Aktualisiert am 26. August 2026

Die Weltwoche im Überblick

Tabelle: Die Weltwoche im Überblick

Wer steckt dahinter? Roger Köppel

Wer kommt zu Wort? Roger Köppel, Philipp Gut, Thilo Sarrazin, Matthias Matussek, Hans-Georg Maaßen, Alice Weidel

Inhaltliche Ausrichtung: Rechtspopulismus, Wirtschaftsliberalismus, EU- und Klimaskepsis

Nähe zur AfD: Ideologische Schnittmengen, Interviews, Kolumnen von AfD-Spitzen

Warum problematisch? Verbreitet prorussische Narrative und bietet rechtspopulistischen bis autoritären Akteuren eine Bühne

Früher linksliberal, heute rechtspopulistisch

Die Weltwoche wurde bereits im Jahr 1933 als schweizerische Wochenzeitung gegründet und erscheint seit 2002 als Wochenmagazin. In der Schweiz liegt die Auflage bei etwa 39.000 Exemplaren, seit September 2023 gibt es eine eigene digitale Ausgabe für Deutschland. Die Website erreicht laut Analysedienst Similarweb etwa 840.000 Aufrufe im Monat. Ihrem Youtube-Kanal folgen über 470.000 Abonnenten (Stand: August 2026). Während das Blatt im 20. Jahrhundert noch linksliberal positioniert war, gilt Die Weltwoche heute als rechtspopulistisches „Alternativmedium“. Unter dem Slogan „Die andere Sicht“ veröffentlicht sie häufig einseitige bis polemische Beiträge und bietet rechten Parteien wie der AfD eine unkritische Bühne.

Roger Köppel: Die „Ein-Mann-Marke“

Hinter dem Kurswechsel steht der schweizerische Publizist Roger Köppel, seit 2001 Chefredakteur der Weltwoche und seit 2006 auch deren Verleger. Nach seiner Übernahme tauschte er die Redaktion nahezu komplett aus und brachte die Zeitschrift auf einen rechtskonservativen Kurs. Von 2015 bis 2023 war Köppel zudem amtierender Politiker der nationalkonservativen SVP, was regelmäßig für Diskussionen über die Vereinbarkeit mit seiner Tätigkeit als Journalist sorgte. Im Übrigen wurde der Weltwoche schon vor Köppels parteipolitischem Engagement eine Nähe zur SVP nachgesagt: 2012 forderten die Präsidenten mehrerer Parteien die Zeitschrift dazu auf, ihre Eigentumsverhältnisse offenzulegen. Grund hierfür waren in der Weltwoche veröffentlichte Bankdokumente, die der SVP-Politiker Christoph Blocher zuvor dem Bundesrat übergeben hatte.

Für das Wochenmagazin schreiben viele Personen aus dem wirtschaftsliberalen bis rechten Spektrum. Einer der bekannteren Autoren ist der Schweizer Journalist Philipp Gut, bis 2019 stellvertretender Chefredakteur der Weltwoche. Gut wurde aufgrund seiner Berichterstattung gleich zweimal wegen übler Nachrede verurteilt. Neben seiner publizistischen Tätigkeit leitet er heute eine Kommunikationsagentur, zu deren Mandanten laut Medienberichten auch die SVP zählen dürfte. Weitere Autoren der Weltwoche sind der frühere SPD-Politiker und Buchautor Thilo Sarrazin, der Publizist Matthias Matussek oder die Bloggerin Anabel Schunke. Das prominenteste Gesicht der Zeitschrift bleibt aber unbestritten ihr Chefredakteur Roger Köppel, der auch auf dem Youtube-Kanal nahezu täglich präsent ist. Die Weltwoche wird daher auch als „Ein-Mann-Marke“ bezeichnet.

SVP

Die Schweizer Volkspartei (SVP) ist eine 1971 gegründete nationalkonservative Partei in der Schweiz. Unter dem Einfluss des Schweizer Unternehmers und Politikers Christoph Blocher übernahm sie vermehrt rechtspopulistische Positionen. Die Weltwoche gilt seit vielen Jahren als inoffizielles Sprachrohr der SVP.

Wie finanziert sich die Weltwoche?

Die finanzielle Situation der Weltwoche ist immer wieder ein heiß diskutiertes Thema. Die Gesellschaft hinter dem Medium gehört der „Köppel Holding AG“, deren zwei Verwaltungsräte Köppels Ehefrau und er selbst sind. Laut diesem finanziere sich die Weltwoche ausschließlich über Anzeigen und Abos. Obwohl die Auflage des Printmagazins stark gesunken ist, wird die Weltwoche nach wie vor als profitabel eingeschätzt, da sie mit vielen freien Autoren arbeitet und damit geringe Fixkosten haben dürfte. Zu den Werbekunden in der gedruckten Zeitschrift gehören viele renommierte schweizerische Unternehmen, daneben aber auch der verschwörungsaffine KOPP-Verlag. Der reichweitenstarke Youtube-Kanal dürfte zusätzlich dafür sorgen, dass die Köppel Holding AG an der dort platzierten Werbung Geld verdient. 

Gerade die Werbeschaltungen in der Weltwoche sorgen allerdings für Spekulationen, was deren Finanzierung betrifft: 2019 gibt es eine zeitliche Nähe zwischen einer Kolumne des chinesischen Botschafters und vermehrten Inseraten chinesischer Unternehmen. Der NZZ liegen damals Mails vor, wonach die chinesische Botschaft in der Schweiz ansässigen Firmen die Übernahme von Werbekosten in der Weltwoche angeboten haben soll. Und 2025 bringt die Zeitschrift ein wohlwollendes Dossier über die Türkei mit dem Titel „Wunder am Bosporus“. In derselben Ausgabe findet sich ein zweiseitiges Werbeinserat der teilstaatlichen Turkish Airlines. Zu den diesbezüglichen Rahmenbedingungen wollte sich Köppel offenbar nicht äußern.

Köppel über Orbán: „Sie sind eines meiner großen Vorbilder“

Die Berichterstattung der Weltwoche steht seit den 2010er Jahren verstärkt in der Kritik und beschäftigt immer wieder den Schweizer Presserat. Die Beiträge bedienen das typische Repertoire rechtsalternativer Medien: Kritisch bei Migration, Skepsis gegenüber der EU und Klimaschutz sowie die Ablehnung jeglicher „Political Correctness“. Zwar finden sich im Magazin manchmal auch konträre Positionen, was an der rechtspopulistischen Blattlinie aber wenig ändert: Als etwa 2019 ein Experte die klimapolitischen Thesen Köppels widerlegen darf, bringt die Weltwoche eine Woche später eine ganze Spezialausgabe heraus, die den menschengemachten Klimawandel als Extremposition darstellt. Das medienkritische Portal Übermedien sieht in dem eingeräumten Platz zur Gegenrede „kaum mehr als ein taktisches Manöver“. Passend dazu spricht der Klimawandelleugner-Verein EIKE inzwischen explizit von Zusammenarbeit mit der Weltwoche.

Schweizer Presserat

Seit 1977 ist der Schweizer Presserat das repräsentative Selbstkontrollorgan für medienethische Beschwerden in der Schweiz. In den vergangenen Jahren rügte er die Weltwoche mehrmals wegen Verstößen gegen den Journalistenkodex, u.a. im Jahr 2012 wegen einer diskriminierenden Titelseite von einem Roma-Kind mit Pistole.

Weltwoche Chefredaktor Roger Köppel - damals noch Mandatsträger bei der rechtspopulistischen SVP - Seite an Seite mit Viktor Orbán bei einem Treffen in Zürich 2023.
Roger Köppel (r.) mit Viktor Orbán in Zürich. Foto: IMAGO / 20 Minuten

Während in der Weltwoche vor allem gegen die Europäische Union angeschrieben wird, zeigt das Magazin eine fast schon kindliche Begeisterung für rechtspopulistische bis autoritäre Machthaber. Im Jahr 2025 ziert Donald Trump unzählige Male die Print-Titelseite mit Schlagzeilen wie „Der Befreier“, „Hoffnungsträger Trump“ oder „Präsident des Friedens“. Eine offenkundige Faszination hegte das Blatt für Ungarns früheren Ministerpräsident Viktor Orbán, den Köppel regelmäßig zu Veranstaltungen lud oder auf Reisen begleiten durfte. Es überrascht somit nicht, dass Orbán 2023 zur 90. Geburtstagsfeier der Weltwoche in Zürich persönlich anreiste, bei der Köppel ihn als eines seiner „großen Vorbilder“ vorstellte. Nur eine Woche vor der Abwahl Orbáns zeigte das Weltwoche-Cover diesen noch jubelnd im Fußballtrikot mit dem Titel „Prosit auf Orbáns Sieg“, was über die Schweiz hinaus für Spott sorgte. 

Wo steht Die Weltwoche politisch?

Die Würdigung eines weiteren Autokraten bringt die Weltwoche jedoch zunehmend ins Abseits. Zu Beginn des russischen Angriffskriegs 2022 hebt sie Wladimir Putin als „Der Missverstandene“ aufs Cover. Die dazugehörige Titelstory stammt von einem Autor, der bis dahin auch für den russischen Propagandasender RT DE tätig ist. In derselben Ausgabe heißt es weiter, dass der russische Präsident den „hohlen Moralismus seiner Gegner“ und die „Dekadenz des Westens“ entlarve – zu der Zeit wird die Ukraine bereits bombardiert. Seither weicht die Weltwoche von ihrer russlandfreundlichen Linie kaum noch ab und argumentiert dabei vor allem mit der schweizerischen Neutralität. Ein bekannter Kriegsreporter verließ die Weltwoche schon im Juni 2022, weil er nicht für ein „klar prorussisches Magazin“ schreiben und zugleich in der Ukraine arbeiten könne. Auch Henryk M. Broder beendet damals seine Kolumne bei der Weltwoche, weil dort zu viele „Putinisten“ zu Wort kämen. 

Fjodor Lukjanow links, Weltwoche-Chef Roger Köppel auf der rechten Seite. Das Bild zeigt ein Interview mit Lukjanow aus dem August 2026.
Roger Köppel im Gespräch mit dem russischen Propagandisten Fjodor Lukjanow, der nach Beginn der russischen Vollinvasion der Ukraine von der EU und Kanada sanktioniert wurde. Foto: Youtube-Screenshot Weltwoche

Hier dürfte Roger Köppel mitgemeint gewesen sein, der wenige Wochen nach Kriegsbeginn einen Artikel mit der Überschrift „Bekenntnisse eines Russland-Verstehers“ publiziert. In den folgenden Jahren reist Köppel mehrere Male nach Russland, was von Propaganda-Kanälen des Kremls ausgeschlachtet wird. Im April 2023 interviewt er einen bekannten Propagandisten des Putin-Regimes und eine mutmaßliche Kriegsverbrecherin, ohne sie mit wirklich heiklen Nachfragen zu konfrontieren. Endgültig skurril wird es bei einer Konferenz in Sotschi vom November 2024, als Köppel eine Frage direkt an Putin stellen darf, die er wie folgt beginnt: „Ich habe noch nie einen Leader Ihrer Statur gesehen, der so lange auf diesem Niveau kommuniziert. Gratulation, das ist fantastisch!“

Der Weltwoche wird daher vermehrt vorgeworfen, prorussische Propaganda zu verbreiten: Im April 2025 bringt sie einen Artikel, der ursprünglich von RT stammt und das Massaker von Butscha als Inszenierung von Ukrainern darstellt. Der Beitrag erscheint zunächst auch auf der Onlineseite weltwoche.de, obwohl die Verbreitung von RT-Inhalten in der Europäischen Union verboten ist. Wenig später deckt der Verein Fairmedia auf, dass das Format Weltwoche Daily schon seit einem Jahr regelmäßig Beiträge von RT in paraphrasierter Form übernimmt. Inhaltlich zielen die Artikel darauf ab, die Unterstützer der Ukraine in ein negatives Licht zu rücken, während Russland als mäßigende Kraft präsentiert wird. Ende 2025 warnt der deutsche Rechtsprofessor Viktor Winkler davor, dass Köppel aufgrund seiner Russland-Berichterstattung auf die EU-Sanktionsliste geraten könnte.

Massaker von Butscha

In Butscha wurden im Frühjahr 2022 eine Reihe von Kriegsverbrechen in einem Vorort von Kiew an ukrainischen Zivilisten durch die russische Armee verübt wurden. Auf der Website der Weltwoche wurde im April 2025 wahrheitswidrig insinuiert, dass die Leichen getöteter Ukrainer erst nach dem Abzug russischer Truppen in Butscha platziert worden seien.

Warum ist die Weltwoche problematisch?

Als etabliertes Medium aus der Schweiz trägt die Weltwoche dazu bei, prorussische Erzählungen zum Ukraine-Krieg in der deutschsprachigen Öffentlichkeit salonfähig zu machen. Der bayerische Verfassungsschutz gelangte 2024 zum Ergebnis, dass Kreml-Bots auf Social Media in signifikantem Umfang Artikel der Weltwoche verbreitet hätten, die mutmaßlich „ins russische Narrativ passen“. Der behördliche Befund passt ins Bild, wonach das Magazin – ob bewusst oder unbewusst – als Sprachrohr Moskaus fungiere. Auch deklariert prorussische „Alternativmedien“ verlinken auffallend oft auf Beiträge der Weltwoche.

Mit der Expansion nach Deutschland hat sich die Weltwoche außerdem sukzessive der AfD geöffnet und bietet der Partei heute eine unkritische Plattform. Auf dem Youtube-Kanal kommen bekannte AfD-Vertreter regelmäßig zu Wort, darunter Tino Chrupalla, Björn Höcke und Alice Weidel. Auch der AfD-nahe Verleger und rechtsextreme Vordenker Götz Kubitschek hatte auf dem Weltwoche-Kanal in einem vierstündigen Interview mit Köppel die Möglichkeit, seine völkischen Thesen ohne viel Widerspruch zu verbreiten. Einzelne AfD-Mitglieder schreiben inzwischen sogar für die Weltwoche: Im Juni 2024 durfte Björn Höcke einen polemischen Gastbeitrag zum Thema Fußball publizieren, Weidel erhielt Ende 2024 eine eigene Kolumne.

Weiterführende Artikel

  • „Achtung, die Älpler!“, Zeit Online, 11. Dezember 2023
  • „Rechte Alternativmedien: Die andere Welt der Weltwoche“, Falter, 5. November 2024
  • „Die weisse Krähe“, WOZ Die Wochenzeitung, Januar 2025
  • „Schweizer „Weltwoche“ zeigt Deutschland, wie Weltwunder-Journalismus geht“, Übermedien, 7. Juni 2021
  • „Die Schweizer Moskau-Connection“, FAZ Online,
    29. April 2025
  • „‚Weltwoche‘ verbreitet russische Verschwörungs­theorie – und nimmt sie dann kommentarlos vom Netz“, Tagesanzeiger, 9. April 2025
  • „Wie Roger Köppel bei Orbáns ‚Friedensmission‘ in Kiew die Fakten verdreht“, Watson,
  • „Das Köppel-Prinzip“, Blick, 5. März 2023
Ein Foto von Alice Weidel, als sie im Bundestag 2022 aus einem Weltwoche Artikel zitiert. Seit 2024 hat sie eine eigene Kolumne bei Der Weltwoche. Quelle: IMAGO / Chris Emil Janßen
AfD-Chefin Alice Weidel zitiert im Bundestag aus der Weltwoche. Foto: IMAGO / Chris Emil Janßen

Laut der WOZ gilt die Entwicklung des Magazins in der schweizerischen Medienszene nach wie vor als ein Tabu, was auch an der guten Vernetzung Köppels liegen dürfte. Dennoch scheint aktuell die Frage angebracht, inwieweit die Weltwoche gezielt antidemokratische Tendenzen in der Gesellschaft befördert. Denn obwohl man Köppel zufolge lediglich „unvoreingenommen und unabhängig“ berichte, ist die Weltwoche zu einem beliebten Organ rechtspopulistischer bis autoritärer Kräfte geworden. Ob Stephen Bannon, Viktor Orbán oder Alice Weidel – sie alle saßen in den letzten Jahren exklusiv bei Köppel auf der Bühne, dahinter stets prominent das Logo der Weltwoche.

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