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„Liebt ihre Familie und ihre Heimat“; „Hält die Erziehung und Bildung der Kinder für ihre erste Pflicht“, „Lebt Familie, ist stolz für ihre Kinder zu leben, unterstützt ihren Mann in Liebe“ – so beschreibt die sächsische AfD die traditionelle Frau. Bei einem Post auf Instagram hat die AfD diesen frauenfeindlichen Vergleich veröffentlicht – die „traditionelle Frau“ trifft in der Grafik auf die „moderne ‚befreite‘ Feministin“. 

Moderne "befreite" Feministinnen vs. die traditionelle Frau - Instagram-Post der AfD
Quelle: Archiv des Instagram-Profils von Jonas Dünzel (Stellv. Kreisvorsitzender der AfD Zwickau)

Der Beitrag war schnell nicht mehr aufrufbar. Das Recherchekollektiv Correctiv konnte jedoch nachvollziehen, dass die AfD Sachsen das Bild auf Instagram veröffentlichte – und es wieder löschte. Eine ähnliche Version fand sich auch auf dem Profil des stellvertretenden Kreisvorsitzenden der AfD Zwickau. Für Maximilian Krah, achtfacher Vater und AfD-Abgeordneter im Europaparlament, ist „Feminismus heute (…) Krebs.“ Er vernichte die Weiblichkeit und verhindere Kinder.  

Frauenbild der 50er-Jahre

Aufopfern für die Kinder, Heim und Herd: Auch in ihrem Wahlprogramm zur Bundestagswahl verbreitet die AfD ein Frauenbild der 50er-Jahre – und zeigt sich davon überzeugt, dass es keine Gleichstellungspolitik braucht. 

Sie lehnt es ab, „eine ebenso willkürlich festgesetzte ‚Geschlechterquote‘ zu erzwingen“. Schon früher hieß es von der Partei: Frauenquoten seien „ein Gift, eine Säure, die unsere freiheitliche Gesellschaft zerfrisst“. Passend dazu sorgte die Partei in Thüringen dafür, dass eine paritätische Verteilung der Listenplätze untersagt wurde. In Sachsen setzte sie ein Gender-Verbot für die Stadtverwaltung und deren Betriebe durch. Weder in der Sprache noch in der Partei selbst tritt sie für Frauen ein – dennoch wächst die Zahl weiblicher Mitglieder. 2021 lag ihr Anteil bei 18,7 Prozent.

Ist die AfD frauenfeindlich?

Im Grundsatzprogramm der AfD findet sich die „traditionelle Frau“ schnell wieder. Neben Vorschlägen – wie der Einführung eines Familiensplittings oder der besseren Berücksichtigung von Care-Arbeit beim Rentenanspruch – befürwortet die Partei die „traditionelle Familie“, bestehend aus Mann, Frau und Kind(ern). Andere, alternative Lebensformen lehnt sie ab. 

Auch das Selbstbestimmungsgesetz will die AfD laut ihrem Wahlprogramm zur Bundestagswahl (S. 151) wieder zurücknehmen. Die Realität der Zweigeschlechtlichkeit müsse wieder anerkannt werden. Weiblichkeit und Männlichkeit, heißt es weiter, seien mit ihren unterschiedlichen Potenzialen etwas Positives. „Dadurch können sich Frauen und Männer hervorragend ergänzen.“ (S. 151) 

Diese Stereotypisierung von Männern und Frauen war auch oftmals Thema von Maximilian Krah, ehemaliger Spitzenkandidat für die Europawahl. Er sagte 2024 in einer Rede zum politischen Aschermittwoch: „Als echte Männer wollen wir echte Frauen haben.“ Und: „Feministinnen sind alle hässlich und grässlich.“ Daraufhin plädierte er: „Liebe Frauen, seid Frauen! Und zur Weiblichkeit gehört die Mutterschaft dazu. Das ist das, was uns inspiriert. Das ist das, was uns groß macht – echte Männer, echte Frauen, ein echtes Volk, das was aufbaut.“

Landtagswahlen 2026: AfD stoppen

2026 will die AfD erstmals ein Bundesland regieren – dafür steckt sie in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern 2,5 Millionen Euro in den Wahlkampf. Nun legen wir zusammen und kontern mit dem NoAfD-Fonds jeden Euro der Rechtsextremen.

Was die AfD unter „echten“ Männern und Frauen verstehen mag, skizzierte die Partei 2016 in ihrem Grundsatzprogramm. Statt auf Einwanderung setzt die Partei dort auf „eine höhere Geburtenrate der einheimischen Bevölkerung“, die sie mittels einer aktivierenden Familienpolitik sicherstellen will – diese richtet sich allerdings vor allem an deutsche Frauen in „normalen Familien“.

Alleinerziehende Frauen sollen nicht staatlich unterstützt werden. Und auch Migrantinnen passen nicht in das Frauenbild der AfD. Die Partei beschwört vielmehr einen angeblichen  „ethnisch-kulturelle(n) Wandel der Bevölkerungsstruktur“. Damit knüpft sie an die Verschwörungserzählung des „Großen Austauschs“ an, laut der angeblich die „einheimische“ – sprich, weiße – Bevölkerung ausgetauscht werden soll. 

AfD will Abtreibungen verbieten

Außerdem will die AfD eine „Willkommenskultur für Neu- und Ungeborene“ schaffen. Dahinter versteckt sich nichts anderes als die Ablehnung von Abtreibungen: „Die Alternative für Deutschland wendet sich gegen alle Versuche, Abtreibungen zu bagatellisieren, staatlicherseits zu fördern oder sie zu einem Menschenrecht zu erklären.“ Im Wahlprogramm zur Bundestagswahl (S. 150) betont die AfD, dass Abtreibungen nur in absoluten Ausnahmefällen erlaubt sein sollen – beispielsweise bei kriminologischen oder medizinischen Indikationen. Obendrein fordert die AfD ein erneutes Werbeverbot von Ärzt*innen für Schwangerschaftsabbrüche.

AfD: Von Männern für Männer

Lange Zeit hieß es, Frauen seien nicht so anfällig für Rechtsextremismus wie Männer. Und ja, das stimmt. In den USA wäre Donald Trump weder beim ersten noch beim zweiten Mal zum Präsidenten gewählt worden, wenn nur Frauen gewählt hätten. Hätten bei der Bundestagswahl 2021 nur Frauen gewählt, wäre die AfD nur auf neun statt 13 Prozent gekommen. Expert*innen nennen dieses unterschiedliche Wahlverhalten „Radical Right Gender Gap“. 

Und doch nimmt die weibliche Wählerschaft zu. Längst sind es nicht mehr nur Männer, die die AfD wählen: 44 Prozent ihrer Anhängerschaft sind mittlerweile weiblich. Ob in Sonneberg, in der Kleinstadt Raguhn-Jeßnitz oder in Pirna – zu den Wahlsiegen der AfD haben auch Frauen beigetragen.

Im Namen der Frauenrechte gibt die Partei immer wieder vor, Frauen schützen zu wollen. Dabei unterstellt sie aber, dass die Gefahr für Frauen allein von migrantischen Männern ausgehe: Die „Flüchtlingskrise“ im Jahr 2015 war ein Beispiel dafür. Gegen migrantische Männer hetzen, Frauen aus Schutz zurück ins Haus schicken, damit schlägt sie gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. Im Deutschen Bundestag hat die AfD bislang alle Gesetze abgelehnt, die die Rechte von Frauen verbessern wollten – ob bei Gewalt gegen Frauen oder beim Thema Elterngeld.

Frauen in der AfD: Vom Herd zur Parteispitze

Mit 11,54 Prozent hat die AfD den geringsten Frauenanteil im Deutschen Bundestag. Und dennoch weiß die AfD, dass sie es ohne die Stimmen der Frauen nicht weit schaffen wird. 2018 gründete sie die Arbeitsgemeinschaft „FridA (Frauen in der Alternative)“. Die zugehörige Website ist mittlerweile nicht mehr abrufbar. 

Auch ihre Parteispitze ist schon lange weiblich besetzt. Frauke Petry war jahrelang ein prominentes Gesicht der Partei. Abgelöst wurde sie von Alice Weidel oder auch von Beatrix von Storch, beide sind zwei sehr bekannte Figuren der Partei – und das, obwohl Weidel als lesbische Frau ganz und gar nicht dem Leitbild der AfD entspricht. Umso überraschender oder taktisch klug war es dann auch, dass sie diese Weidel als Kanzlerkandidatin ins Rennen geschickt haben. 

Frauen zurück an den Herd verbannen und sie gleichzeitig an die Spitze stellen – damit folgt die Partei dem Beispiel der französischen Politikerin Marine Le Pen, die ihre als rechtsextrem eingestufte Partei Rassemblement National gesellschaftsfähig gemacht hat. Bei der Präsidentschaftswahl 2022 scheiterte Le Pen nur knapp daran, Staatschefin zu werden. Dieses Jahr ist Weidels Kanzlerkandidatur aussichtslos. Doch das langfristige Ziel der AfD ist klar: 2026 finden im Osten Landtagswahlen statt und 2029 die nächste Bundestagswahl – dafür bringt sie sich in Stellung.


Anmerkung der Redaktion: Der Artikel wurde erstmals am 21. Juli 2023 veröffentlicht. Wir haben ihn aktualisiert und erneut veröffentlicht. 

Autor*innen

Vera Kuchler ist Soziologin und Journalistin. Bei Campact arbeitet sie seit 2017 als Redakteurin. Im Campact-Blog schreibt sie über Arbeit, Geschlecht und feministische Politik. Alle Beiträge

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