Die AfD wünscht sich eine Wirtschaft von gestern. Obwohl sie das Gegenteil behauptet, lehnt sie ökonomische Modernisierung über weite Strecken ab. Sie befürwortet Kohlekraftwerke und russisches Gas, wendet sich gegen Elektroautos und spielt mit dem Staatsbankrott. Könnten die Hartrechten dieses Programm verwirklichen, würde Deutschland ein Wirtschaftsmuseum des 20. Jahrhunderts: abgehängt, heruntergewirtschaftet, ein Hilfeempfänger innerhalb der EU, ohne Chancen gegen Konkurrenten wie China.
Mehr Arbeiter:innen wählten AfD
Leider verfängt das Programm trotzdem. Das lässt sich an den jüngsten Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz ablesen. Die in Teilen als rechtsextrem eingestufte Partei verbuchte dort nicht nur insgesamt steigende Wahlergebnisse . Es machten sich auch zwei ökonomisch-soziale Phänomene bemerkbar. Einerseits nahm der Anteil der Arbeiter:innen zu, die die Partei wählten, andererseits schrieben mehr Wähler:innen als früher den Rechten ökonomischen Sachverstand zu.

Landtagswahlen 2026:
AfD stoppen
2026 will die AfD erstmals ein Bundesland regieren – dafür steckt sie in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern 2,5 Millionen Euro in den Wahlkampf. Nun legen wir zusammen und kontern mit dem NoAfD-Fonds jeden Euro der Rechtsextremen.
In Umfragen des Instituts infratest dimap stieg der AfD-Wert für sozialpolitische Kompetenz zwischen Februar 2025 und Februar 2026 von 11 auf 16 Prozent. Und während im Februar 2025 noch 12 Prozent der Befragten den Hartrechten wirtschaftspolitische Kompetenz zubilligten, waren es im Februar 2026 schon 18 Prozent. Die traditionellen Marktführer, die SPD in der Sozialpolitik und die Union die Wirtschaftspolitik, liegen jedoch immer noch weit vorne. Die SPD kommt nun auf 24 Prozent für ihre sozialpolitische Kompetenz, die Union auf 31 Prozent in der Wirtschaftspolitik. Allerdings nimmt ihr Vorsprung ab.
Nicht komplett daneben. Aber …!
Mehr Leute als bisher scheinen also die Forderungen zu befürworten, die die AfD in den Raum stellt. Wobei das Programm der Partei auch nicht komplett irre ist. Hier und da nimmt es tatsächliche Probleme auf, und einige der Botschaften sind von den Parteien der Mitte ebenfalls zu hören. Um normale Wirtschaftspolitik handelt es sich zum Beispiel, wenn die AfD für Digitalisierung und Bürokratieabbau plädiert, gegen die geplante Übernahme der Commerzbank durch die italienische Bank Unicredit wettert, eine weitere Senkung der Mehrwertsteuer für Gaststätten verlangt oder die Zweckentfremdung des schuldenfinanzierten Sondervermögens durch die Bundesregierung kritisiert.
Der Kern ihrer Wirtschaftspolitik aber bleibt gefährlich. Denn Umwelt- und Klimapolitik halten die Hartrechten grundsätzlich für Quatsch. Sie stellen sich damit gegen das Ziel der Klimaneutralität, das die Mehrheit der Welt richtig findet, wie das Pariser Klima-Abkommen zeigt. Diese Anti-Klima-Haltung der AfD führt auch zu einer Anti-Wirtschaftspolitik. China verdient Dutzende Milliarden Euro mit Elektroautos. Wenn BMW, Daimler und VW das nicht auch bald schaffen, hat die deutsche Autoindustrie schlechte Aussichten.
AfD macht Wirtschaft für Superreiche
Die AfD will dem deutschen Staat über 100 Milliarden Euro pro Jahr wegnehmen – ein Aderlass, der den Bundeshaushalt an den Rand des Kollaps brächte. Das wäre das Ergebnis der Reform der Einkommensteuer, die die Partei fordert. Einige Handwerker und Mittelständler würden davon ebenfalls profitieren – vor allem aber wollen die Rechtsextremen dieses Geld den Reichen und Superreichen schenken. Denn rund drei Viertel der privaten Mehreinnahmen – die andere Seite der staatlichen Verluste – kämen bei den reichsten zehn Prozent der Bevölkerung an, hat Steuer-Experte Stefan Bach vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin berechnet. Das wäre das Ergebnis, wenn ein einheitlicher Satz der Einkommen- und Gewinnsteuer von 25 Prozent eingeführt würde, wie es die AfD will.
In dieses Bild passt, dass die AfD auch die Erbschaftsteuer abschaffen möchte, deren rund 13 Milliarden Euro Einnahmen den Bundesländern zugute kommen. Gleiches gilt für die Grundsteuer. Hier wären die Kommunen die Leidtragenden, denen diese Steuer auf Immobilienbesitz heute zufließt. Diese Ansätze zeigen die neoliberalen bis libertären Absichten der AfD, die sich vor allem um das private, nicht aber um das öffentliche Wohlergehen bemüht.
Egoismus statt Gemeinwohl
Allerdings ist das Programm widersprüchlich. Denn in der Sozialpolitik treten die teils Rechtsextremen autoritär-repressiv auf. Da sind sie plötzlich für den starken Staat. Selbst die neue Grundsicherung, die strengere Variante des bisherigen Bürgergeldes, ist ihnen zu großzügig.
Stattdessen sollen arbeitslose Empfänger:innen nach sechs Monaten Grundsicherungsbezug verpflichtend Bürgerarbeit leisten, in vielen Fällen kein Bargeld erhalten und ständige Kontrollen über sich ergehen lassen. Auto-Arbeiter, die bei Mercedes oder Volkswagen ihre Jobs verlieren und dann vielleicht länger arbeitslos sind, müssen damit rechnen, von der AfD als faul und Schmarotzer diffamiert zu werden. Die AfD ist die Partei des Egoismus, die die gegenseitige Verantwortung der Bürger:innen, soziale Sicherheit und Gemeinsinn weit von sich weist.
Das alles mag man beklagen – aber was könnte helfen, um den Zuwachs der AfD in diesem Bereich zu bremsen? Zum Beispiel eine Industriepolitik, mit der Union und SPD auf die Sorgen der Beschäftigten reagieren. Die Regierungskoalition könnte vorübergehend den Strompreis für Industrieunternehmen subventionieren, um Arbeitsplätze zu sichern und gleichzeitig Investitionen in die Klimaneutralität zu ermöglichen. In der Steuerpolitik ginge es darum, die soziale Balance zu wahren – etwa mit Entlastungen unten und in der Mitte bei gleichzeitig höheren Abgaben für große Einkommen und Vermögen. Denn ein verbreitetes Gefühl der Ungerechtigkeit nimmt wegen der wirtschaftlichen Schwächephase wieder zu. Hoffentlich gelingt es Union und SPD, in dieser Hinsicht einen Kompromiss zu finden.