer Bahnhofsbuchhandlung. Foto: IMAGO / aal.photo

Passend dazu pflegt Tichys Einblick eine besondere Abneigung gegen die Grünen, wie mehrere Titelseiten der Printausgabe deutlich machen: „STOPPT GRÜN!“, „Grün macht arm“, „Deutschland wäre so schön ohne die Grünen“. Im Frühjahr 2022 beendet ein Autor seine Tätigkeit für Tichys Einblick, nachdem positive Passagen in seinem Text über Annalena Baerbock ins Negative verkehrt wurden. Die Ablehnung grüner Politik steht in Einklang mit Verbindungen des Mediums zu bestimmten Lobbyorganisationen: Mehrere Autoren referierten in der Vergangenheit bei Vernunftkraft, einem Dachverband von Anti-Windkraft-Initiativen.

Auch EIKE wurde in einem Beitrag Tichys schon gelobt, umgekehrt verlinkt der Klimawandelleugner-Verein auf seiner Website häufig zu Beiträgen des Magazins. Im Jahr 2024 lud Tichys Einblick zu einem Stuttgarter „Bürgergipfel“, bei dem EIKE als Partner angeführt wurde. In seinem Jahresrückblick 2025 nannte der Verein die Zusammenarbeit mit „alternativen Medien” als Arbeitsschwerpunkt und führte dabei ausdrücklich Tichys Einblick an.

Wer kommt bei Tichys Einblick zu Wort?

Neben Tichy selbst schreiben für das Magazin zahlreiche (Gast-)Autoren, die überwiegend dem konservativen bis rechten Spektrum entstammen. Dazu zählen ausgebildete Journalisten, Buchautoren oder Blogger, früher aber auch einzelne Politiker wie Frank Schäffler (FDP) und Kristina Schröder (CDU). Ein zentraler Akteur auf dem Blog war lange Hans-Georg Maaßen, der ehemalige Chef des deutschen Verfassungsschutzes. Ob in Interviews, Diskussionen oder Gastbeiträgen – über viele Jahre kam Maaßen bei Tichys Einblick prominent zu Wort und wurde dort laut dem Medienmanager Hans Demmel „nahezu kritiklos hochgejubelt“. Bis 2025 saßen Maaßen und Tichy gemeinsam im Vorstand eines Vereins, der sich für die „Förderung von Medienvielfalt und Meinungsfreiheit“ einsetzt.

Hans-Georg Maaßen

Hans-Georg Maaßen war Präsident des deutschen Verfassungsschutzes und bis 2025 Vorsitzender der Werte Union. 2018 wurde Maaßen wegen kontroverser Aussagen zu den Ausschreitungen in Chemnitz in den einstweiligen Ruhestand versetzt. Seither tritt er bevorzugt bei rechten „Alternativmedien“ auf, der Verfassungsschutz beobachtet Maaßen mittlerweile im Bereich Rechtsextremismus. 

Unter den Interviewpartnern von Tichys Einblick finden sich hauptsächlich Personen, die den eigenen Meinungskorridor widerspiegeln und den medialen „Mainstream“ kritisieren, darunter der frühere ZDF-Moderator Peter Hahne, Weltwoche-Chef Roger Köppel oder der AfD-nahe Anwalt Ulrich Vosgerau. Mittlerweile wird auch hochrangigen AfD-Politikern wie Alice Weidel oder Beatrix von Storch durch Interviews eine wohlwollende Bühne geboten. Eine offenkundige Sympathie zeigte das Medium außerdem gegenüber Ungarns früherem Ministerpräsidenten Viktor Orbán, inklusive Kolumnen von Vertretern des Fidesz-nahen Mathias Corvinus Collegium (MCC). Vor dem Hintergrund verwundert es nicht, dass Orbán Tichys Einblick auch schon Exklusiv-Interviews gab.

Zwischen rechter Szene und bürgerlicher Leserschaft

Das scheinbar gehobene, bürgerliche Auftreten von Tichys Einblick erweitert den Resonanzraum neurechter Bewegungen. Der Politikwissenschafter Tobias Fernholz bewertet das Magazin als „Scharnierorgan“, das eine diskursive Brücke von der radikalen Rechten ins bürgerliche Lager herstellt. Es dürfte somit eine umso größere Wirkmacht erzielen, wenn auf Tichys Einblick gegen das AfD-Gutachten des Verfassungsschutzes oder die Brandmauer der Union angeschrieben wird. So zeigen Untersuchungen, dass der Blog in der Vergangenheit zu den von der AfD am häufigsten geteilten Medien zählte.

Als reichweitenstarkes „Alternativmedium“ beteiligt sich Tichys Einblick gerne mit Beiträgen und Artikeln an Kampagnen aus dem rechten Lager, wie etwa gegen das Gebäudeenergiengesetz der Ampel-Regierung oder gegen die Richterkandidatin Dr. Frauke Brosius-Gersdorf. Mittlerweile fungiert das Medium offenbar auch als Bindeglied einschlägiger Vernetzungstreffen. Im März 2024 hielt Roland Tichy etwa einen Vortrag beim verschwörungsideologischen Kongress Wissensmanufaktur, sein Magazin war außerdem mehrere Jahre bei Events des MCC in Ungarn vertreten. Und seit 2025 findet mit Seitenwechsel eine neurechte Buchmesse in Halle statt, bei der Tichys Einblick als Medienpartner auftritt.

Weiterführende Artikel

  • „Sperrfeuer aus dem Schützengraben der Nachdenklichkeit“, Übermedien, 4. Februar 2016
  • „Eklat um Preisvergabe – Um keinen Preis auf einer Bühne mit Tichy stehen“, Süddeutsche Zeitung, 16. Juli 2018 
  • „Der Aufstieg der Mosaik-Rechten – Negative Öffentlichkeit und die prekäre Zukunft der Demokratie“, Blätter, Juni 2024
  • „Gegenerzählungen für ‚Selberdenker‘“, Journalistik, August 2024
  • „‚Tichys Einblick‘ – die konservative Alternative“, Süddeutsche Zeitung, 11. Oktober 2016
  • „AfD, Broder und Tichy verleumden Margot Käßmann als Rassistin“, Übermedien, 29. Mai 2017
  • „Sexistische Beleidigung gegen Sawsan Chebli – Erhard-Stiftung zieht die Notbremse“, Taz, 24. September 2020

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