München/Verden, 2. Dezember 2022. In Deutschland herrscht ein starkes Missverhältnis zwischen erledigten Ermittlungsverfahren und Strafprozessen bei Polizeivergehen. 2020 lag dieses laut Zahlen des Statistischen Bundesamts bei 4.565 zu 70. Für die Jahre zuvor zeigt sich ein nahezu deckungsgleiches Bild. Die Organisation Copservation fordert deshalb von Bundesinnenministerin Nancy Faeser, schnellstmöglich unabhängige Ermittlungsstellen einzurichten – und hierdurch eine neutrale Aufklärung für Betroffene zu ermöglichen. Ihre Petition auf WeAct (Petitionsplattform von Campact) haben bereits über 53.000 Menschen unterschrieben. Am Freitagvormittag brachte die Gruppe Copservation nun ihre Forderungen zur Innenminister*innenkonferenz (IMK) nach München. Dort überreichten sie ihre Petition an Dr. Christian Klos, Abteilungsleiter für Öffentliche Sicherheit beim Bundesministerium des Innern und für Heimat.

“Die Aufklärungsquote der Polizei bei eigenen Straftaten ist in einer gefährlichen Schieflage. Opfer werden häufig mithilfe von Gegenanzeigen zu Täter*innen umgekehrt. Die Folgen: Polizist*innen werden seltener angezeigt und die Dunkelziffer schnellt weiter in die Höhe. Bei der Polizei angesiedelte Beschwerdestellen lähmen die Aufklärung auch eher, anstatt sie zu fördern. Um diesen Kreislauf endlich zu durchbrechen, braucht es dringend unabhängige Beschwerdestellen“, erklärt Matti von Copservation. 

Dabei verweist die Organisation auf Dänemark als Vorbild. In dem Nachbarland gibt es bereits eine unabhängige Beschwerdestelle. Sie sei nicht nur personell und finanziell gut ausgestattet, sondern ermittle völlig unabhängig, mit Staatsanwaltschaft ähnlichen Befugnissen. Neben unabhängigen Beschwerdestellen setzt sich Copservation mit der WeAct-Petition ebenfalls dafür ein, dass Initiativen für Betroffene von polizeilichem Fehlverhalten in den Gesetzgebungsprozess mit einbezogen werden und eine Kennzeichnungspflicht für Polizist*innen eingeführt wird. 

Über Copservation

Copservation sammelt Berichterstattungen in Print- und Onlinemedien zu kontroversem Polizeiverhalten in Deutschland. Als Recherchegruppe arbeitet die Organisation öffentlich diskutiertes polizeiliches Handeln von 1990 bis heute kartographisch sowie chronologisch auf und stellt die Ergebnisse als allgemeines Recherchemittel zur Verfügung.

Zur WeAct-Petition:

https://weact.campact.de/petitions/deutschland-hat-ein-polizeiproblem-wir-fordern-unabhangige-beschwerdestellen

Auch interessant

Pressemitteilung Felix Kolb: „Verfassungsfeinde dürfen nicht regieren“ Mehr erfahren
Pressemitteilung 81.000 Menschen fordern Schutz queerer Menschen in Artikel 3 des Grundgesetzes Mehr erfahren
Pressemitteilung Kinder in Regenbogenfamilien: 118.000 Menschen fordern Gleichstellung Mehr erfahren
Pressemitteilung Petitionstarterin Nora Imlau fordert keine Kürzungen beim Elterngeld Mehr erfahren
Pressemitteilung Keine Krankschreibung ab dem ersten Tag – 180.000 Menschen unterzeichnen Petition Mehr erfahren
Pressemitteilung Abschaffung des Informationsfreiheitsgesetzes – FragdenStaat fordert SPD zum Handeln auf Mehr erfahren
Pressemitteilung BVG-Entscheidung zu NIUS-Werbung: „Protest wirkt!“ Mehr erfahren
Pressemitteilung Zukunft statt Gas – Energiewende verteidigen! Mehr erfahren
Pressemitteilung Christoph Bautz: „Gebäudegesetz ist klimapolitischer Irrsinn“ Mehr erfahren
Pressemitteilung Zukunft statt Gas: Klimabündnis ruft zu Demonstration in Hamm auf Mehr erfahren