Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) kam, klagte und siegte! Am 29. Januar 2026 entschied das Bundesverwaltungsgericht: Die Klimaschutzmaßnahmen der Bundesregierung reichen nicht aus, um die Klimaziele zu erreichen. Wenn nicht mehr getan werde, verpasst Deutschland die Klimaziele 2030 um 200 Millionen Tonnen CO₂.
Bis Ende März muss die Regierung ein neues Klimaschutzprogramm vorlegen. Ein erster Entwurf, der vor kurzem geleaked wurde, ist nicht ambitioniert genug, um Deutschland wieder auf Kurs zu bringen. Die nächste Klage der DUH droht! Besonders in den Bereichen Verkehr und Gebäude sinken die Emissionen zu langsam. Viele unterschiedliche Maßnahmen sind nötig, um das zu ändern. Eine könnte aber schnell helfen: Ein Tempolimit.
Offener Brief für den Klimaschutz
Nach der Klimaklage der DUH gegen die Bundesregierung fordert ein breites gesellschaftliches Bündnis die feste Verankerung von Tempolimits im kommenden Klimaschutzprogramm.
Tempolimit notwendig für den Klimaschutz
Innerhalb kürzester Zeit und ohne große Kosten könnte die Bundesregierung ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen verfügen – auch, wenn Ex-Verkehrsminister Volker Wissing (damals FDP) 2022 noch etwas anderes behauptet hat. Die CO₂-Einsparungen wären – gemessen an dem geringen Aufwand – enorm: 6,7 Millionen Tonnen könnte eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 120 km/h auf Autobahnen einsparen. Weitere 1,3 Millionen Tonnen ließen sich außerdem einsparen, wenn die Geschwindigkeit auf Landstraßen auf 80 km/h gesenkt würde.
Zwar verringern sich die möglichen Einsparung, wenn die Zahl der E-Autos deutlich steigen würde. Aber aktuell liegt der Anteil von reinen E-Autos bei Neuzulassungen bei 22 Prozent. Auf Deutschlands Straßen sind insgesamt weniger als 4 Prozent der Autos rein elektrisch unterwegs. Es wird noch sehr lange dauern, bis die CO₂-Emissionen durch eine veränderte Fahrzeugflotte sinken.
Weniger Stau, weniger Unfälle, weniger Tote
Abgesehen davon, dass sich Emissionen vermeiden lassen, hätte ein Tempolimit noch weitere Vorteile. Viele Unfälle auf Autobahnen passieren wegen der unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Während LKW mit 80 auf der rechten Spur fahren, können Raser mit über 300 km/h auf der linken Spur langbrettern. Eine Unaufmerksamkeit beim Spurwechsel kann katastrophale Folgen haben. Grundsätzlich sind Unfälle umso gefährlicher und oft auch tödlicher, je schneller die Autos unterwegs sind. Ein Tempolimit auf der A24 hat eindrucksvoll bewiesen, wie viel sicherer die Autobahn durch eine Geschwindigkeitsbegrenzung wird.
Fast die Hälfte aller Tode …
… geht auf überhöhte Geschwindigkeiten zurück. Laut einer Auswertung des Statistischen Bundesamtes waren zum Erhebungszeitpunkt 46 Prozent aller tödlichen Unfälle im Straßenverkehr auf nicht-angepasste Geschwindigkeit zurückzuführen.
Durch ein Tempolimit würde außerdem die Zahl der Staus abnehmen. Zum einen würde das Fassungsvermögen der Autobahnen durch niedrigere Geschwindigkeit wachsen, denn langsamere Autos müssen weniger Abstand halten. Zum anderen sind bei unterschiedlichen Geschwindigkeiten häufiger Bremsmanöver notwendig, durch die sich der Verkehr staut. Weniger Stau bedeutet weniger Stress, was ebenso die Gefahr von Unfällen reduziert.
Menschen sind dafür – die Parteien uneinig
57 Prozent der Deutschen wünschen sich ein Tempolimit auf Autobahnen. Sogar 55 Prozent der ADAC-Mitglieder sind dafür! Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat ist ebenso für ein Tempolimit, wie auch die Gewerkschaft der Polizei. Doch in der Regierung gibt es Uneinigkeit.
Die SPD ist für ein Tempolimit von 130 km/h auf deutschen Autobahnen, die Union ist gegen ein generelles Tempolimit. Im Koalitionsvertrag steht darum kein Wort zum Tempolimit. Offenbar wollen die Regierungsparteien das Thema für diese Legislatur ausklammern. Angesichts der ernsten Lage beim Klimaschutz ist das ein Fehler. Es wird Zeit, dass die Union aufhört mit ihrer Klientelpolitik und stattdessen ihrem Bekenntnis zu den Klimazielen endlich die entsprechende Politik folgen lässt.