Nimm mit 248.046 Campact-Aktiven Einfluss
auf aktuelle politische Entscheidungen.
Es war eine spontane Aktion: Sieben Atomkraftgegner haben den Castor-Transport gestoppt, der am Samstag durch die Hamburger Innenstadt gerollt ist. Sie sitzen auf der Mönkebergstraße und blockieren die Durchfahrt für den Lastwagen, der die strahlende Fracht zum Rathaus bringen soll.
„Wir haben gehört, es fährt ein Castor durch Hamburg“, erzählt Jan Becker, Sprecher der Atomkraftgegner. „Das kann nicht sein.“ Nachdem er die Information erhalten hat, wurden per Telefon schnell andere Aktivisten zusammengetrommelt, mehr Leute konnten in der kurzen Zeit nicht mobilisiert werden. Doch auch die sieben jungen Menschen ziehen die Aufmerksamkeit auf sich.
Merkwürdig: Die Polizei nimmt keine Notiz von den Blockierern. Stattdessen müssen Menschen in weißen Strahlenschutzanzügen die Straße freiräumen, damit der Castor weiterfahren kann. Es sind Wissenschaftler, die mit ihren Geigerzählern die Strahlung messen. Andere halten Schilder hoch, die vor dem Atomtransport warnen.
Für die Passanten ist die Blockade bloß ein unterhaltsames Schauspiel. Ernsthaft glaubt wohl niemand, dass ein unbewachter Castor-Transport mitten durch Hamburg City geleitet wird. Und bevor die Bürger aus dem Staunen heraus sind, haben sie schon ein Flugblatt in der Hand, das informiert: Das ist die Endlagersuche von Campact.
Heute sind mehrere hundert Umweltschützer gekommen. Vor dem Hamburger Hauptbahnhof geht es los, dunkle Wolken kündigen bereits ein Donnerwetter an. So schlimm wird es nicht, aber von der Sonne ist nichts zu sehen. Das einzige, was strahlt, ist immer noch der Atommüll.
Auf dem Weg zum historischen Marktplatz kommen die Atomkraftgegner an der Hamburger Vattenfall-Zentrale vorbei. Einmal kurz die Atomfässer aufstellen, Transparent aufspannen und fotografieren lassen. Vattenfall, Betreiber der Pannenreaktoren Krümmel und Brunsbüttel, ist schließlich einer der Lieblingsgegner von Umweltschützern. Nicht umsonst gibt es in Hamburg seit über zwei Jahren die Kampagne „Tschüss Vattenfall“.
Kurz vor dem Marktplatz gibt es für die Demo-Teilnehmer noch einmal aufmunternde Worte – aber nicht aus dem Lautsprecher von Campact, sondern aus dem Lautsprecher eines Würstchenverkäufers. „Ich find das klasse, was ihr macht“, schallt es laut aus den Boxen. „Das ist Demokratie.“ Die Atomkraftgegner wollen antworten – doch das Megafon kommt nicht gegen die Boxen an.
Um viele Leute zu erreichen, muss man nicht laut sein. Es reicht auch, wenn das Fernsehen kommt. Und das wartet schon vor dem Hamburger Rathaus: Der Norddeutsche Rundfunk NDR möchte über die Probebohrung berichten und hatte schon vorher Druck gemacht: Spätestens um Viertel nach vier muss der Castor-Transport am Ziel sein, nur dann würde das zeitlich ins NDR-Programm passen.
Medienberichte zur Aktion: